CHE Hochschulranking 2013/14

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  • Anglistik / Amerikanistik studieren

  • KURZ-INFO Anglisten erforschen das Englische, seine Varianten und die Länder, in denen es gesprochen wird. Die Sprache müssen Studenten schon vor Studienbeginn gut beherrschen. Auch kleinere Kulturen werden behandelt. Für den Berufseinstieg reicht Englisch allein nicht aus. VON CHRISTINE BÖHRINGER

    Worum geht es?
    Anglisten beschäftigen sich wissenschaftlich mit der Sprache, der Literatur und der Kultur englischsprachiger Gesellschaften. Warum wurde ausgerechnet Englisch zu einer Weltsprache? Wie hat die britische Kultur auf die Kolonien gewirkt – und wie beeinflussen Einwanderer heute die Gesellschaften in Großbritannien und den USA? Die Anglistik legt den Schwerpunkt auf Großbritannien und die Commonwealth-Länder wie Australien, Indien oder Südafrika, während sich die Amerikanistik auf die USA konzentriert. Etwa jeder zweite Anglistikstudent studiert auf Lehramt.

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    Im Bachelorstudium lernen die Studenten in Vorlesungen, Seminaren und Übungen die drei Schwerpunkte des Faches kennen: Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft, wobei die Grenzen zwischen Literatur- und Kulturwissenschaft oft fließend sind. Neben breit angelegten Bachelorstudiengängen gibt es solche, die einen Schwerpunkt setzen – der kann beispielsweise ein Land oder ein Kontinent sein, die englische Sprachwissenschaft oder auch Literatur und Kultur. Oft werden die Vorlesungen und Seminare von Muttersprachlern geleitet, manche reisen dafür aus anderen Ländern an. »Bei uns unterrichten oft Gastprofessoren und Dozenten aus Großbritannien und den USA«, sagt Peter Maaß, 20, der im vierten Semester in Potsdam Anglistik studiert. In der Literaturwissenschaft geht es um die Grundlagen der Literaturgeschichte und die Methoden und Theorien der Textanalyse. Die Studenten untersuchen Gedichte, Romane, Dramen oder Autobiografien. Auch audiovisuelle Medien wie Literaturverfilmungen können Gegenstand des Studiums sein. In den höheren Semestern setzen die Studenten Schwerpunkte. Sie gehen dann beispielsweise der Frage nach, wie Shakespeare in seinen Sonetten Männer- und Frauenrollen entwirft. Auf dem Programm stehen aber nicht nur die Klassiker. Es kann auch um Detektivromane oder Vampire in der Literatur gehen. »Die meisten Kollegen sind ziemlich progressiv, was die Auswahl der Themen angeht«, sagt Jochen Petzold, Anglistikprofessor in Regensburg. In der Sprachwissenschaft untersuchen die Studenten unter anderem, warum es sprachliche Missverständnisse gibt oder wie sich einzelne Bestandteile von Wörtern entwickelt haben. Bei der Analyse von Texten greifen sie oft auf spezielle Software zurück und lernen dabei, wie sich große Mengen von sprachlichen Daten mithilfe des Computers auswerten lassen. Der Schwerpunkt Kulturwissenschaft befasst sich schließlich mit Politik, Geschichte, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft der jeweiligen Regionen. »Der kulturwissenschaftliche Teil des Studiums gefällt mir am besten, weil man aktuelle Themen diskutieren kann«, sagt Heike Zöller, Anglistikstudentin im dritten Semester in Bochum. Als Beispiel nennt die 21-Jährige ein Seminar, in dem die Studenten untersucht haben, wie Terroristen in Spielfilmen dargestellt werden. »Das war sehr aktuell und superspannend.« In kulturwissenschaftlichen Seminaren werden manchmal auch TV-Serien wie Mad Men oder Lost analysiert. Von Anglisten wird erwartet, dass sie bei Studienabschluss fehlerfrei Englisch sprechen und schreiben können. »Die Vorlesungen und Referate laufen bei uns grundsätzlich auf Englisch ab«, sagt die Bochumer Studentin Heike Zöller. Die Diskussionen in den Seminaren finden ebenfalls oft in der Fremdsprache statt. »Auch außerhalb der Seminare bleiben manche Dozenten beim Englischen«, sagt Heike Zöller. In Sprachkursen trainieren die Studenten neben alltäglicher Konversation vor allem das wissenschaftliche Schreiben. »Man wird schnell besser«, sagt Heike Zöller, die sich noch gut an das erste Semester erinnert: Ziemlich holprig sei ihr Schulenglisch in den ersten Wochen an der Universität gewesen, »aber nach ein paar Monaten lief es dann richtig flüssig«. An einigen Fakultäten gehört ein Pflichtpraktikum zum Anglistikstudium, an manchen ist auch ein Aufenthalt im englischsprachigen Ausland ins Studium integriert. »Auch wenn es nicht überall vorgeschrieben ist, sollte man auf jeden Fall einen Auslandsaufenthalt einplanen«, empfiehlt der Anglistikprofessor Jochen Petzold. »Wenn man eine Sprache studiert, gehört das einfach dazu.« Es kann zudem nützlich sein, schon vor dem Studienbeginn ins Ausland zu gehen. Das verleiht Sicherheit, und man hat sich schon einmal ein bisschen eingehört. Gut zwei Drittel der Anglistikstudenten, die nicht das Lehramt anstreben, schließen nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium an. Es bietet die Möglichkeit, die Schwerpunkte des Bachelorstudiums zu vertiefen und sich weiter zu spezialisieren: beispielsweise auf Literatur- oder Sprachwissenschaft oder auch den US-amerikanischen Kulturraum.



