CHE Hochschulranking 2013/14

che

Registrieren

Zugriff auf die aktuellen Daten des CHE Hochschulrankings:

  • Rankings von über 30 Fächern
  • Infos zu über 250 Hochschulorten
  • Individuelles Ranking mit eigenen Kriterien erstellen
  • Soziale Arbeit studieren

  • KURZ-INFO Sozialarbeiter und Sozialpädagogen unterstützen Menschen bei sozialen Problemen. Den Studiengang bieten fast nur Fachhochschulen an. Auch Recht, Verwaltung und Organisation stehen auf dem Lehrplan. Für die Arbeit braucht man eine stabile Psyche und Kommunikationsgeschick. VON OLIVER BURGARD

    Worum geht es?
    Wie hilft man Menschen so, dass sie ihre Probleme selbst lösen können? Diese Frage beschäftigt Sozialarbeiter und Sozialpädagogen. Sie sind Experten für Obdachlose oder Flüchtlinge, Drogenabhängige oder psychisch Kranke, aber sie arbeiten auch in Kindertagesstätten, in Beratungsstellen, Schulen und sozialen Einrichtungen. »Es ist eine Dienstleistung für jedermann. Soziale Arbeit hält die Gesellschaft zusammen«, sagt Peter Schäfer, Vorsitzender des Fachbereichstages Soziale Arbeit und Professor an der Hochschule Niederrhein. Das Studium umfasst neben Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit auch Themen, die sonst in Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Medizin, Wirtschaft, Recht und Politik eine Rolle spielen. Vor allem Fachhochschulen bieten das Fach an, viele von ihnen haben einen kirchlichen Hintergrund. Bei den Studenten wird das aber nicht vorausgesetzt. Tjorven Hettwer, 27, die im dritten Semester Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Berlin studiert, sagt: »Unter den Studenten sind sehr verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Konfessionen.« Der Frauenanteil liegt bei etwa 80 Prozent.

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    Im Bachelor ähneln sich die Inhalte an allen Hochschulen. In den ersten Semestern lernen die Studenten die Grundbegriffe des Fachs kennen. Sie untersuchen zum Beispiel, unter welchen Bedingungen Armut oder Rassismus entstehen, sie üben, gesellschaftliche Entwicklungen zu analysieren sowie Daten zu erheben und auszuwerten. An manchen Hochschulen sind auch Besuche bei sozialen Einrichtungen Bestandteil des Unterrichts. Außerdem lernen Studenten die geschichtliche Entwicklung des Faches kennen. Tjorven Hettwer hat ihre erste Hausarbeit darüber geschrieben, wie sich die Erziehung in Kinderheimen durch die 1968er Bewegung verändert hat. Neben Seminararbeiten und Klausuren müssen die Studenten auch Referate halten und mündliche Prüfungen bestehen. Bisweilen erhalten sie ihre Leistungsnachweise auch dafür, dass sie das, was sie in einem Seminar gelernt haben, in einem Rollenspiel vorstellen. Auch praktische Projekte werden angerechnet, etwa wenn man sich als Mentor für benachteiligte Jugendliche engagiert. Mindestens hundert Tage müssen die Studenten während ihres Studiums in sozialen Einrichtungen, bei Vereinen oder Behörden verbringen. Viele Hochschulen arbeiten mit bestimmten Einrichtungen zusammen, sodass Studenten dort leicht einen Praktikumsplatz bekommen. An manchen Hochschulen gibt es statt mehrerer kürzerer Phasen ein Praxissemester. Stefan Zierer, 23, studiert Soziale Arbeit im vierten Semester an der Uni Duisburg-Essen. Sein Praktikum hat er bei der Bahnhofsmission in Essen gemacht. Er begleitete Sehbehinderte vom Zug zum Taxi, traf Jugendliche, die sich den ganzen Tag am Bahnhof aufhielten, und teilte Getränke an Obdachlose aus. Seine Erfahrung: »Menschen, die auf der Straße leben, nehmen die Welt ganz anders wahr als ein Student mit geregeltem Leben. Man muss sie verstehen lernen. Es ist nicht mein Job, ihnen meine Sicht der Dinge aufzudrängen.« In den meisten Bundesländern ist die berufliche Praxis durch Praxisphasen bereits im Studium integriert (»einphasiges Modell«), und die Absolventen sind mit dem Bachelorabschluss staatlich anerkannte Sozialarbeiter. Nur in wenigen Bundesländern, etwa in Niedersachsen, gibt es noch das »Anerkennungsjahr«. Dort sind die Absolventen nur dann staatlich anerkannt, wenn sie nach dem Studium ein Jahr lang Berufserfahrung gesammelt haben (»zweiphasiges Modell«). Eine berufliche Spezialisierung treffen Studenten meist erst mit der Wahl ihres Masters. Die Angebote werden immer zahlreicher. Studenten können sich zum Beispiel auf Jugendhilfe spezialisieren oder auf Mediation. Klinische Sozialarbeit bereitet auf die Arbeit im Krankenhaus vor (Hochschule Coburg, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin, Alice Salomon Hochschule Berlin), Sozialinformatik schult für die Entwicklung von Datenbanken und Softwarepaketen für soziale Einrichtungen (KU Eichstätt- Ingolstadt). Viele Hochschulen (etwa die Hochschule Niederrhein, die FHs in Dresden, Münster, Nürnberg, Mittweida sowie die Uni Duisburg- Essen) bieten Sozialmanagement an, ein Studienfach, in dem es um Budgetplanung, Marketing und Personalentwicklung geht. Außerdem gibt es forschungsorientierte Masterstudiengänge. Nur rund die Hälfte der FH-Studenten in Sozialer Arbeit gab bei einer Befragung des Hochschul-Informations-Systems an, einen Master machen zu wollen. Das sind deutlich weniger als in anderen Studiengängen. Prinzipiell qualifiziert zwar auch der Bachelorabschluss für den Berufseinstieg, doch wer später ein Sozialamt oder ein Jugendzentrum leiten möchte, sollte den Master dranhängen – das geht auch berufsbegleitend. Wer schon weiß, dass er in die Wissenschaft will, sollte darauf achten, dass dies an seiner Hochschule möglich ist. FHs ermöglichen eine Promotion in Kooperation mit einer Uni.



