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Fachbeschreibung
Betriebswirtschafts-lehre
Christine Böhringer

KURZ-INFO +++ Betriebswirte untersuchen Märkte und steuern Unternehmen +++ Sie arbeiten nicht nur mit Zahlen, sondern vor allem mit Menschen +++ Von Anfang an gehören praxisnahe Planspiele zum Studium +++ BWL ist ein sehr beliebtes Fach +++ Betriebswirte müssen Englisch sprechen +++

Worum geht es?
Ein tolles Produkt allein macht ein Unternehmen noch nicht erfolgreich. Was alles noch dazugehört, damit beschäftigt sich die Betriebswirtschaftslehre (BWL): Gibt es überhaupt Nachfrage (Marktforschung)? Wie lässt ein Produkt sich günstig herstellen (Produktion, Beschaffung)? Wie besorgt man Kapital (Finanzen)? Wie findet man gute Mitarbeiter und motiviert sie (Personalwesen)? Wie lässt sich das Produkt am besten verkaufen (Marketing)? Und was verlangt das Finanzamt (Steuerlehre)? Dies sind nur einige Beispiele.
Die Betriebswirtschaftslehre hat nicht nur das einzelne Unternehmen im Blick, sondern auch den Markt, den Kunden, die Konkurrenz und den Staat, der die Rahmenbedingungen vorgibt. BWL hat viel mit Gewinnen und Verlusten zu tun, aber vor allem mit Menschen und deren wirtschaftlichem Handeln. Sie untersucht dieses Handeln und leitet daraus Empfehlungen für Unternehmen ab.

Wie ist das Studium aufgebaut?
In den ersten Semestern bekommen die Studenten betriebswirtschaftliche Grundlagen vermittelt, die sie im Verlauf des Studiums ausbauen und vertiefen. Dazu gehören Marketing und Finanzierung ebenso wie Personalwesen und Management. Sie lernen etwa, was sie bei der Standortwahl eines Unternehmens beachten müssen, wie sie kostengünstig Material beschaffen können, von welchen Kriterien die Höhe des Lohns eines Mitarbeiters abhängt und welche Aufgaben Manager haben. Im Rechnungswesen lernen sie neben Buchführung, wie man einen Jahresabschluss erstellt und was das Steuerrecht von einem Betrieb verlangt. In der Finanzwirtschaft geht es zum Beispiel um Preisbewegungen auf Finanzmärkten. Wenn ein Unternehmen seine Produkte ins Ausland exportiert, kann der Wechselkurs große Auswirkungen auf den Gewinn haben.
Hinzu kommen Vorlesungen und Übungen in Mathematik, Statistik, Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre. »In manchen Fächern wie dem Management gibt es sehr viel Frontalunterricht und einiges an Stoff, den man erst mal auswendig lernen muss«, sagt Manuel Rez, 22, der im dritten Semester an der Uni Mannheim Betriebswirtschaftslehre studiert.
Da es in BWL-Vorlesungen oft um Modelle geht, werden sie von Übungen und Tutorien begleitet, in denen Einzelheiten vertieft werden. Die Studenten ermitteln zum Beispiel den optimalen Standort für eine Produktionsstätte. In Fallstudien lernen sie, selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten und Probleme von Unternehmen mit betriebswirtschaftlichen Methoden zu analysieren. Die Hochschulen arbeiten oft mit Firmen zusammen, um den Austausch zwischen Theorie und Praxis zu verbessern. Zum Beispiel analysieren sie anhand des Geschäftsberichts eines Konzerns seine strategische Ausrichtung, die Positionierung der unterschiedlichen Unternehmensbereiche und vergleichen ihn mit seinen Wettbewerbern.
In den meisten Modulen sammeln die Studenten das gesamte Semester über Punkte. Die Prüfungsformen sind vielfältig: Das können neben Klausuren auch Präsentationen, Vorträge, Hausarbeiten oder Diskussionen sein.
Die meisten Universitäten verlangen mindestens ein Praktikum. Die Studenten organisieren dann etwa in der Marketingabteilung eines Softwareherstellers die Messeauftritte oder erarbeiten im Einkauf eines Autoherstellers Strategien für Verhandlungen mit Lieferanten.
Noch mehr Wert auf praktische Erfahrungen legen die Fachhochschulen, dort sind ganze Praxissemester vorgesehen. »Die berufspraktischen Abschnitte können die spätere Stellensuche sehr erleichtern«, sagt Rainer Ziegler von der Bundesdekanekonferenz Wirtschaftswissenschaften.
Auslandsaufenthalte sind bei vielen Studiengängen integriert: Mit Einführung der gestuften Studiengänge wurden viele Bachelorprogramme international ausgerichtet, es gibt Doppel-Bachelors wie den Double Degree European Business Studies an der FH Aachen: Im zweiten Jahr wird in Spanien, Italien, Frankreich oder in Belgien studiert, im dritten in Schweden, Schottland oder Frankreich. Wo ein Auslandssemester nicht integriert ist, sollte man es rechtzeitig planen. Ein kurzer Sprachkurs reicht meist nicht. »Es geht den Unternehmen darum, dass man beweist, dass man länger in einer anderen Kultur zurechtkommt«, sagt Andreas Oehler, Professor und Studienbeauftragter für Bachelor- und Masterstudiengänge BWL an der Uni Bamberg.
Viele Bachelorstudiengänge sind zwar breit angelegt, aber bei einigen kann man von Beginn an Schwerpunkte setzen. Holzwirtschaft an der Uni Hamburg verknüpft zum Beispiel BWL und Forstwissenschaft, an der FH Ludwigshafen gibt es Logistik, Wirtschaftspädagogik an der HU Berlin, Marketing an der FH Furtwangen.
Nach dem Bachelor wird die Auswahl an Spezialisierungen noch größer. Allein an der Universität Frankfurt kann man vier verschiedene Masterprogramme belegen: Quantitative Economics, International Economics and Economic Policy, Management oder Money and Finance. Deshalb sollte man während des Bachelorstudiums herausfinden, welches Gebiet einem am meisten liegt, um sich im Master darauf zu konzentrieren.

