Wie ist das Studium aufgebaut?
Pharmaziestudenten erwartet ein hochgradig strukturierter Studiengang, der mit dem Staatsexamen abschließt. Das Studium dauert fünf Jahre und besteht aus drei Abschnitten. Das zweijährige Grundstudium dreht sich vor allem um Chemie und Pharmazeutische Analytik. »Jeder von uns hat schon mal eine Kopfschmerztablette genommen. Ich lerne im Studium, woher die Wirkstoffe kommen und wie sie in die Tablette gelangen«, sagt Charlotte Lübow, die im fünften Semester an der Uni Kiel studiert. Außerdem wird in den ersten Semestern biologisches und medizinisches Wissen vermittelt: Wie sind Muskelfasern aufgebaut? Woran erkennt man Fingerhut? Welche Pflanzen produzieren welche Wirkstoffe? Da Pharmazie ein Handwerk ist, wird in Laborpraktika geübt, Arzneien zu analysieren und herzustellen. Etwa ein Drittel des Studiums besteht aus »Unterrichtspraktika «. Darin überprüfen die Studenten, ob der richtige Arzneistoff in der richtigen Menge in einer Tablette steckt, oder sie stellen Salben her. Bei der Benotung zählt dann zum Beispiel die Konsistenz der Salbe ebenso wie die korrekte Beschriftung der Dose. »Mein durchschnittlicher Tag sieht etwa so aus«, sagt Sophie Marquardt, die im sechsten Semester Pharmazie in Jena studiert: »Von 8 bis 12 Uhr Vorlesungen und Seminare, dann Mittagspause und im Anschluss von etwa 13 Uhr bis 18 Uhr Labor. Danach schreibe ich noch Protokolle und bereite den nächsten Tag vor.« In den Semesterferien des Grundstudiums müssen die Pharmaziestudenten acht Wo-chen lang ein Praktikum (»Famulatur«) absolvieren: mindestens vier davon in einer Apotheke, die restlichen Wochen zum Beispiel in der pharmazeutischen Industrie oder einer Arzneimittelprüfstelle. Das Grundstudium schließt mit dem Ersten Staatsexamen ab. Dabei schreiben die Studenten vier Multiple-Choice-Klausuren. Der zweite Abschnitt ist das Hauptstudium, das ebenfalls vier Semester lang dauert. Hier vertiefen die Studenten ihr Wissen in den fünf Fachgebieten der Pharmazie: in Pharmazeutischer Chemie, Pharmazeutischer Biologie, Pharmazeutischer Technologie, in Pharmakologie/Toxikologie und in Klinischer Pharmazie. Dazu besuchen sie Vorlesungen und Seminare; in Übungen analysieren sie Arzneien und ihre Wirkungsweise. Das Hauptstudium schließt mit dem Zweiten Staatsexamen ab, in dem das Wissen in einer mündlichen Prüfung abgefragt wird. Es folgt als dritter Studienabschnitt ein einjähriges Praktikum. Mindestens ein halbes Jahr lang arbeiten die Pharmazeuten in einer Apotheke. In der zweiten Jahreshälfte haben sie die gleichen Möglichkeiten wie in der Famulatur. Viele gehen dafür ins Ausland. Sophie Marquardt aus Jena will ihr praktisches Jahr gern in Asien absolvieren: »Ich glaube, dass dort manche Erkrankungen wegen der Nähe zu alternativen Heilmethoden anders behandelt werden, das interessiert mich sehr.« Außerdem belegen die Studenten Blockseminare, etwa in Recht oder Personalführung. Dieser Studienabschnitt endet mit dem Dritten Staatsexamen, der Apothekerprüfung. Getestet wird das, was die Studenten in ihrem praktischen Jahr über die Leitung einer Apotheke gelernt haben. Der Studiengang Pharmazie bleibt ein Staatsexamensstudiengang. Trotzdem wird in München der Bachelor-Master-Studiengang Pharmaceutical Sciences und in Freiburg der Bachelorstudiengang Pharmazeutische Wissenschaften angeboten. Dort qualifiziert man sich für eine Tätigkeit in der Industrie, aber nicht für eine in der Apotheke. Absolventen, die sich nach dem Zweiten Staatsexamen weiter spezialisieren wollen, können ein Aufbaustudium wählen. In Münster etwa gibt es den Master Arzneimittelwissenschaft, in Bonn und von Sommersemester 2012 an auch in Kiel den Masterstudiengang Arzneimittelforschung.
