VON SABRINA EBITSCH
KURZ-INFO +++ Die Kommunikationswissenschaft untersucht, wie Menschen Informationen austauschen +++ Die Medienwissenschaft erforscht, wie Medien unsere Wahrnehmung prägen +++ In Journalistikstudiengängen übt man auch den Redaktionsalltag +++ Der Numerus clausus ist überall hoch +++
Worum geht es?
In Medienstudiengängen steht alles auf dem Stundenplan, was mit Kommunikation und Medien zu tun hat. Unter den Oberbegriff werden jedoch unterschiedliche Fächer gefasst. Die Kommunikationswissenschaft ist sozialwissenschaftlich orientiert und untersucht, auf welche Weise Menschen Informationen austauschen. Im Vordergrund steht dabei die öffentliche Kommunikation über Massenmedien wie Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet. Die Medienwissenschaft hingegen ist stärker kulturwissenschaftlich ausgerichtet. Medienwissenschaftler untersuchen etwa die Geschichte und Wandlung des Films, fragen, was er für eine Gesellschaft bedeutet, analysieren Kamerabewegungen, Ton, Schnitt und Licht, den Spannungsaufbau sowie den Kontext, in dem ein Film gesehen wird. »Wir fassen den Begriff Medien viel weiter, als man denkt«, sagt Victoria Brüker, die im vierten Semester Medienwissenschaft an der Uni Bochum studiert. »Auch ein Straßenschild kann ein Medium sein - weil es Informationen transportiert.« Zwischen Medienwissenschaft und Kommunikationswissenschaft gibt es viele Überschneidungen; manche Studiengänge verbinden die Richtungen auch. Doch keiner dieser Studiengänge bildet Journalisten aus. Das tun Verlage, Rundfunksender und Journalistenschulen sowie Journalistikstudiengänge, die den Anspruch haben, neben der Wissenschaft auch praktisches Handwerkszeug zu vermitteln. Des Weiteren gibt es zahlreiche Medienstudiengänge, die technisch (etwa Medieninformatik), wirtschaftlich (Medienwirtschaft) oder künstlerisch (Mediengestaltung) orientiert sind.
Wie ist das Studium aufgebaut?
Im Bachelor lernen die Studenten der Kommunikationswissenschaft in Vorlesungen, Seminaren und Übungen, wie Kommunikation funktioniert. Sie befassen sich etwa mit Theorien, die erklären, wie eine Botschaft vom Sender zum Empfänger gelangt. Darüber hinaus befassen sie sich mit der Mediengeschichte von Gutenberg bis Google und damit, wie das Mediensystem aufgebaut ist und funktioniert. Nachrichtenwerttheorien erklären, warum den Zeitungsleser der Bau einer Umgehungsstraße im Nachbarort oft mehr interessiert als der Kampfeinsatz der Bundeswehr in Afghanistan. In der sogenannten Wirkungsforschung wird zum Beispiel diskutiert, ob Computerspiele aggressiv machen, und in der Mediennutzungsforschung befasst man sich unter anderem damit, wie Quoten erzielt werden und welche Rolle sie für die Programmplanung spielen. »Kommunikationswissenschaftler interessiert, warum und zu welchem Zweck Menschen bestimmte Medien auswählen und wie sich dieses Verhalten ändert, wenn neue Möglichkeiten wie etwa Social Media auftauchen«, sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaften, Klaus-Dieter Altmeppen. Neben Grundlagen des Medienrechts oder der Medienwirtschaft werden wissenschaftliche Methoden vermittelt: Die Studenten lernen, wie man Daten mithilfe von Statistikprogrammen erhebt und auswertet - zum Beispiel, um zu erfassen, welche Einstellung die Bevölkerung zur Energiewende hat und welchen Einfluss die Medien darauf haben. In den höheren Semestern des Bachelorstudiums vertieft man - teils in eigenen Forschungsprojekten - einzelne Teilgebiete der