CHE Hochschulranking 2012/13

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  • Wirtschaftsinformatik

  • VON MARC HASSE

    KURZ-INFO +++ Informatik steckt nicht nur in Computern, sondern auch in immer mehr Alltagsgegenständen +++ Ein Leistungskurs Mathe muss nicht sein, Begeisterung für das Fach schon +++ Informatiker müssen ihre Fachsprache für Laien übersetzen können +++ Auch Bachelor haben gute Berufschancen +++

    Worum geht es?
    Wie passen 2000 Musikstücke auf einen daumengroßen Speicherstick? Wie können wir mit unseren Gehirnströmen Computerprogramme steuern? Wie per Skype mit einem Freund in Australien sprechen und ihn dabei sehen, als säße er uns direkt gegenüber? Bei all diesen Fragen geht es im weitesten Sinne darum, wie Daten gespeichert, verarbeitet und ausgetauscht werden. Damit befasst sich die Informatik. Die englische Bezeichnung für Informatik lautet computer science - die Wissenschaft, die sich mit Rechnern beschäftigt. Allerdings konstruiert der Informatiker keine Bauteile für Computer, er entwickelt Programme. Zudem können nicht nur Computer Daten verarbeiten. Auch in Ampeln, Handys, Fahrscheinautomaten oder Spülmaschinen stecken Prozessoren.

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    In den ersten Semestern des Bachelorstudiums beschäftigen sich die Studenten mit den Grundlagen des Programmierens, vor allem mit Mathematik - von Algebra über Analysis bis hin zu Logik. Sie bekommen eine Vorstellung davon, wie Rechner funktionieren, und lernen unterschiedliche Programmiersprachen kennen. »Als wir Java gemacht haben, mussten wir jede Woche eine neue Aufgabe knacken. Das hat Spaß gemacht! «, sagt Nadine Müller, die im fünften Semester an der Hochschule Furtwangen studiert. In den höheren Semestern vertiefen die Studenten ihr Wissen in Teildisziplinen wie Software-Engineering und Kommunikationsnetze. Dabei lernen sie, leistungsfähige Software zu entwickeln, zu warten und in bestehende Systeme zu integrieren, aber auch wie man komplexe Netzwerke im Internet konfiguriert. Universitäten wie Fachhochschulen lehren die wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden des Faches, jedoch mit unterschiedlicher Ausrichtung. Die Fachhochschulen nehmen besonders stark konkrete Anwendungen in den Blick, die Universitäten gehen an viele Fragen grundsätzlicher heran und wollen auf diese Weise besonders langlebiges Wissen vermitteln. Praxissemester sind an den meisten Hochschulen keine Pflicht. »Bei uns ist ein Praktikum zwar nicht vorgeschrieben, aber die meisten versuchen trotzdem, mindestens eins zu machen«, sagt Jens Brunk, der im vierten Semester Wirtschaftsinformatik an der Universität Münster studiert. »Ich könnte mir gut vorstellen, im Ausland etwas Berufserfahrung zu sammeln. Gerade überlege ich mir, ob es eher ein englisch- oder ein spanischsprachiges Land sein soll.« Wirtschaftsinformatikstudenten wie Jens Brunk beschäftigen sich neben dem Programmieren mit den Grundlagen der Betriebswirtschaft, etwa mit Produktentwicklung und Marketing, mit Investitionen und deren Finanzierung. Hinzu kommt Wirtschaftsrecht: In diesem Fach lernt man beispielsweise Unternehmensformen wie die AG oder die GmbH kennen. Zunehmend mehr Studenten entscheiden sich für Wirtschaftsinformatik, sagt Hans-Ulrich Heiß, Professor am Institut für Kommunikations- und Betriebssysteme der TU Berlin. »An etwa der Hälfte der Standorte, an denen Informatik gelehrt wird, gibt es auch Wirtschaftsinformatik. Das gilt vor allem für Fachhochschulen.« In den höheren Semestern vertiefen die Studenten ihr Wissen entweder in Informatik oder in Betriebswirtschaftslehre - welcher Schwerpunkt überwiegt, hängt dabei auch von der Hochschule ab: Einige Studiengänge sind bei den Informatikern angesiedelt, andere bei den Wirtschaftswissenschaftlern. »Ich finde die Mischung gut: Programmieren konnte ich schon, jetzt interessiere ich mich gerade mehr für die BWL-Seite«, sagt Wirtschaftsinformatikstudent Jens Brunk. 2009 haben gut die Hälfte der Informatikstudenten an Fachhochschulen und rund 70 Prozent derer an Universitäten nach dem Bachelorabschluss einen Master angeschlossen, wie eine Befragung des Forschungsinstitutes Incher ergab. Auch Hans-Ulrich Heiß rät zum Master: »In der Industrie werden vor allem Informatiker mit Master gesucht.« Zwar hätten Bachelorabsolventen gute Karten, betont sein Kollege Ulrich Bühler, Professor für IT-Sicherheit an der Hochschule Fulda. Wer jedoch seine Chancen auf einen späteren Führungsposten vergrößern wolle, solle einen Master anschließen. Viele Hochschulen haben die Umstellung auf Bachelor und Master dazu genutzt, ihren Studiengängen ein Profil zu geben. So gibt es neben allgemeinen Informatik-Mastern, die sich aber in ihren Schwerpunkten durchaus unterscheiden können, eine Reihe von speziellen Studiengängen, wie Automobilinformatik, Bioinformatik und Medieninformatik. Diese Vielfalt erhöht einerseits die Wahlmöglichkeiten, andererseits müssen Interessenten eine solche Spezialisierung genau abwägen, denn sie legen sich damit früh auf ein Fachgebiet fest.



