CHE Hochschulranking 2013/14

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  • KURZ-INFO Informatik steckt nicht nur in Computern, sondern in immer mehr Alltagsgegenständen. Mathe ist die Grundlage des Programmierens. Informatiker müssen ihre technische Fachsprache für Laien übersetzen können. Auch Bachelorabsolventen haben gute Berufschancen. VON MARC HASSE

    Informatik studieren: Worum geht es?
    Wie passen 2000 Musikstücke auf einen daumengroßen Speicherstick? Wie können wir mit unseren Gehirnströmen Computerprogramme steuern? Wie per Skype mit einem Freund in Australien sprechen und ihn dabei sehen, als säße er uns direkt gegenüber? Bei all diesen Fragen geht es im weitesten Sinne darum, wie Daten gespeichert, verarbeitet und ausgetauscht werden. Damit befasst sich die Informatik. Die englische Bezeichnung für Informatik lautet computer science – die Wissenschaft, die sich mit Rechnern beschäftigt. Allerdings konstruiert der Informatiker in der Regel keine Bauteile für Computer, er entwickelt Programme. Zudem können nicht nur Computer Daten verarbeiten: Auch in Ampeln, Handys oder Spülmaschinen stecken Prozessoren.

  • Wie ist das Informatik-Studium aufgebaut?
    In den ersten Semestern des Bachelorstudiums beschäftigen sich die Studenten mit den Grundlagen des Programmierens und der Kommunikation in Rechnernetzen, aber auch mit Mathematik – von Algebra über Analysis bis hin zu Logik. Sie bekommen eine Vorstellung davon, wie Rechner funktionieren, und lernen unterschiedliche Programmiersprachen kennen. »Wir haben schon früh kleine Spiele wie Bauernschach programmiert. Das hat richtig Spaß gemacht!«, sagt Lisa Wagner, 21, Bachelorstudentin im vierten Semester an der Uni Passau. Letztlich lernen die Studenten so, analytisch zu denken: Wie muss ein Programm aufgebaut sein? Wie kann ich beweisen, dass es korrekt ist? In den höheren Semestern vertiefen die Studenten ihr Wissen in Teildisziplinen wie Software-Engineering und Kommunikationsnetze. Dabei lernen sie, leistungsfähige Software zu entwickeln, zu warten und in bestehende Systeme zu integrieren; aber auch, wie man komplexe Netzwerke im Internet konfiguriert.
    Unis wie Fachhochschulen lehren jeweils die wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden, jedoch mit unterschiedlicher Ausrichtung: Die Unis gehen an viele Fragen grundsätzlicher heran und wollen auf diese Weise vor allem langlebiges Wissen vermitteln. Die Fachhochschulen vermitteln Theorien und Konzepte besonders in Verbindung mit konkreten Anwendungen.
    Die Praxisanteile im Informatikstudium unterscheiden sich je nach Hochschule. Bei Lisa Wagner an der Universität Passau gibt es ein Software-Engineering-Praktikum, bei dem ein Team aus sechs Leuten ein komplizierteres Programm schreibt. Das Projekt läuft über ein Semester, findet aber neben dem normalen Uni-Betrieb statt und nicht innerhalb eines Unternehmens. Nils Schröder, 27, studiert im sechsten Semester an der Fachhochschule Flensburg, wo ein Praktikumssemester Pflicht ist. Außerdem plante er in einer Übung mit zwei Kommilitonen die Netzwerk-Infrastruktur für ein Unternehmen. »Wir sollten ein Angebot erstellen, das Projekt durchführen und dokumentieren – wie richtige Berater, nur eben fiktiv«, berichtet der Wirtschaftsinformatikstudent.
    Wirtschaftsinformatikstudenten beschäftigen sich neben dem Programmieren mit den Grundlagen der Betriebswirtschaft, etwa mit Produktentwicklung, Marketing und Finanzierung. Hinzu kommt Wirtschaftsrecht, dabei lernt man zum Beispiel Unternehmensformen wie die AG oder die GmbH kennen. In den höheren Semestern vertiefen die Studenten ihr Wissen – welcher Schwerpunkt überwiegt, hängt auch davon ab, bei welchem Fachbereich der Studiengang angesiedelt ist, bei den Informatikern oder bei den Wirtschaftswissenschaftlern.
    Inzwischen gibt es an etwa der Hälfte der Standorte, an denen Informatik gelehrt wird, auch Wirtschaftsinformatik. Das gilt vor allem für Fachhochschulen. »Das Interesse der Industrie an Absolventen, die solide Grundlagen in der Informatik haben, aber auch Bilanzen lesen und in für die elektronische Geschäftsabwicklung geeignete Systeme und Prozesse abbilden können, ist gestiegen«, sagt Ulrich Bühler, Professor für IT-Sicherheit an der Hochschule Fulda.
    Viele Hochschulen haben die Umstellung auf Bachelor und Master dazu genutzt, ihren Studiengängen ein klareres Profil zu geben. So gibt es neben allgemeinen Informatikmastern, die sich aber in ihren Schwerpunkten durchaus unterscheiden, eine Reihe von speziellen Studiengängen wie beispielsweise Automobilinformatik, Bioinformatik, Medizininformatik und Medieninformatik. Diese Vielfalt erhöht die Wahlmöglichkeiten, allerdings müssen Studienanfänger bedenken, dass sie sich damit früh auf ein Fachgebiet festlegen.
    Lisa Wagners Studiengang an der Uni Passau zum Beispiel heißt Internet Computing. Neben dem traditionellen Curriculum der Informatiker wird hier der Schwerpunkt auf das Verständnis und die Entwicklung internetbasierter Informationssysteme gelegt. Das umfasst auch Vorlesungen in Urheberrecht und Datenschutz.
    2010 haben gut die Hälfte der Informatikstudenten an FHs und rund 70 Prozent der Informatik studenten an Universitäten nach dem Bachelor einen Master angeschlossen, wie eine Befragung des Forschungsinstituts Incher ergab. HansUlrich Heiß, Professor am Institut für Kommunikationsund Betriebssysteme der TU Berlin, rät zum Master: »In der Industrie werden vor allem Informatiker mit Master gesucht.« Aber auch Bachelorabsolventen hätten gute Karten, betont sein Kollege Ulrich Bühler. Wer jedoch seine Chancen auf einen späteren Führungsposten vergrößern wolle, solle einen Master anschließen.