Neue Entwicklungen
Im Studium der Betriebswirtschaftslehre gibt es zwei entgegengesetzte Tendenzen: Einige Hochschulen bieten neue Studiengänge an, die sich stark spezialisieren. Andere setzen auf generelles Wissen. »Der Trend geht zum ökonomischen Bachelor, der VWL und BWL vereint«, sagt Andreas Oehler. »Wirtschaftswissenschaften« heißen diese Studiengänge oft, man kann sie etwa an den Unis in Frankfurt und Erlangen oder an den FHs in Mainz und Bielefeld belegen. Sie wollen methodische und theoretische Grundlagen vermitteln, die im Beruf lange verwendet werden können.
Bei den enger gefassten Bachelorprogrammen bieten viele eine Kombination mit Jura oder mit Technik an. An der Uni Augsburg etwa kann man Rechts- und Wirtschaftswissenschaften studieren, an der Uni Münster Economics and Law. Viele FHs bieten seit Jahren Wirtschaftsrecht an.

Eignung, Hürden, Irrtümer
Betriebswirtschaftslehre ist das Fach mit den meisten Studenten in Deutschland. Darum suchen sich die Hochschulen ihre Erstsemester aus. Die Mehrzahl wählt per örtlichen Numerus clausus aus. Bei einigen Bachelorstudiengängen liegen die Hürden höher; gerade die international ausgerichteten Programme sind gefragt: Hier muss man einen besseren Abiturschnitt vorweisen, und die Bewerber werden häufig zum Gespräch geladen – etwa an der KU Eichstätt oder in Tübingen. Viele Hochschulen verlangen einen Nachweis guter Englischkenntnisse – entweder durch entsprechende Noten im Abi oder durch ein Toefl-Zertifikat (Test of English as a Foreign Language). »Wir brauchen Englisch ständig: bei Vorlesungen, die auf Englisch gehalten werden, wenn wir Bücher lesen oder ein Praktikum in einem internationalen Unternehmen machen«, sagt Manuel Rez. Wer BWL studieren möchte, sollte starkes Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen und die Fähigkeit haben, sich neue Themen schnell zu erschließen und seine Meinung überzeugend zu präsentieren. »Wer Betriebswirtschaftslehre studiert, sollte weltoffen und neugierig sein und ein Gefühl für Menschen haben«, sagt Rainer Ziegler. Der Erfolg eines Unternehmens wird zwar in Zahlen gemessen, doch Menschen bewirken ihn – Manager müssen geschickt kommunizieren.
Mathe, Statistik und Recht bedeuten für viele in den ersten Semestern eine Durststrecke. Gleichungen begleiten die Studenten durch das ganze Studium. »Drei Viertel aller Fächer haben mit Rechnen zu tun«, sagt Manuel Rez, der Student aus Mannheim.

Berufsfelder
Betriebswirte managen Projekte, analysieren und steuern Abläufe; sie entwickeln etwa ein Marketingkonzept für eine Brauerei, prüfen bei einem Werkzeughersteller die Ausgaben auf Plausibilität oder verhandeln in der Beschaffung mit Lieferanten. Welches Wissen gebraucht wird, hängt auch von der Konjunktur ab. In wirtschaftlich schlechten Zeiten haben solche Absolventen besonders gute Chancen, die sich mit Controlling, Wirtschaftsprüfung oder Steuerlehre beschäftigt haben – sie sollen helfen, Kosten zu senken.
Viele Unternehmen stellen bevorzugt Generalisten ein, um sie in Trainee-Programmen nach eigenem Bedarf zu spezialisieren. Deutsche Unternehmen müssen mit Bachelors noch Erfahrungen sammeln, internationale besetzen mit den Absolventen kaufmännische Stellen, Assistenzpositionen oder Sachbearbeiter-Posten. »Der Master mit der richtigen Spezialisierung ist deshalb für alle zwingend, die Karriere machen wollen«, sagt Andreas Oehler. Masterabsolventen finden interessantere Arbeitsplätze und können mit besserer Bezahlung rechnen. Bachelorabsolventen können den Master auch später nachholen, viele Studiengänge sind berufsbegleitend, oft finanzieren sogar die Arbeitgeber die Weiterbildung.
Die meisten Arbeitsplätze gibt es bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, und viele von ihnen sind weltweit tätig oder sogar Weltmarktführer auf ihrem Gebiet. Oft sind die Chancen dort besser, Verantwortung zu übernehmen und schnell aufzusteigen.

BÜCHER UND LINKS
Wolfgang Henning: Studienführer Wirtschaftswissenschaften; 6. Auflage; Lexika -Verlag, Eibelstadt 2007; 239 S., 15,00 €.Stellt die Studienfächer rund um die Wirtschaft vor. Mit einem Extrakapitel über Studieren im Ausland und Berufsstart

www.wiwi-treff.de: Umfangreiche Nachrichtenseite. Informationen zu neuen Studiengängen, Trainee-Programmen oder Recruiting-Workshops

www.vwl-bwl.de: Linksammlung mit Schnellzugang zu den Fakultäten. Mit Stellenmarkt, Praktika und Stipendien

Stimme vom Campus: Studenten berichten von ihrem Fach Betriebswirtschaftslehre

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