    Neue Entwicklungen
    Zurzeit entstehen viele neue Arbeitsfelder an den Schnittstellen zu anderen Disziplinen. Für mobile Anwendungen, Fragen der Informationssicherheit, die Gestaltung sozialer Netzwerke sowie das Zusammenspiel von Mensch und Maschine werden Informatiker benötigt, die über ihre Disziplin hinausblicken können. In den vergangenen Jahren hat zudem das internet of things and services an Bedeutung gewonnen. Damit sind Technologien gemeint, die Maschinen mit dem Internet verbinden, um selbstständig Dienste anbieten zu können. Denkbar wäre etwa ein Rasensprenger, der via Funkchip im Netz die Wettervorhersage checkt und entsprechend wässert, oder ein Rauchmelder mit Internetverbindung, der bei einem Brand die Feuerwehr ruft. Ein anderer wichtiger Bereich ist das mobile computing, »Von jedem Ort aus und zu jedem Zeitpunkt können Notebooks, Smartphones und Co auf Anwendungen zugreifen«, erklärt Professor Ulrich Bühler. »Die Herausforderung für Informatiker liegt darin, die entsprechende Software so zu programmieren, dass die Handhabung einfach ist.«



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Informatikstudenten sollten Freude an Mathematik und logischem Denken haben. Einen Mathe-Leistungskurs muss man nicht zwingend belegt haben. »Am Anfang hatte ich schon Respekt vor dem Programmieren, weil ich das zuvor noch nie gemacht hatte«, sagt die Bachelorstudentin Nadine Müller. »Aber die Scheu wurde mir schnell genommen. Wir haben viele Tutorien, und es gibt immer jemanden, den man fragen kann.« Beruflich haben Informatiker mit Technik zu tun, die immer komplexer wird. Sie arbeiten aber häufig für Menschen, die von dieser Technik wenig verstehen. Ihnen gegenüber muss der Informatiker vor allem als kundiger Berater auftreten. Er muss die Sprache der Anwender verstehen und die Sprache der Informatik verständlich übersetzen. »Der Informatiker, der im stillen Kämmerlein vor sich hin tüftelt, ist out«, sagt der Informatikprofessor Bühler. »Gefragt sind Leute, die fachlich kompetent sind, kommunizieren können und dabei das große Ganze nicht aus den Augen verlieren.« Auch sein Kollege Hans-Ulrich Heiß sieht das so: »Die Informatik darf sich nicht auf den Computer als Gerät reduzieren lassen. Informatik ist viel mehr als das.« Für die Zulassung zum Bachelor wählen einige Hochschulen ihre Bewerber nach der Durchschnittsnote des Abiturs oder der Fachhochschulreife aus. An anderen ist Informatik nicht zulassungsbeschränkt. Ein Auswahltest wie an der TU München ist die Ausnahme. Einen Platz für das Masterstudium bekommen Bachelorabsolventen in der Regel mit der Abschlussnote »gut«, manchmal reicht auch ein »befriedigend«. Einige Hochschulen prüfen zusätzlich die Eignung der Bewerber, etwa bei einem Gespräch.