    Neue Entwicklungen
    Zurzeit entstehen für Informatiker viele neue Arbeitsfelder an den Schnittstellen zu anderen Disziplinen. Für mobile Anwendungen, Fragen der Informationssicherheit sowie das Zusammenspiel von Mensch und Maschine werden Informatiker benötigt, die über ihr Fach hinausblicken können. In den vergangenen Jahren hat zudem das internet of things and services an Bedeutung gewonnen. Damit sind Technologien gemeint, die Maschinen mit dem Internet verbinden, um selbstständig Dienste anbieten zu können. Denkbar wäre etwa ein Rauchmelder mit Internetverbindung, der bei einem Brand die Feuerwehr ruft. Weitere Disziplinen mit wachsender Relevanz sind CloudComputing und big data analytics. »Es wird eine der größten Herausforderungen sein, aus den unüberschaubaren Datenmengen im Internet nützliche Informationen herauszuziehen«, sagt Heiß.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Informatikstudenten sollten Freude an Mathematik und logischem Denken haben. Einen MatheLeistungskurs muss man nicht zwingend belegt haben. Zwar sei die Durchfallquote in Fächern wie Lineare Algebra schon sehr hoch, »aber wenn man sich disziplinieren kann, klappt es, weil man im ersten Semester wirklich bei null anfängt«, sagt Lisa Wagner.
    Beruflich haben Informatiker mit Technik zu tun, die immer komplexer wird. Sie arbeiten aber häufig für Menschen, die von dieser Technik wenig verstehen. Ihnen gegenüber muss der Informatiker vor allem als Berater auftreten und die Sprache der Informatik verständlich übersetzen. »Der Informatiker, der im stillen Kämmerlein vor sich hin tüftelt, ist out«, sagt auch Ulrich Bühler. Schließlich haben viele Informatiker im Arbeitsalltag Kontakt zu Kollegen aus anderen Disziplinen. Das merke man schon an der Uni, sagt Lisa Wagner. »Ich hatte Angst, dass man die ganze Zeit nur im Keller vor dem Rechner sitzt. In Wirklichkeit ist das Studium sehr teamorientiert.« Ein Klischee stimmt jedoch: Es gibt immer noch recht wenig Frauen.
    An manchen Hochschulen ist die Zulassung zum Bachelorstudium nicht beschränkt. Einige haben dafür einen NC, das heißt, es zählt die Durchschnittsnote des Abiturs. Ein Auswahltest wie an der TU München ist die Ausnahme. Einen Platz für das Masterstudium bekommen Bachelorabsolventen in der Regel mit der Abschlussnote »gut«, manchmal reicht auch ein Befriedigend. Einige Hochschulen prüfen zusätzlich die Eignung der Bewerber, etwa in einem Gespräch.