    Neue Entwicklungen
    Sozialarbeiter sehen sich zunehmend als die Anwälte derer, mit denen sie zusammenarbeiten. »Die Arbeit der Sozialpädagogen bekommt wieder eine politische Dimension wie zuletzt in den siebziger Jahren«, sagt Professor Peter Schäfer. »Da die gesellschaftlichen Strukturen den Menschen beeinflussen, geht es immer häufiger auch darum, diese Strukturen zu verändern.« Sozialarbeiter kümmern sich dann nicht nur um den Einzelnen, sondern haben auch seinen Stadtteil im Blick. Während Beratung schon immer eine Kernaufgabe war, übernehmen Sozialarbeiter zunehmend eine Vermittlerrolle, zum Beispiel zwischen Krankenhaus und Krankenkasse oder – als betrieblicher Sozialarbeiter – zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Daher belegen sie schon im Studium häufig Kurse in Mediation. Auch der Übergang von der Schule in den Beruf ist gerade in den Fokus gerückt, denn viele Jugendliche brauchen an diesem Punkt Unterstützung. Die Betreuung und Pflege alter Menschen steht in vielen Studiengängen im Mittelpunkt. Die Studenten lernen, wie man alten Menschen hilft, ihre Selbstständigkeit zu erhalten, zum Beispiel in dem man sie dabei unterstützt, Pflegedienste und Haushaltshilfen zu koordinieren.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Viele Studenten sind enttäuscht, wenn es bei Sozialer Arbeit nicht gleich um die Praxis geht. Doch die Theorien sollen ihnen verschiedene Wege der Problemlösung aufzeigen, die sie in den Praxisphasen dann anwenden können. »Man hat mit Menschen zu tun, die sonst durch das Raster fallen«,sagt Stefan Zierer. »Ihnen zu vermitteln, dass sie etwas wert sind, und manchen dabei zu helfen, wieder in die Spur zu kommen, finde ich toll. «Viele Studenten sind überrascht, welch hohen Stellenwert Recht und Verwaltung im Studium einnehmen. Doch um ihre Klienten beraten zu können, müssen sich Sozialarbeiter auch im Sozialgesetzbuch auskennen. »Ich finde das Studium sehr anspruchsvoll und manchmal auch anstrengend, aber wenn man sich reinhängt, ist es zu schaffen«,sagt Tjorven Hettwer, die Studentin aus Berlin. Nicht jeder eignet sich dafür. »Für Soziale Arbeit braucht man Einfühlungsvermögen«, sagt Professor Peter Schäfer. »Man muss eine professionelle Haltung entwickeln, muss Informationen vertraulich behandeln können, zuverlässig sein und sich zurücknehmen können. «Und man müsse bereit sein, die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen. Zum Beispiel: Was bedeutet für mich ein Leben in Würde? Die Entwicklung der Persönlichkeit gehört zum Studium. Auch die Selbstreflexion wird geübt. Typisch sind Rollenspiele, bei denen sich die Studenten in andere Menschen hineinversetzen. »Wenn ich eine Sozialarbeiterin darstelle«, schildert Tjorven Hettwer, »versuche ich, die Gefühle des anderen aufzugreifen: Ich merke, du wirst wütend, wenn wir über deinenVater sprechen.« Da Lebenserfahrung ein Vorteil sein kann, wird Soziale Arbeit auch häufig von Älteren studiert, die vorher zum Beispiel schon als Erzieher gearbeitet haben. Für Jüngere kann es ratsam sein, vor dem Studium ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. So kann man ausprobieren, ob einem ein sozialer Beruf liegt– und sich die Zeit manchmal sogar als Praktikum anrechnen lassen. Die meisten Studiengänge sind zulassungsbeschränkt. Der NC liegt meist zwischen 2,0 und 2,5. Manche Hochschulen erwarten ein Praktikum vor der Einschreibung, andere wie die FH Potsdam laden zu Auswahlgesprächen ein. Beim Master muss man noch häufiger mit Aufnahmegesprächen rechnen und damit, dass ein Motivationsschreiben verlangt wird; der NC liegt in der Regel bei 2,0. Es ist also nicht garantiert, dass man an seiner Wunschhochschule unterkommt.

