CHE Hochschulranking 2013/14

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  • KURZ-INFO Betriebswirte haben einzelne Unternehmen und ganze Märkte im Blick. Sie arbeiten nicht nur mit Zahlen, sondern vor allem mit Menschen. Praxisprojekte gehören zum Studium. Auch die Finanzkrise steht auf dem Stundenplan. BWLer müssen Englisch sprechen. VON CHRISTINE BÖHRINGER

    Worum geht es?
    Produktion, Personalwesen, Marketing und Vertrieb – die Betriebswirtschaftslehre (BWL) untersucht, wie die Abteilungen eines Unternehmens zusammenspielen und wie sich Erfolg und Umsatz steigern lassen. BWLer haben aber nicht nur das einzelne Unternehmen im Blick, sondern auch den Markt, die Konkurrenz und den Staat, der die Rahmenbedingungen vorgibt. In BWL geht es um Gewinne und Verluste, aber vor allem auch um Menschen und deren wirtschaftliches Handeln. »Durch die BWL fügen sich Puzzleteile in ein an der: Ich schlage die Zeitung auf und finde Dinge wieder, die plötzlich einen Sinn bekommen «, sagt Tobias Gropper, 22, der im vierten Semester International Business an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg studiert. »Wenn ich die Rabattaktion eines Elektronikdiscounters sehe, weiß ich aus der Marketingvorlesung, dass es sich hierbei nur um eine Strategie handelt, um den Absatz zu steigern.«

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    Zu den Grundlagen zählen allgemeine BWL, Finanzierung, Rechnungswesen, Personalwesen, Produktion, Marketing und Management – Fächer, die in den ersten Semestern gelehrt werden. Die Studenten lernen, wie Unternehmen aufgebaut sind, wie Märkte funktionieren und wie man Bilanzen liest. Hinzu kommen Mathe, Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre. Der Stoff wird meist in Vorlesungen gelehrt, die von Übungen und Tutorien begleitet werden. Credit Points erwirbt man durch Präsentationen, Vorträge, Hausarbeiten und Klausuren. In den höheren Semestern können die Studenten Schwerpunkte setzen und sich zum Beispiel vertieft mit Personalmanagement, Marketing, Controlling oder Steuerlehre befassen. Ein wichtiger Bestandteil des Studiums sind Praxiselemente und Projektarbeiten. In Fallstudien analysieren die Studenten Probleme aus dem Unternehmensalltag. Milena Sickenberger, die an der Uni Erlangen-Nürnberg studiert, hat im Kurs »Problemlösung und Kommunikation« an Beispielen aus dem Alltag eines Onlineversandhauses geübt, wie sich typische Probleme eines Unternehmens erkennen und beheben lassen. In den Studiengängen der Fachhochschulen sind Praktika oder ganze Semester in Unternehmen meist fest in den Studienplan eingebaut. »Die Praktikanten sollen richtig eingebunden sein und nicht etwa Kaffee kochen und abheften«, sagt der Geschäftsführende Vorstand der Bundes- DekaneKonferenz Wirtschaftswissenschaften, Rainer Ziegler. »Dafür arbeiten die Hochschulen eng mit den Unternehmen zusammen.« In dualen Studiengängen ist der Kontakt zur Praxis ohnehin sehr eng. Tobias Gropper, der im dualen System studiert, hat immer wieder Praxisphasen in einer auf Recycling und Entsorgung spezialisierten Firma: »Ich war nie der Typ, der nur theoretisch lernen will. Deswegen kommt mir der regelmäßige Wechsel gelegen. Man lernt ein Unternehmen einfach besser kennen, wenn man länger und öfter dort arbeitet.« Auch Auslandsaufenthalte haben für BWLStudenten eine hohe Bedeutung. Er rate jedem, eine Zeit im Ausland einzuplanen und diese frühzeitig zu organisieren, sagt der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft, Dodo zu Knyphausen-Aufseß. »Wer ins Ausland geht, sollte die jeweilige Sprache schon können, um ohne Anlaufschwierigkeiten starten zu können.« Manchmal sind die Auslandsaufenthalte ins Studium integriert. Teils besteht sogar die Möglichkeit, seinen Abschluss parallel in Deutschland und in einem anderen Land zu machen. Die Hochschule Niederrhein zum Beispiel kooperiert in dem Studiengang International Business mit der University of Applied Sciences im finnischen Valkeakoski. Die meisten Bachelorstudiengänge sind breit angelegt, mit moderaten Spezialisierungen. Einige bereiten dagegen von Beginn an gezielt auf ein bestimmtes Berufsfeld vor. In Heilbronn etwa gibt es den Studiengang Hotel- und Restaurantmanagement, und an der Hochschule Aalen können sich Studenten auf die Arbeit in kleinen und mittleren Unternehmen spezialisieren. Drei Viertel der Uni-Bachelor- und mehr als die Hälfte der Fachhochschulstudenten haben laut einer Studie des Hochschul-Informations- Systems (HIS) ein Jahr nach dem Abschluss mit dem Master begonnen. Neben allgemeinen Masterstudiengängen, sogenannten General-Management-Programmen, setzen die Hochschulen immer mehr auf spezielle Master, die einen Schwerpunkt wie Finanzen, Marketing, Logistik oder Unternehmensführung vorgeben. Milena Sickenberger will zum Beispiel nach ihrem Bachelor noch einen Master in Sozialökonomik machen, um sich weiter in Richtung Markt- und Wirtschaftsforschung zu spezialisieren.