    Berufsperspektiven
    Die meisten Informatiker arbeiten in kleinen und mittelständischen Unternehmen daran, Abläufe mithilfe von IT-Systemen zu verbessern. Viele sind auch bei Dienstleistungsunternehmen angestellt, die sie einsetzen, um bei Firmen Netzwerke neu einzurichten oder zu warten. In der Automobilindustrie kümmern sich Informatiker darum, dass die vielen Mikroprozessoren unter der Motorhaube effizient zusammenarbeiten. In der Logistikbranche sorgen sie zum Beispiel dafür, dass Transportunternehmen weltweit wissen, wann sich welches Paket gerade wo befindet. Für Banken entwickeln sie Systeme für Onlineüberweisungen, und in Behörden sind sie dafür zuständig, dass die Daten von Millionen Bürgern erfasst und ausgewertet werden können. Informatiker arbeiten als Hard- oder Softwareentwickler, als Berater, in der Marktforschung und im Datenschutz. Auch Bachelor können direkt in den Beruf einsteigen. Laut der Incher-Studie haben die berufstätigen Bachelors im Schnitt weniger als drei Monate lang eine Stelle gesucht. 80 Prozent der Unternehmen akzeptieren bei Informatikern den Bachelorabschluss, das ergab eine Befragung des Kölner Staufenbiel-Instituts. Insgesamt sieht es sehr gut aus für Informatiker: Laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems von 2010 schafften 95 Prozent der Universitätsabsolventen innerhalb eines Jahres den Berufseinstieg; bei der Fachhochschule waren es 88 Prozent. Das Einstiegsgehalt lag bei rund 40 000 Euro.

    MITARBEIT: LISA SRIKIOW

    BÜCHER UND LINKS
    Heinz Peter Gumm/Manfred Sommer: Einführung in die Informatik. Überarb. Aufl.; Oldenbourg Verlag, München 2010; 912 S., 39,80 Euro. Erklärt die Grundlagen der Informatik prägnant und verständlich. Für alle, die wissen möchten, was sie im Studium erwartet.

    Jens Gallenbacher: Abenteuer Informatik. IT zum Anfassen von Routenplaner bis Online-Banking; 2. Aufl.; Spektrum Verlag, Heidelberg 2008; 356 S., 32,50 Euro. So lösen Informatiker Probleme. Buch für Einsteiger mit Experimenten

    gi.de: Homepage der Gesellschaft für Informatik. Unter »Themen« gibt es die Broschüre »Was ist Informatik?« zum kostenlosen Download.

    einstieg-informatik.de: Die Seite der Fakultätentage Ingenieurwissenschaften und Informatik informiert Schüler über Studiengänge, Unis und Veranstaltungen.

    bit.ly/zs124ing: Uni oder FH? Diese Broschüre hilft bei der Entscheidungsfindung.

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