Wie ist das Studium aufgebaut?
Zu den Grundlagen zählen allgemeine BWL,
Finanzierung, Rechnungswesen, Personalwesen,
Produktion, Marketing und Management
Fächer, die in den ersten Semestern gelehrt
werden. Die Studenten lernen, wie Unternehmen
aufgebaut sind, wie Märkte funktionieren und
wie man Bilanzen liest. Hinzu kommen Mathe,
Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre.
Der Stoff wird meist in Vorlesungen gelehrt,
die von Übungen und Tutorien begleitet werden.
Credit Points erwirbt man durch Präsentationen,
Vorträge, Hausarbeiten und Klausuren.
In den höheren Semestern können die Studenten
Schwerpunkte setzen und sich zum Beispiel
vertieft mit Personalmanagement, Marketing,
Controlling oder Steuerlehre befassen.
Ein wichtiger Bestandteil des Studiums sind
Praxiselemente und Projektarbeiten. In Fallstudien
analysieren die Studenten Probleme aus dem
Unternehmensalltag. Milena Sickenberger, die an
der Uni Erlangen-Nürnberg studiert, hat im Kurs
»Problemlösung und Kommunikation« an Beispielen
aus dem Alltag eines Onlineversandhauses
geübt, wie sich typische Probleme eines Unternehmens
erkennen und beheben lassen.
In den Studiengängen der Fachhochschulen
sind Praktika oder ganze Semester in Unternehmen
meist fest in den Studienplan eingebaut.
»Die Praktikanten sollen richtig eingebunden
sein und nicht etwa Kaffee kochen und abheften«,
sagt der Geschäftsführende Vorstand der Bundes-
DekaneKonferenz Wirtschaftswissenschaften,
Rainer Ziegler. »Dafür arbeiten die Hochschulen
eng mit den Unternehmen zusammen.« In dualen
Studiengängen ist der Kontakt
zur Praxis ohnehin sehr eng. Tobias Gropper,
der im dualen System studiert, hat immer wieder
Praxisphasen in einer auf Recycling und Entsorgung
spezialisierten Firma: »Ich war nie der Typ,
der nur theoretisch lernen will. Deswegen kommt
mir der regelmäßige Wechsel gelegen. Man lernt
ein Unternehmen einfach besser kennen, wenn
man länger und öfter dort arbeitet.«
Auch Auslandsaufenthalte haben für BWLStudenten
eine hohe Bedeutung. Er rate jedem,
eine Zeit im Ausland einzuplanen und diese frühzeitig
zu organisieren, sagt der Vorstandsvorsitzende
des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft,
Dodo zu Knyphausen-Aufseß.
»Wer ins Ausland geht, sollte die jeweilige Sprache
schon können, um ohne Anlaufschwierigkeiten starten zu können.« Manchmal sind die
Auslandsaufenthalte ins Studium integriert. Teils
besteht sogar die Möglichkeit, seinen Abschluss
parallel in Deutschland und in einem anderen
Land zu machen. Die Hochschule Niederrhein
zum Beispiel kooperiert in dem Studiengang
International Business mit der University of
Applied Sciences im finnischen Valkeakoski.
Die meisten Bachelorstudiengänge sind breit
angelegt, mit moderaten Spezialisierungen. Einige
bereiten dagegen von Beginn an gezielt auf ein
bestimmtes Berufsfeld vor. In Heilbronn etwa gibt
es den Studiengang Hotel- und Restaurantmanagement,
und an der Hochschule Aalen können sich
Studenten auf die Arbeit in kleinen und mittleren
Unternehmen spezialisieren.