    Neue Entwicklungen
    Immer mehr Anglistikstudiengänge beziehen andere Fächer ein. In Darmstadt zum Beispiel kann man einen sogenannten Joint-Bachelor belegen, in dem Anglistik mit Geschichte und Philosophie, aber auch mit Wirtschaftswissenschaften, Sportwissenschaften oder Informatik kombiniert werden kann. Die Verbindung Anglistik plus Wirtschaft gibt es unter anderem in Passau (Kulturwirtschaft/International Cultural and Business Studies) und Kassel (English and American Culture and Business Studies). Die Anglistik wird aber auch mit geschichts- und sozialwissenschaftlichen Fragen zusammengebracht (Advanced Anglophone Studies in Hannover), mit Skandinavistik und Germanistik (Intercultural Linguistics: Germanische Gegenwartssprachen in Greifswald) oder mit kulturwissenschaftlichen Themen (Kulturwissenschaften – Culture, Arts and Media in Lüneburg). Einen interdisziplinären Ansatz verfolgt auch der Bachelorstudiengang Global Humanities an der Bremer Jakobs-Universität, der zum Wintersemester 2013/14 starten soll und Anglistik mit sozial- und medienwissenschaftlichen Themen kombiniert. In den vergangenen Jahren ist die Aufmerksamkeit für die Sprachen und Kulturen Indiens, Kanadas, Australiens, Afrikas und der Karibik gewachsen. Auch Dialekte und die sogenannten Kreolsprachen in den ehemaligen britischen Kolonien sind Gegenstand der Forschung. Entsprechende Masterstudiengänge werden unter anderem in Bayreuth (African Language Studies) oder in Münster (British, American and Postcolonial Studies) angeboten. Die mittelalterliche Anglistik hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren, an vielen Hochschulen wurde sie sogar von den Lehrplänen gestrichen. Dafür stehen mehr berufsbezogene Zusatzqualifikationen auf dem Programm: So besuchen die Studenten unter anderem Kurse in PowerPoint und Rhetorik.