Kommunikationswissenschaft. Die Medienwissenschaften haben viele Berührungspunkte mit der Philosophie, der Kunstgeschichte sowie der Theater- und Literaturwissenschaft. Schon im ersten Semester können Studenten Platons Begriff von Schönheit und Kunst begegnen oder sich mit der Zentralperspektive als symbolischer Form auseinandersetzen. »Die Studenten lernen, dass unsere Kultur so stark von Medien durchdrungen ist, dass sie unser Bild von uns selbst und der Welt ganz entscheidend prägen«, sagt Malte Hagener, der Vorsitzende der Gesellschaft für Medienwissenschaft. Zunächst befassen sich die Studenten mit dem Medienbegriff sowie der Geschichte, der Theorie und der Ästhetik einzelner Medien. Sie erlernen Analysetechniken, mit deren Hilfe sie etwa dahinterkommen können, nach welchem Prinzip ein Film erzählt oder eine interaktive Website gestaltet ist. Wie wird etwas zu einem Medienereignis? Auch dieser Frage gehen Studenten nach. Victoria Brüker und ihre Kommilitonen untersuchten das für die Mondlandung, den 11. September und die Hochzeit von William und Kate. Beliebt sind die Praxismodule, in denen Studenten der Kommunikationswissenschaft und der Medienwissenschaft etwa einen eigenen Radiowerbespot entwickeln, für das Campus-TV einen Beitrag machen oder ein neues Medienkonzept für eine Kulturveranstaltung entwerfen. Auch Exkursionen können zum Programm gehören. Victoria Brüker etwa war im Rahmen eines Seminars mit Kommilitonen und Dozenten bei einer dreitägigen Dokumentarfilm-Tagung in Köln. »Hinterher habe ich den Einsatz und die Wirkung von Ton viel besser verstanden«, sagt sie. Die Mehrheit der Studenten sattelt auf den Bachelor einen Master drauf. Neben allgemeinen Programmen in Medien- oder Kommunikationswissenschaften gibt es Hybridstudiengänge wie Medieninformatik oder Medienmanagement sowie spezielle Studiengänge wie Medienforschung oder Politische Kommunikation. Im Journalistikbachelor lernen die Studenten die wissenschaftlichen Grundlagen von Mediensystem, Mediennutzung und Medienwirkung kennen. Außerdem machen sie praktische Übungen. Sie versuchen sich an Textformen wie Reportage oder Kommentar und simulieren in Lehrredaktionen oder Medienwerkstätten den journalistischen Alltag. »Allein für meinen Schwerpunkt Fernsehen habe ich im zweiten und dritten Semester etwa 50 Tage in Recherche, Drehen, Schneiden und Sprechen gesteckt«, berichtet Christian Kleber, 24, Journalistik-Student im vierten Semester an der TU Dortmund. »Besonders schön war es, eine 40-minütige Talksendung zu konzipieren und umzusetzen.« Oft haben die Hochschulen Kooperationen mit Verlagen und Rundfunkanstalten, was es Journalistik-Studenten erleichtert, einen Praktikumsplatz während des Studiums zu bekommen. An der TU Dortmund ist in das achtsemestrige Bachelorstudium sogar ein zwölfmonatiges Volontariat eingebettet. Den Weg in den Journalismus ebnen können auch entsprechende Masterstudiengänge, zum Beispiel an den Universitäten in Mainz, München oder Leipzig. Voraussetzung für einen Studienplatz ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium. In Leipzig zum Beispiel darf es mit gewissen Ausnahmen allerdings kein Bachelor in Kommunikations- oder Medienwissenschaften sein. Wichtig sind auch praktische Erfahrungen in den Medien - außerdem müssen die Bewerber durch spezielle Auswahlverfahren: Neben Bewerbungsgesprächen müssen sich die Kandidaten zum Beispiel einem Wissenstest unterziehen und probehalber eine Reportage oder einen Kommentar verfassen.