Drei Viertel der Uni-Bachelor- und mehr als
die Hälfte der Fachhochschulstudenten haben
laut einer Studie des Hochschul-Informations-
Systems (HIS) ein Jahr nach dem Abschluss mit
dem Master begonnen. Neben allgemeinen Masterstudiengängen,
sogenannten General-Management-Programmen, setzen die Hochschulen immer
mehr auf spezielle Master, die einen Schwerpunkt
wie Finanzen, Marketing, Logistik oder
Unternehmensführung vorgeben. Milena Sickenberger
will zum Beispiel nach ihrem Bachelor
noch einen Master in Sozialökonomik machen,
um sich weiter in Richtung Markt- und Wirtschaftsforschung
zu spezialisieren.
Neue Entwicklungen
Die Finanz- und Euro-Krise ist auch im BWLStudium
zum Thema geworden. »Es macht keinen
Sinn mehr, die BWL nur als eine auf Gewinnmaximierung
ausgerichtete Disziplin zu
sehen«, sagt Dodo zu Knyphausen-Aufseß. Das
Fach wie auch die Unternehmen müssten neben
den Aktionären verschiedene andere »Stakeholder
« wie beispielsweise die Mitarbeiter, die
Lieferanten oder auch den Staat im Blick haben.
Letztendlich hängt es von den einzelnen
Dozenten ab, welches Gewicht diese Neuorientierung
in der Lehre tatsächlich erhält. »Aber ein
Hochschullehrer, der auf der Höhe der Zeit sein
will, kann sich aktuellen Gegebenheiten nicht
verschließen«, betont Rainer Ziegler.
Diese Erfahrung hat auch Tobias Gropper in
seinen Kursen gemacht: »Wir diskutieren öfter
über die Krise und ihre Folgen. Etwa darüber, wie
sich die Schwierigkeiten der Banken auf einzelne
Volkswirtschaften ausgewirkt haben oder welche
neuen Regulierungen durch das Reformpaket
Basel III auf die Geldhäuser zukommen.« Immer
häufiger stehen Ethikseminare auf dem Stundenplan,
ebenso werden philosophische und psychologische
Inhalte berücksichtigt. An der Alanus
Hochschule in Alfter bei Bonn beispielsweise gibt
es eine eigene Juniorprofessur für Social Banking
und Social Financing, an der TU München einen
Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsethik mit Veranstaltungen
zu »Markt und Glück« oder »Risikomanagement
und Unternehmensethik«.
Auch das Thema Nachhaltigkeit gewinnt in
der BWL an Bedeutung. Zum Beispiel wird untersucht,
wie man den Energieeinsatz eines Unternehmens
verringern und dabei Ressourcen
schonen kann. Die Entwicklung sei jedoch nicht
auf »grüne Themen« beschränkt, sondern umfasse
neben ökologischer auch soziale und ökonomische
Nachhaltigkeit, betont Dodo zu Knyphausen-Aufseß, an dessen Uni, der TU Berlin, ein
Bachelor in Nachhaltigem Management geplant
ist. Im Studium werden dann etwa Gleichberechtigung,
soziale Vielfalt oder auch die Arbeitsbedingungen
in Firmen thematisiert. Die einst strenge Trennung zwischen BWL
und VWL weicht mehr und mehr auf. Die Fächer
haben sich nicht nur in ihren Inhalten angenähert.
Orientiert an den Business Studies im
angloamerikanischen Raum, gibt es mittler weile
in Deutschland Dutzende breiter angelegte Studiengänge,
die sich Wirtschaftswissenschaften
nennen. Auch gegenüber anderen Fächern werden
Grenzen überwunden, etwa in Richtung der
Wirtschaftsinformatik, der Wirtschaftspsychologie
oder des Wirtschaftsrechts.
Eignung, Hürden, Irrtümer
Die Betriebswirtschaftslehre ist das Fach mit den
meisten Studenten in Deutschland. Oft haben
die Studiengänge sowohl für den Bachelor als
auch für den Master einen Numerus clausus, der
sich je nach Hochschule unterscheidet. Vor allem
bei international ausgerichteten Programmen
wird gern zum Bewerbungsgespräch eingeladen.