Neue Entwicklungen
Knapp 58 000 Medikamente sind in Deutschland zugelassen, und jährlich kommen etwa 25 neue Wirkstoffe auf den Markt. Apotheker müssen deren Dosierung, Wirkung und Nebenwirkungen ebenso kennen wie die Gesundheitspolitik: Sie müssen etwa Kassenpatienten sagen können, wie viel sie für welches Präparat zuzahlen müssen. In der Forschung werden sogenannte biologische Medikamente oder Biologicals immer wichtiger. Fast jedes vierte der neu zugelassenen Medikamente zählt mittlerweile zu dieser Klasse gentechnisch hergestellter Arzneimittel. »Große Herausforderungen sind auch Krankheiten wie Alzheimer. Durch den demografischen Wandel rücken sie in den Mittelpunkt und werden auch im Studium thematisiert, zum Beispiel wenn entsprechende Arzneimittel besprochen werden«, sagt Clement, der Pharmazeutische Chemie lehrt.
Eignung, Hürden, Irrtümer
Angehende Apotheker sollten sich nicht nur für Chemie, Biologie und Medizin interessieren, sondern auch Spaß am Umgang mit Patientenhaben. Im Studium sind auch Ausdauer und Disziplin gefragt. Weil Detailwissen unabdingbar ist, müssen Pharmaziestudenten intensiv lernen. Und sie stehen oft sehr lange im Labor: »Wenn ich stundenlang im Labor gearbeitet habe und dann sagen kann, ich habe gerade Paracetamol hergestellt, dann ist das ein großes Glückserlebnis«, sagt Charlotte Lübow aus Kiel. Die gute Nachricht: Wer sich einmal für Pharmazie entschieden hat, der hält meist auch bis zum Ende durch. Die Abbrecherquote liegt unter zehn Prozent. Vor allem die praktischen Übungen begeistern viele Studenten. Sophie Marquardt zum Beispiel fuhr mit ihrem Kurs zur Pflanzenbestimmung in die Alpen: »Das war so viel lehrreicher und einprägsamer als sämtliche Vorlesungen zusammen.« Pharmazie ist bundesweit zulassungsbeschränkt. Die Bewerbung läuft über hochschulstart. de (früher ZVS). Bei der Mehrheit der Studienplätze wählen die Unis die Bewerber aus, oft muss man sich parallel dafür bewerben. Der Abiturschnitt spielt dabei immer eine wichtige, manchmal die einzige Rolle. Meist genügt eine »gute« Gesamtnote.
Berufsperspektiven
Pharmaziestudenten haben nach Angaben der Bundesapothekerkammer exzellente Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Das bestätigt auch eine Studie des Hochschul-Informations-Systems von 2010: Demnach war rund 85 Prozent der Absolventen nach einem Jahr der Berufseinstieg gelungen. Ihr Einstiegsgehalt lag bei 43 100 Euro. Der größte Teil der Absolventen arbeitet in einer Apotheke - in Deutschland dürfen immer noch ausschließlich Apotheker eine Apotheke oder eine Internetapotheke betreiben. Dort stellen sie zwar auch Medikamente her, sind aber hauptsächlich Berater. »Die Apotheke wird immer noch als klassischer Arbeitsplatz wahrgenommen, aber es gibt noch andere Möglichkeiten«, sagt Professor Bernd Clement. In Krankenhäusern befassen sich Apotheker mit dem Einkauf von Arzneien und empfehlen Medikamente zur Behandlung von Patienten. Industrieapotheker stellen in Pharmaunternehmen Arzneimittel her, erforschen neue Wirkstoffe und kümmern sich um die Zulassung von Medikamenten. Dabei sind ihre Verhandlungspartner Kollegen im Staatsdienst: Pharmazeuten arbeiten auch in Arzneimittelprüfinstituten und Patentämtern. Auch die Krankenkassen beschäftigen Pharmazeuten; diese entscheiden etwa, für welche Arzneien die Kosten erstattet werden.
MITARBEIT: KRISTIN HAUG
BÜCHER UND LINKS
Arnhild Witte: Studienführer Biologie, Chemie, Pharmazie. 2. akt. Aufl; Lexika-Verlag, Eibelstadt 2011; 216 S., 15 Euro. Aufbau und Inhalt der drei Studiengänge plus Arbeitsmarktsituation.
bphd.de: Auf der Homepage des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden finden sich gut aufbereitete Infos zu Studium, Praktika und Berufsperspektiven.
studier-pharmazie.de: Bunte Animationen und Videos erklären, worum es im Studium geht. Außerdem werden alle 22 Unis mit dem Fach Pharmazie vorgestellt.
pharmaboard.de: Diskussionsplattform zu verschiedenen Themen des Pharmaziestudiums.