    Berufsperspektiven für Informatik-Studenten
    Die meisten Informatiker arbeiten in kleinen und mittelständischen Unternehmen daran, Abläufe mithilfe von ITSystemen zu verbessern. Viele sind auch bei Dienstleistungsunternehmen angestellt, die sie einsetzen, um bei Kunden Netzwerke neu einzurichten oder zu warten. Sie arbeiten als Hardoder Softwareentwickler, als Berater, in der Marktforschung und im Datenschutz. In der Automobilindustrie kümmern sich Informatiker darum, dass die vielen Mikroprozessoren unter der Motorhaube effizient zusammenarbeiten. In der Logistikbranche sorgen sie dafür, dass Transportunternehmen weltweit wissen, wann sich welches Paket gerade wo befindet. Für Banken entwickeln sie Systeme für Onlineüberweisungen, und in Behörden sind sie dafür zuständig, dass die Daten von Millionen Bürgern erfasst und ausgewertet werden können.
    Auch Bachelor können direkt in den Beruf einsteigen. 80 Prozent der Unternehmen akzeptieren bei Informatikern den Abschluss, das ergab eine Befragung des Kölner Staufenbiel-Instituts. Insgesamt sieht es sehr gut aus für Informatiker: Laut einer Studie des Hochschul-Informations- Systems von 2010 schafften 95 Prozent der Universitätsabsolventen innerhalb eines Jahres den Berufseinstieg; bei der Fachhochschule waren es 88 Prozent. Das Einstiegsgehalt lag bei rund 40 000 Euro.

    MITARBEIT: ARIANE BREYER

    BÜCHER UND LINKS
    Heinz Peter Gumm/Manfred Sommer: Einführung in die Informatik. Überarb. Aufl.; Oldenbourg Verlag, München 2012; 912 S., 39,80 Euro. Erklärt die Grundlagen der Informatik prägnant und verständlich. Für alle, die wissen möchten, was sie im Studium erwartet.

    Jens Gallenbacher: Abenteuer Informatik. IT zum Anfassen von Routenplaner bis Online-Banking; 3. Aufl.; Spektrum Verlag, Heidelberg 2012; 436 S., 34,95 Euro. So lösen Informatiker Probleme. Buch für Einsteiger mit Experimenten

    gi.de: Homepage der Gesellschaft für Informatik. Unter »Themen« gibt es die Broschüre »Was ist Informatik?« zum kostenlosen Download.

    einstieg-informatik.de: Auf der Seite des Fakultätentags Informatik finden Schüler Infos über Schnuppermöglichkeiten, Tests und Veranstaltungen. Außerdem gibt es eine Liste aller Informatik-Studiengänge in Deutschland.

  • Überblick der Studienangebote für das Fach in der ZEIT ONLINE Studiengangsuche

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