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  • Soziale Arbeit

  • VON OLIVER BURGARD

    KURZ-INFO +++ Sozialarbeiter und Sozialpädagogen unterstützen Menschen, die sich selbst nicht helfen können +++ Den Studiengang bieten fast nur Fachhochschulen an +++ Bildungseinrichtungen werden ein wichtiges Arbeitsfeld +++ Eine robuste Psyche und Einfühlungsvermögen sind für die Arbeit nötig +++

    Worum geht es?
    Wie organisiert man Hilfe für Menschen, die ihr Leben nicht selbst bewältigen? Diese Frage beschäftigt Sozialarbeiter und Sozialpädagogen. Das Studium vermittelt ihnen das nötige Wissen. Egal ob es um Arme geht, um Obdachlose oder Flüchtlinge, um Drogenabhängige oder um psychisch Kranke – Sozialarbeiter sind Experten für Krisenintervention. Zu ihrem Einsatzgebiet zählen aber auch Kindergärten oder Schulen und zunehmend die Leitung sozialer Einrichtungen. Das Studium umfasst neben Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit Themen aus Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Medizin, Wirtschaft, Rechtswissenschaft und Politik.
    Abgesehen von einigen wenigen Universitäten, bieten vor allem Fachhochschulen das Fach an; etwa jede vierte hat einen kirchlichen Hintergrund. Manche erwarten von ihren Bewerbern ein Praktikum vor der Einschreibung, andere laden sie zu Auswahlgesprächen ein, so zum Beispiel die Evangelische Hochschule Ludwigsburg oder die Hochschule Fulda.
    Vor der Bewerbung sollte man sich nicht nur über die Zulassungsvoraussetzungen informieren, sondern auch über die Unterschiede in den Lehrplänen. Das geht im Internet auf den Seiten der Hochschulen oder zum Beispiel auf der Fachmesse ConSozial in Nürnberg. Sie vermittelt jedes Jahr im Herbst einen Überblick über Ausbildungsmöglichkeiten und freie Stellen in der Sozialwirtschaft.

    Wie ist das Studium aufgebaut?
    In den ersten Semestern lernen die Studenten die grundlegenden Begriffe des Faches kennen. Sie untersuchen beispielsweise, unter welchen Bedingungen Armut oder Rassismus entstehen, und üben, wie man gesellschaftliche Entwicklungen analysiert, Daten erhebt und auswertet. Neben Klausuren und Seminararbeiten müssen die Studenten ihr Wissen in Referaten oder mündlichen Prüfungen beweisen. Bisweilen erhalten sie auch Leistungsnachweise dafür, dass sie die Arbeitsergebnisse eines Seminars in einer PowerPoint-Präsentation vorstellen, ein Theaterstück inszenieren oder einen Film drehen.
    »Am Anfang ist das Studium sehr verschult«, sagt Florian Tamm, Erstsemester an der Fachhochschule Kiel. Das ändert sich in den höheren Semestern. Die Studenten setzen eigene Schwerpunkte, wobei Theorie und Praxis meist eng miteinander verzahnt sind. Mindestens hundert Tage arbeiten Studenten während des Studiums als Praktikanten in sozialen Einrichtungen, in Vereinen oder Behörden. Manche Studiengänge enthalten ein Praxissemester, in anderen sind die Praxisanteile auf verschiedene Phasen des Studiums verteilt.
    Begleitend zur Praxis belegen die Studenten Seminare, in denen sie ihre Erfahrungen in wissenschaftliche Zusammenhänge einordnen. »Vier Tage Praktikum, ein Tag Hochschule« – so machte es zum Beispiel Fotios Papadopoulos, 25, der im siebten Semester an der Alice Salomon Hochschule Berlin studiert. Er arbeitete ein halbes Jahr lang für einen sozialpsychiatrischen Dienst und weiß nun, wie das Studienthema »Beratung in der Sozialarbeit« in der Praxis funktioniert: »Manchmal reicht es, eine Haushaltshilfe zu organisieren, in anderen Fällen geht es nicht ohne eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie.« Bei der Suche nach einem passenden Praktikum werden die Studenten von den Hochschulen unterstützt. Vielerorts können sie das Praxissemester auch für einen Auslandsaufenthalt nutzen.
    Mit dem Bachelorabschluss kann man als Sozialarbeiter anfangen. Wer einmal eine Einrichtung wie ein Sozialamt, ein Jugendzentrum oder eine Kindertagesstätte leiten möchte, sollte einen Master machen – das geht aber auch berufsbegleitend. Viele Hochschulen haben Studiengänge für Sozialmanagement aufgelegt, in denen es unter anderem um Budgetplanung, Marketing und Personalentwicklung geht (unter anderem Evangelische Hochschule Dresden, Fachhochschule Münster, Evangelische Fachhochschule Nürnberg, Hochschule Mittweida, Hochschule Kempten, Universität Duisburg-Essen). Andere Masterstudiengänge bieten fachliche Spezialisierungen. Zur Wahl stehen beispielsweise Klinische Sozialarbeit für die Arbeit im Krankenhaus (Hochschule Coburg, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin, Alice Salomon Hochschule Berlin), Soziale Arbeit in der Psychiatrie (Hochschule München) oder auch Sozialinformatik: die Entwicklung und Anwendung von Datenbanken und Softwarepaketen für soziale Einrichtungen (Universität Eichstätt-Ingolstadt). »Mit dem Masterabschluss hat man die Möglichkeit, sich für Führungsaufgaben zu qualifizieren«, sagt der Vorsitzende des Fachbereichstags Soziale Arbeit, Ulrich Bartosch.