    Berufsperspektiven
    Beratung ist eine zentrale Aufgabe: Sozialarbeiter und Sozialpädagogen unterstützen Hartz IV-Empfänger beim Papierkrieg mit Behörden, entwickeln Freizeitprogramme in der offenen Jugendarbeit oder bieten Ehe- und Erziehungsberatung an. Anspruchsvolle Einsatzorte sind Gefängnisse oder die Straße. Dort sind sie als Streetworker unterwegs und helfen Junkies beim Entzug. Sie unterstützen verschuldete Menschen bei Verhandlungen mit der Bank, helfen Einwanderern, eine Wohnung zu finden, oder erstellen Finanz- und Personalpläne für soziale Einrichtungen. Sozialpädagogen mit Schwerpunkt Kindheitspädagogik arbeiten in Kindertagesstätten, oft in leitenden Funktionen, sie betreuen aber auch Kinder und Jugendliche in Ganztagsschulen. Die wichtigsten Arbeitgeber sind kirchliche Verbände, etwa Caritas und Diakonie, Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege wie die Arbeiterwohlfahrt oder das Deutsche Rote Kreuz sowie Non-Profit-Organisationen und Stiftungen. Der öffentliche Sektor bietet Arbeitsplätze in Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern. Auch manche Unternehmen schätzen die Fähigkeit der Absolventen, auf Menschen einzugehen, und setzen sie in der Personalentwicklung ein. Die Arbeitsmarktaussichten sind laut Peter Schäfer hervorragend: »Die Absolventen werden uns förmlich aus der Hand gerissen.« Dem Hochschul- Informations-System zufolge hatten fast 90 Prozent der Bachelorabsolventen nach einem Jahr einen Job. Die Beschäftigungsverhältnisse sind allerdings oft zeitlich begrenzt, es wird viel auf Projektbasis gearbeitet. Außerdem bekommen Sozialarbeiter im Schnitt weniger Gehalt als andere Akademiker: im ersten Berufsjahr etwa 21 200 Euro.

    MITARBEIT: FRIEDERIKE LÜBKE

    BÜCHER UND LINKS
    Rudolf Bieker: Soziale Arbeit studieren. Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten und Studienorganisation. Kohlhammer, Stuttgart 2011; 260 S., 24,90 Euro. Gibt praktische Tipps, wie man Literatur recherchiert, Hausaufgaben schreibt und sich organisiert.

    Johannes Schilling/Susanne Zeller: Soziale Arbeit. Geschichte – Theorie – Profession. 5. durchges. Aufl.; UTB, Stuttgart 2012; 300 S., 29,99 Euro. Beschreibt die Entwicklung eines Fachs und das Arbeitsfeld und gibt Tipps und Beispiele für die Prüfungsvorbereitung.

    dgsainfo.de. Hier nennt die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit Tagungen und Fachgruppen zu Themen wie Promotionsförderung und Sozialwirtschaft.

    gesundheitsmanagement-studieren.de. Beschreibt den Studiengang Soziale Arbeit sowie Arbeitsmöglichkeiten und weist auf verwandte Studiengänge hin.

    bit.ly/zs13bvsozialearbeit: Die Homepage des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit bietet auch einen Überblick zum Studium.

  • Überblick der Studienangebote für das Fach in der ZEIT ONLINE Studiengangsuche

War dieser Artikel hilfreich?
Soziale Arbeit studieren
Bewertung: 4.2/5 (17 Stimmen)