CHE Hochschulranking 2013/14

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  • KURZ-INFO Chemiker untersuchen die Eigenschaften von Stoffen. Die Studenten verbringen viel Zeit im Labor. Biochemie wird immer wichtiger. Rohstoffe, Energie und Umweltschutz sind bedeutende Themen. Mathe und Physik gehören zum Studium – und sind zu schaffen. VON JULIA KIMMERLE

    Chemie studieren: Worum geht es?
    Ob im Brötchen, im Zeitungspapier oder im Plastiklöffel – in allem steckt das Wissen von Chemikern. Auch wenn es darum geht, Medikamente, Treibstoff oder Kosmetikprodukte umweltschonender als bisher herzustellen, braucht man sie. »Chemie findet überall statt«, sagt Kirill Faust, 20, Student im vierten Semester an der Uni Rostock. »Seit ich studiere, fällt mir das ständig auf. Zum Beispiel, wenn ich einen Apfel esse und er an der Bissstelle braun wird.« Chemiker beschäftigen sich mit den Eigenschaften von Stoffen, erklären Reaktionen zwischen Molekülen in der Natur und vollziehen diese im Reagenzglas nach. Sie entwickeln aber auch bisher nicht existierende Stoffe mit neuen Eigenschaften.

  • Wie ist das Chemie-Studium aufgebaut?
    Von Anfang an spielt die Praxis im Labor eine große Rolle: Hier verbringen die Studenten etwa die Hälfte ihrer Wochenstunden. Im ersten Semester geht es vor allem darum, Arbeitsabläufe und Geräte kennenzulernen. Die Studenten lernen, wie sie Massen und Volumina exakt abmessen. Später nehmen sie umfangreiche Analysen vor. Sie bekommen zum Beispiel ein Gemisch vorgesetzt und müssen herausfinden, wie es sich zusammensetzt. »Hin und wieder geht auch mal was zu Bruch. Das müssen wir an der Ausgabe im Keller des Institutes nachkaufen«, sagt Max Mader, 19, der im zweiten Semester an der LMU München studiert. Ein Becherglas kostet zwei Euro, eine Bürette, eine Glasröhre mit Hahn am unteren Ende, 50 Euro. »So eine ist mir zum Glück noch nicht runtergefallen.« Die Theorie wird den Studenten in Vorlesungen vermittelt: Sie hören Organische, Anorganische, Physikalische und Analytische Chemie. »Auch in den Vorlesungen werden Experimente vorgestellt oder anschauliche Beispiele aus dem Alltag gegeben«, sagt Kirill Faust. Nachbardisziplinen wie Mathe und Physik gehören ebenfalls zur Ausbildung. Im dritten Studienjahr beginnen die Bachelorstudenten, eigene Schwerpunkte zu setzen. Sie können sich zum Beispiel für Medizinische Chemie entscheiden, sich verstärkt mit Polymeren, der Basis von Kunststoffen, befassen oder in der Theoretischen Chemie lernen, wie man am Computer Reaktionen simuliert. Einige Hochschulen bieten neben regulären Studiengängen auch Mischfächer an, die vom ersten Bachelorsemester an stärker spezialisiert sind. In der Wirtschaftschemie etwa belegen Studenten auch BWL, VWL und Recht. Darüber hinaus gibt es Studiengänge wie Lebensmittelchemie, Biochemie oder – ausschließlich an Fachhochschulen – Angewandte Chemie. Nahezu alle Chemiestudenten von der Uni machen nach dem Bachelor den Master. In einem allgemeinen Chemie-Master entscheidet man sich meist für einen Schwerpunkt aus den drei Kernfächern Organische, Anorganische oder Physikalische Chemie. Daneben gibt es immer mehr spezialisierte Masterprogramme wie etwa Bauchemie oder Medizinische Chemie. Auch mit dem Master ist für viele noch nicht Schluss: »Neun von zehn Chemikern schließen eine Promotion an«, sagt Stephan Gilow, Geschäftsführer des Führungskräfteverbands Chemie. Von Chemikern, die in der Industrie oder an wissenschaftlichen Instituten forschen wollen, werde nach wie vor ein Doktortitel erwartet. Bei der Wirtschaftschemie und bei der Angewandten Chemie starten mehr Absolventen mit dem Bachelor- oder dem Masterabschluss direkt in den Beruf, gehen dann aber oft nicht in die Forschung. Einen Sonderfall bilden die Lebensmittelchemiker: Unter ihnen dominiert das Staatsexamen. Damit arbeiten sie häufig in der Lebensmittelüberwachung.