    Neue Entwicklungen?
    Immer mehr Studenten interessieren sich für die Arbeit in Bildungseinrichtungen, etwa für die Schulsozialarbeit. Neu ist der Studienschwerpunkt Kindheitspädagogik. An vielen Hochschulen (unter anderem Fachhochschule Köln, Hochschule für Technik und Wissenschaft des Saarlandes, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) sind dafür Bachelor- und Masterprogramme entstanden. In solchen Studiengängen lernen die Studenten, wie man Bildungs- und Betreuungskonzepte für Kindergärten entwickelt und umsetzt.
    In vielen neuen Bachelor- und Masterprogrammen steht die Betreuung und Pflege alter Menschen im Mittelpunkt, etwa an der Evangelischen Hochschule Freiburg und der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg, im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit und Pflege an der Fachhochschule Ludwigshafen oder im Masterprogramm Soziale Dienste in der alternden Gesellschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Die Studenten lernen in diesen Studiengängen, wie man alte Menschen beim Koordinieren von Hilfsangeboten wie Pflegediensten oder Haushaltshilfen unterstützt und ihnen auf diese Weise hilft, ihre Selbstständigkeit zu erhalten.

  • Eignung, Hürden, Irrtümer
    Künftige Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sollten neben dem Wunsch zu helfen auch Toleranz und Geduld mitbringen. »Man kann Obdachlose nicht gegen ihren Willen von der Straße holen«, sagt Raingard Knauer, Dekanin am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der FH Kiel. Stattdessen geht es darum, mit Hilfsangeboten Perspektiven zu entwickeln. Dazu muss man die Hilfseinrichtungen gut kennen: Wo können Obdachlose den Tag verbringen? Wo duschen? Wo übernachten?
    Viele Studenten sind überrascht, dass Recht und Verwaltung auf dem Studienprogramm stehen. Aber um ihre Klienten zu vertreten, müssen Sozialarbeiter deren Rechte kennen. Sehr wichtig ist Kommunikationstalent. »Man muss stets in der Lage sein, den richtigen Ton anzuschlagen«, sagt Ulrich Bartosch – ob beim Vortrag vor Sponsoren oder bei der Arbeit auf der Straße. Dort bekommen Sozialarbeiter manchmal den Zorn derer ab, denen sie helfen wollen. »Man braucht eine robuste Psyche«, sagt Bartosch. Das kann der Student Fotios Papadopoulos nach seinem Praxissemester beim sozialpsychiatrischen Dienst bestätigen: »Ich habe Dinge erlebt, die ich vorher nur aus dem Fernsehen kannte: verwahrloste Wohnungen und Menschen mit extremen psychischen Störungen, die oft sehr aggressiv waren.«

    Berufsfelder
    Sozialarbeiter und Sozialpädagogen unterstützen Hartz-IV-Empfänger beim Papierkrieg mit Behörden oder entwickeln Sportprogramme für Jugendliche, die sonst auf der Straße rumhängen würden. Sie sind als Streetworker unterwegs und helfen Junkies beim Entzug. Sie unterstützen verschuldete Menschen bei Verhandlungen mit der Bank und helfen Einwanderern, eine Wohnung und einen Job zu finden. Sie kümmern sich um alte Menschen oder erstellen Finanz- und Personalpläne für soziale Einrichtungen. Sozialpädagogen mit Schwerpunkt Kindheitspädagogik arbeiten in Kindertagesstätten, oft in leitenden Funktionen, und sie betreuen auch Kinder und Jugendliche in Ganztagsschulen.
    Die wichtigsten Arbeitgeber sind kirchliche Verbände, etwa Caritas und Diakonie, sowie Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege wie Paritätischer Wohlfahrtsverband, Arbeiterwohlfahrt oder Deutsches Rotes Kreuz. Auch der öffentliche Sektor bietet Arbeitsplätze in Ämtern, Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern. Die Aufgaben von Sozialarbeitern und Sozialpädagogen unterscheiden sich je nach Arbeitgeber und Einsatzgebiet stark voneinander. Manche müssen gut organisieren können, in anderen Fällen ist vor allem Einfühlungsvermögen, gepaart mit Standfestigkeit, gefragt. Manchmal schätzen auch Unternehmen die Fähigkeit der Sozialexperten, auf Menschen einzugehen und mit ihnen Perspektiven zu erarbeiten – und setzen sie in der Personalentwicklung ein.

    BÜCHER UND LINKS
    Dieter Kreft/Wolfgang Müller (Hrsg.): Methodenlehre in der Sozialen Arbeit. UTB/Ernst Reinhardt Verlag, München 2010; 182 S., 19,90 €. Das Buch erklärt, wie Verfahren und Techniken der Sozialen Arbeit in der Praxis funktionieren – von Beratung über Coaching bis zum Rollenspiel.

    Werner Thole (Hrsg.): Grundriss Soziale Arbeit. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage; VS-Verlag, Wiesbaden 2010; 990 S., 44,95 €. Erklärt Ausbildung, Forschung, Theorie und Praxis der Sozia-len Arbeit. Ein Buch für Studenten und Lehrende.

    www.selfassessment.uni-nordverbund.de: Bietet einen Selbsttest zu Fächern der Gesellschafts- und Sozialwissenschaften an, wozu auch die Soziale Arbeit gehört.

    www.consozial.de. Website der jährlichen Fachmesse ConSozial in Nürnberg mit Überblick über Ausbildungsmöglichkeiten und Jobs in der Sozialwirtschaft.

    www.soziales-netz.de. Informationen, Links und Literaturtipps zur Sozialen Arbeit von A bis Z.

    www.sozialarbeit.de: Lädt Studenten, Lehrende und Sozialarbeiter zum Meinungsaustausch ein. Mit internationaler Praktikumsbörse.

    Stimme vom Campus: Studenten berichten von ihrem Fach Soziale Arbeit

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