    Neue Entwicklungen
    Die Finanz- und Euro-Krise ist auch im BWLStudium zum Thema geworden. »Es macht keinen Sinn mehr, die BWL nur als eine auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Disziplin zu sehen«, sagt Dodo zu Knyphausen-Aufseß. Das Fach wie auch die Unternehmen müssten neben den Aktionären verschiedene andere »Stakeholder « wie beispielsweise die Mitarbeiter, die Lieferanten oder auch den Staat im Blick haben. Letztendlich hängt es von den einzelnen Dozenten ab, welches Gewicht diese Neuorientierung in der Lehre tatsächlich erhält. »Aber ein Hochschullehrer, der auf der Höhe der Zeit sein will, kann sich aktuellen Gegebenheiten nicht verschließen«, betont Rainer Ziegler. Diese Erfahrung hat auch Tobias Gropper in seinen Kursen gemacht: »Wir diskutieren öfter über die Krise und ihre Folgen. Etwa darüber, wie sich die Schwierigkeiten der Banken auf einzelne Volkswirtschaften ausgewirkt haben oder welche neuen Regulierungen durch das Reformpaket Basel III auf die Geldhäuser zukommen.« Immer häufiger stehen Ethikseminare auf dem Stundenplan, ebenso werden philosophische und psychologische Inhalte berücksichtigt. An der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn beispielsweise gibt es eine eigene Juniorprofessur für Social Banking und Social Financing, an der TU München einen Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsethik mit Veranstaltungen zu »Markt und Glück« oder »Risikomanagement und Unternehmensethik«. Auch das Thema Nachhaltigkeit gewinnt in der BWL an Bedeutung. Zum Beispiel wird untersucht, wie man den Energieeinsatz eines Unternehmens verringern und dabei Ressourcen schonen kann. Die Entwicklung sei jedoch nicht auf »grüne Themen« beschränkt, sondern umfasse neben ökologischer auch soziale und ökonomische Nachhaltigkeit, betont Dodo zu Knyphausen-Aufseß, an dessen Uni, der TU Berlin, ein Bachelor in Nachhaltigem Management geplant ist. Im Studium werden dann etwa Gleichberechtigung, soziale Vielfalt oder auch die Arbeitsbedingungen in Firmen thematisiert. Die einst strenge Trennung zwischen BWL und VWL weicht mehr und mehr auf. Die Fächer haben sich nicht nur in ihren Inhalten angenähert. Orientiert an den Business Studies im angloamerikanischen Raum, gibt es mittler weile in Deutschland Dutzende breiter angelegte Studiengänge, die sich Wirtschaftswissenschaften nennen. Auch gegenüber anderen Fächern werden Grenzen überwunden, etwa in Richtung der Wirtschaftsinformatik, der Wirtschaftspsychologie oder des Wirtschaftsrechts.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Die Betriebswirtschaftslehre ist das Fach mit den meisten Studenten in Deutschland. Oft haben die Studiengänge sowohl für den Bachelor als auch für den Master einen Numerus clausus, der sich je nach Hochschule unterscheidet. Vor allem bei international ausgerichteten Programmen wird gern zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Häufig verlangen die Hochschulen den Nachweis guter Englischkenntnisse. Denn viele Texte und manchmal ganze Vorlesungsreihen sind auf Englisch. Manchmal müssen die Studenten auch einen englischen Businessplan schreiben. In den ersten Semestern stellen Mathe und Statistik für manche eine Hürde dar. Viele Hochschulen bieten deshalb Vorbereitungskurse an, um die Mathe-Kenntnisse aufzufrischen und den Einstieg zu erleichtern. »Überhaupt wird am Anfang vieles grob umrissen, ohne dass man es gleich richtig versteht. Das wird aber zum Glück jedes Semester besser«, macht Milena Sickenberger Mut. Die Studentin hat auch die Erfahrung gemacht, dass einige Kommilitonen das Fach belegten, weil sie nicht wussten, was sie sonst wählen sollten. »Nach zwei Semestern haben dann viele abgebrochen. Wer ein konkreteres Berufsziel hat, bleibt viel eher dabei«, sagt sie und rät Abiturienten, sich gut zu überlegen, was ihre Gründe für ein BWL-Studium sind. Interessiert man sich für ökonomische Zusammenhänge in den Fernsehnachrichten? Findet man Unternehmensberichterstattung spannend? Liest man den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung?