    Neue Entwicklungen
    Chemiker beschäftigen sich mehr und mehr mit medizinischen Themen, die sich auf der Ebene von Atomen und Molekülen abspielen. Auch im Studium rücken biochemische Inhalte stärker in den Vordergrund, und die Vernetzung von Medizinern, Biologen und Chemikern wird wichtiger. »An Fahrt aufgenommen hat auch die Materialforschung«, sagt Wolfram Koch, der Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Chemiker forschen zum Beispiel daran, wie man Brennstoffzellen mithilfe neuartiger Materialien effizienter machen kann, oder arbeiten an Photovoltaikzellen, die auf organischen Farbstoffen beruhen. Angesichts der Endlichkeit des Erdöls suchen Chemiker nach Möglichkeiten, nachwachsende Rohstoffe in Bioraffinerien in Energie zu verwandeln. Die Analysetechniken haben sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend verbessert. »Wir können molekulare Prozesse heute viel genauer beobachten und so maßgeschneiderte Lösungen entwickeln«, sagt Wolfram Koch.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Ein Chemie-Leistungskurs ist nützlich, aber nicht zwingend notwendig. »Ich finde Chemie an der Uni nur minimal schwieriger als in der Schule, aber das Tempo ist viel, viel höher«, sagt Max Mader, der Student aus München. Zu schaffen machen vielen die Prüfungen in Mathe und Physik, auch die Physikalische Chemie gilt als schwierig. Sehr nützlich ist es, die Brückenkurse zu nutzen, die viele Hochschulen vor Semesterbeginn anbieten, um die Studenten auf einen gemeinsamen Wissensstand zu bringen. Wer Chemie studieren will, sollte Spaß an der Laborarbeit haben – denn die Stunden am Labortisch machen einen großen Teil des Studiums und meist auch der ersten Jahre des Berufslebens aus. An manchen Unis gibt es sogar ein Vorpraktikum, bei dem Anfänger vor dem Semesterstart testen können, ob ihnen die Laborarbeit liegt. Schließlich ist im Labor Präzision gefragt, man muss sauber, genau und sicher arbeiten. Und man muss Geduld haben. Versuche müssen oft stundenlang beaufsichtigt werden. Außerdem müssen sie vorbereitet und im Anschluss mit Protokollen nachbearbeitet werden. »Das ist schon zeitaufwendig«, sagt Max Mader. »Wenn man noch ein soziales Leben führen will, wird es manchmal eng.« Die Verkehrssprache unter Chemikern ist Englisch. Spätestens bei der Recherche für die Bachelorarbeit sollten die Fachbegriffe auch in Englisch bekannt sein. »Da wächst man rein«, beruhigt Wolfram Koch. Tatsächlich hört es sich schlimmer an, als es ist: Statt Bunsenbrenner heißt es dann eben bunsen burner. Die klassischen Chemiestudiengänge sind meist frei zugänglich. In Wirtschafts- oder Lebensmittelchemie gibt es hingegen oft einen Numerus clausus, der in den vergangenen Semestern oft im Einser- oder Zweierbereich lag.

    Berufsperspektiven für Chemiker
    Nach wie vor geht ein Großteil der Absolventen in die chemisch-pharmazeutische Industrie: Rund ein Drittel der Chemiker arbeiten dort. Sie forschen etwa mit dem Ziel, neue Medikamente zu entwickeln. Obwohl man beim Stichwort Chemie oft als Erstes an große Konzerne wie BASF denkt, gibt es viele kleine und mittelständische Chemieunternehmen. Auch in der Automobilbranche, der Konsumgüterindustrie, dem verarbeitenden Gewerbe, der Baubranche und der Papierherstellung werden Chemiker gesucht. In den Dokumentationsabteilungen großer Unternehmen verfolgen Chemiker Forschungsergebnisse und wählen aus, was für den Arbeitgeber von Bedeutung ist. Auch in Vertrieb und Marketing werden immer mehr Chemiker eingesetzt. Wer später als Chemielehrer unterrichten will, muss sich vor dem Studium informieren, denn die Ausbildung ist in jedem Bundesland anders. Laut der Gehaltsdatenbank personalmarkt.de verdient die Hälfte der Berufseinsteiger mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung mehr als 44 700 Euro jährlich. Arbeitet man in einem Unternehmen, das dem Bundesarbeitgeberverband Chemie angehört, gilt der Tarifvertrag von 2012, demzufolge promovierte Angestellte im zweiten Berufsjahr 67 540 Euro erhalten. Ein Viertel der Chemiker in der Industrie ist zurzeit älter als 50 Jahre. »Es wird also in den nächsten Jahren einen hohen Nachwuchsbedarf geben«, schätzt Stephan Gilow vom Führungskräfteverband Chemie.

    MITARBEIT: MEIKE FRIES, NADJA KIRSTEN

    BÜCHER UND LINKS
    Gesellschaft Deutscher Chemiker: Chemie studieren; 8. übera. Aufl., 2013, 104 S. Kann kostenlos als PDF unter gdch.de/studium heruntergeladen werden. Beschreibt Studium und Berufsmöglichkeiten.

    Arnhild Witte: Studienführer Biologie, Chemie, Pharmazie. Lexika-Verlag, Eibelstadt 2011; 216 S., 15 Euro. Überblick über Studium und Berufseinstieg.

    gdch.de: Auf der Homepage der Gesellschaft Deutscher Chemiker gibt es gut aufbereiteten Infos und Tipps für Schüler und Studenten.

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