Häufig verlangen die Hochschulen den Nachweis
guter Englischkenntnisse. Denn viele Texte und
manchmal ganze Vorlesungsreihen sind auf Englisch.
Manchmal müssen die Studenten auch
einen englischen Businessplan schreiben.
In den ersten Semestern stellen Mathe und
Statistik für manche eine Hürde dar. Viele Hochschulen
bieten deshalb Vorbereitungskurse an,
um die Mathe-Kenntnisse aufzufrischen und den
Einstieg zu erleichtern. Ȇberhaupt wird am Anfang
vieles grob umrissen, ohne dass man es
gleich richtig versteht. Das wird aber zum Glück
jedes Semester besser«, macht Milena Sickenberger
Mut. Die Studentin hat auch die Erfahrung
gemacht, dass einige Kommilitonen das
Fach belegten, weil sie nicht wussten, was sie
sonst wählen sollten. »Nach zwei Semestern haben
dann viele abgebrochen. Wer ein konkreteres
Berufsziel hat, bleibt viel eher dabei«, sagt sie und
rät Abiturienten, sich gut zu überlegen, was ihre
Gründe für ein BWL-Studium sind. Interessiert
man sich für ökonomische Zusammenhänge in
den Fernsehnachrichten? Findet man Unternehmensberichterstattung
spannend? Liest man
den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung?
Berufsperspektiven
BWLer werden in den verschiedensten Unternehmensbereichen
eingesetzt von Rechnungswesen
über Logistik bis hin zum Marketing. Die
Absolventen managen Projekte und steuern Abläufe:
Sie prüfen, ob der Verkauf des eigenen
Produkts übers Internet sinnvoll ist oder welcher
Lieferant die besten Angebote macht. Sie verwalten
das Kapital, verhandeln mit Banken und
suchen nach Einsparmöglichkeiten. Ein Vorteil
ist, dass BWLer meist in vielen Branchen arbeiten
können. Läuft es in einer mal nicht so gut, gibt
es Alternativen. Die Zeiten, in denen ein BWL-Abschluss
den reibungslosen Berufseinstieg quasi
automatisch nach sich zog, sind zwar vorbei, allerdings
waren einer HIS-Studie von 2010 zufolge
ein Jahr nach Studienabschluss 77 Prozent der Uni und
79 Prozent der FH-Absolventen in Vollzeit
beschäftigt. Das Einstiegsgehalt lag bei 37 400 Euro
(Uni) beziehungsweise 36 700 Euro (FH).
MITARBEIT: SABRINA EBITSCH
BÜCHER UND LINKS
Birgit Giesen: Karriere-Handbuch Wirtschaftswissenschaftler. Staufenbiel 2012; 190 S., 15 Euro. Der Fokus liegt auf Arbeitsmarktfragen.
Ines Balcik: Studi-Kompass Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen. Ausgaben Nord und Süd, Stark Verlagsgesellschaft 2012; 370 bzw. 342 S., je 14,95 Euro. Infos zu Wirtschaftsstudiengängen einzelner Hochschulen mit Schwerpunkten und mehr.
Günter Wöhe: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre; 24. Auflage, Verlag Franz Vahlen, München 2010, 1100 S., 29,80 Euro. Gilt als Bibel der BWL und liefert einen Überblick über die Grundlagen des Fachs.
wiwi-treff.de: Umfangreiche Nachrichtenseite, mit einem Überblick über verschiedene Wirtschaftsstudiengänge und Informationen zu neuen Studiengängen.
vwl-bwl.de: Schneller Zugang zu allen deutschsprachigen Wirtschaftsfakultäten und weitere Links, etwa zu Praktika.
alternative-wirtschaftspolitik.de: Wirtschaftswissenschaftler und Gewerkschafter informieren über Ziele alternativer Wirtschaftspolitik, zum Beispiel über die Verbesserung von Arbeitsbedingungen und den Umweltschutz.