Neue Entwicklungen
Das Internet hat die Medienlandschaft und die Kommunikationsformen umgewälzt; Medieninhalte sind für jeden herstellbar und greifbar geworden. Seminare behandeln inzwischen Blogs oder Twitter-Meldungen. Victoria Brüker, die Bochumer Studentin, hat sich mit Handy-Videos von Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in Kairo beschäftigt. Die Studenten lernen, wie man multimedial arbeitet, Videopodcasts erstellt oder Websites gestaltet. Viele Medienstudiengänge richten sich mit ihrer technischen Ausstattung darauf ein. Soziale Netzwerke sind zum prominenten Thema geworden. Eine Forschungsfrage lautet zum Beispiel: Wie beeinflusst es die Persönlichkeit, wenn man sein Profil bei Facebook oder Google+ präsentiert?
Eignung, Hürden, Irrtümer
Bundesweit gibt es mehr als 200 Studienprogramme, die »irgendwas mit Medien« anbieten - viele Hochschulen schmücken sich mit dem beliebten Fach. Interessenten sollten genau prüfen, was der jeweilige Studiengang bietet. Weder Kommunikations- noch Medienwissenschaftsstudiengänge haben zum Ziel, Redakteure, Nachrichtenmoderatoren oder Filmregisseure hervorzubringen. Diese Berufe stehen Absolventen zwar (wie allen anderen auch) offen. Eine bessere Vorbereitung für den Journalismus ist jedoch ein Fachstudium plus Zeitungsvolontariat, der Besuch einer Journalistenschule oder ein Journalistikstudiengang mit hohem Praxisanteil. In diesem Punkt sollte man an den infrage kommenden Hochschulen genau nachhaken: Wie viel Zeit wird dem Recherchieren, Schreiben, Drehen eingeräumt? Ist die nötige Ausstattung vorhanden? Unterrichten Praktiker? Wegen der hohen Nachfrage liegt der NC in den Medienstudiengängen oft im Einserbereich. Wer Journalistik studieren will, muss oft in Eignungstests und persönlichen Gesprächen überzeugen. Auch journalistische Erfahrung oder Arbeitsproben werden verlangt.
Berufsperspektiven
Als Marktforscher oder Mediaplaner untersuchen Kommunikationswissenschaftler, welche Fernsehprogramme beliebt sind. Andere entwickeln neue Sendungen. Manche zieht es ins Marketing oder Management eines Medienunternehmens oder in die Kommunikationsberatung. Auch Medienwissenschaftlern stehen diese Berufe offen, sie sind jedoch häufiger in Filmproduktionen, bei der Organisation von Festivals oder in der Kulturarbeit tätig. »Immer wieder entstehen neue Berufe, ein Beispiel ist der Community-Manager«, sagt Klaus-Dieter Altmeppen. Journalistikabsolventen arbeiten oft für Medien. Sehr häufig sind sie allerdings nicht als Redakteure fest angestellt, sondern verdienen ihr Geld als freie Mitarbeiter auf einem hart umkämpften Markt mit oft niedrigen Honoraren. Das Hochschul-Informations-System in Hannover hat 2010 untersucht, wie schnell die Absolventen von Medienstudiengängen in den Beruf gestartet sind. Demzufolge hatten ein Jahr nach Studienende mehr als siebzig Prozent den Berufseinstieg geschafft. Sie verdienten im Schnitt 34 000 Euro im Jahr.
MITARBEIT: MAREN WERNECKE
BÜCHER UND LINKS
Huberta Kritzenberger: Medienberufe. Der erfolgreiche Weg zum Ziel. Springer, Berlin 2007; 136 S., 14,95 Euro. Für alle, die »was mit Medien« machen wollen.
Daniela Kloock u. Angela Spahr: Medientheorien. Eine Einführung. UTB, Suttgart 2007; 307 S., 16,90 Euro. Große Theorien, anschaulich vorgestellt.
Rudolf Stöber: Kommunikations- und Medienwissenschaften. Eine Einführung. C. H. Beck, München 2008; 271 S., 14,95 Euro. Überblick über die Fachbegriffe sowie die Theorien und Modelle, die man kennen muss.
medienstudienfuehrer.de: Die Studiengänge in Deutschland, Stipendien und Berufsbilder.
dgpuk.de: Website der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.