    Berufsperspektiven
    BWLer werden in den verschiedensten Unternehmensbereichen eingesetzt – von Rechnungswesen über Logistik bis hin zum Marketing. Die Absolventen managen Projekte und steuern Abläufe: Sie prüfen, ob der Verkauf des eigenen Produkts übers Internet sinnvoll ist oder welcher Lieferant die besten Angebote macht. Sie verwalten das Kapital, verhandeln mit Banken und suchen nach Einsparmöglichkeiten. Ein Vorteil ist, dass BWLer meist in vielen Branchen arbeiten können. Läuft es in einer mal nicht so gut, gibt es Alternativen. Die Zeiten, in denen ein BWL-Abschluss den reibungslosen Berufseinstieg quasi automatisch nach sich zog, sind zwar vorbei, allerdings waren einer HIS-Studie von 2010 zufolge ein Jahr nach Studienabschluss 77 Prozent der Uni und 79 Prozent der FH-Absolventen in Vollzeit beschäftigt. Das Einstiegsgehalt lag bei 37 400 Euro (Uni) beziehungsweise 36 700 Euro (FH).

    MITARBEIT: SABRINA EBITSCH

    BÜCHER UND LINKS
    Birgit Giesen: Karriere-Handbuch Wirtschaftswissenschaftler. Staufenbiel 2012; 190 S., 15 Euro. Der Fokus liegt auf Arbeitsmarktfragen.

    Ines Balcik: Studi-Kompass Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen. Ausgaben Nord und Süd, Stark Verlagsgesellschaft 2012; 370 bzw. 342 S., je 14,95 Euro. Infos zu Wirtschaftsstudiengängen einzelner Hochschulen mit Schwerpunkten und mehr.

    Günter Wöhe: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre; 24. Auflage, Verlag Franz Vahlen, München 2010, 1100 S., 29,80 Euro. Gilt als Bibel der BWL und liefert einen Überblick über die Grundlagen des Fachs.

    wiwi-treff.de: Umfangreiche Nachrichtenseite, mit einem Überblick über verschiedene Wirtschaftsstudiengänge und Informationen zu neuen Studiengängen.

    vwl-bwl.de: Schneller Zugang zu allen deutschsprachigen Wirtschaftsfakultäten und weitere Links, etwa zu Praktika.

    alternative-wirtschaftspolitik.de: Wirtschaftswissenschaftler und Gewerkschafter informieren über Ziele alternativer Wirtschaftspolitik, zum Beispiel über die Verbesserung von Arbeitsbedingungen und den Umweltschutz.

  • Überblick der Studienangebote für das Fach in der ZEIT ONLINE Studiengangsuche

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