    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Für Anglistikstudenten ist es wichtig, keine Angst vor der gesprochenen Sprache zu haben. »Unser Studium lebt davon, dass man sich in den Seminaren beteiligt. Für Leute, die einfach nur zuhören wollen, ist Anglistik nicht das Richtige«, sagt Peter Maaß, der Student aus Potsdam. Das Sprechen fällt leichter, wenn man sich vor dem Studienbeginn in seiner Freizeit mit englischsprachigen Medien beschäftigt hat. »Englische und amerikanische Kinofilme sollte man sich möglichst in der Originalversion anschauen und auch mal das eine oder andere englischsprachige Buch in die Hand nehmen«, rät Peter Maaß. Im ersten Semester allerdings scheint es manchmal so, als spiele das Sprechen doch keine so wichtige Rolle, denn die Studenten arbeiten zunächst einmal den Stoff aus den Einführungsveranstaltungen durch, und es gibt noch nicht so viele Gelegenheiten zum Diskutieren. »Das ändert sich dann aber sehr schnell«, betont Peter Maaß. Die Universität Freiburg hat ihre Studenten gefragt, welche Vorurteile gegenüber der Anglistik sich ihrer Meinung nach am hartnäckigsten halten. Folgende Antworten stehen oben auf der Liste: »Hier lerne ich in erster Linie Englisch« und »Es ist wie Englischunterricht in der Schule, nur mehr davon«. Diese Vorstellungen sind falsch. Schließlich ist Anglistik eine Wissenschaft und kein Intensivsprachkurs – auch wenn das Englischsprechen eine wichtige Rolle spielt. An manchen Universitäten muss man als Anglistikstudent eine zweite Fremdsprache belegen. Manchmal ist auch das Latinum Pflicht. Es kann zwar meist während des Studiums nachgeholt werden, allerdings verursacht das bei vielen großen Stress. Eine Herausforderung sind auch die mittelalterlichen Texte, die an traditionsbewussten Unis weiterhin auf den Lehrplänen stehen, sowie die sprachwissenschaftlichen Seminare, die überall belegt werden müssen. »Die Seminare zur Grammatik fand ich ziemlich trocken, da musste ich mich durchbeißen«, sagt Heike Zöller. Unbedingt mitbringen sollte man Leidenschaft für Literatur. »Wer in seiner Freizeit nicht gern liest, wird mit einem Anglistikstudium nicht glücklich werden«, betont der Professor Jochen Petzold. Die Universität Freiburg hat einen Selbsttest entwickelt, mit dem Interessenten herausfinden können, ob ein Anglistikstudium zu ihnen passt (siehe Linkliste am Ende dieses Artikels). Viele Hochschulen prüfen vor der Zulassung die Sprachkenntnisse. Einigen reicht dafür die englische Abi-Note, andere verlangen zusätzlich einen Englischtest wie TOEFL (Test of English as a Foreign Language) oder IELTS (International English Language Testing System). Manche laden selber zum Test, lassen die Bewerber Lückentexte ergänzen oder Essays schreiben. Beispiele für solche Tests finden sich im Netz (siehe Linkliste). Für den Übergang zum Masterstudium sollte man den Bachelor in etwa mit einem »gut« abgeschlossen haben, in der Regel gilt es zudem, ein Auswahlverfahren zu überstehen. Meist reichen die Plätze. In großen Städten wie München oder Berlin, die bei den Studenten besonders beliebt sind, kann es jedoch manchmal Engpässe bei der Masterzulassung geben.

    Berufsperspektiven
    Angehende Anglisten, die nicht Lehrer werden wollen, sollten sich schon während des Studiums intensiv um Zusatzqualifikationen bemühen. Ein wichtiges Mittel sind Praktika; sie helfen, eine bessere Vorstellung von der Arbeitswelt und den eigenen Berufszielen zu bekommen. Wie bei Geisteswissenschaftlern generell ist der Berufseinstieg von Anglisten oft langwierig und selbstständige Projektarbeit zu Beginn häufig. Eine Studie des Hochschul-Informations-Systems von 2010 ergab, dass nur gut 40 Prozent der Absolventen ein Jahr nach dem Abschluss eine reguläre Stelle gefunden hatten. Im Laufe der folgenden Jahre stieg diese Quote jedoch an. Es handelte sich also vor allem um Startschwierigkeiten, die nach und nach überwunden wurden. Im Schnitt erhielten die befragten Anglistikabsolventen ein Einstiegsgehalt von 30 400 Euro pro Jahr. Auch nach einem Masterstudium gibt es für Anglisten kein eindeutiges Berufsbild. Man findet sie unter anderem als Kuratoren an Kulturinstituten, als Dokumentare in Bibliotheken, als Journalisten in Redaktionen oder als Mitarbeiter von Unternehmensberatungen. Sie bilden Erwachsene weiter, managen Events oder entwickeln Übersetzungssoftware. Da sich Anglisten meist sicher im Ausland bewegen und gut kommunizieren können, sind sie auch bei international tätigen Firmen und bei Nichtregierungsorganisationen gefragt. Allerdings bekommen sie hier zunehmend Konkurrenz, weil auch andere Studiengänge wie die Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften immer internationaler werden. Etwa zehn Prozent der Anglisten promovieren, Tendenz steigend. In einigen Branchen, zum Beispiel im Verlagswesen, kann eine Promotion nützlich sein, ein Garant für eine wissenschaftliche Laufbahn ist sie jedoch nicht.

    MITARBEIT: OLIVER BURGARD


    BÜCHER UND LINKS
    Uwe Böker/Christof Houswitschka (Hrsg.): Einführung in die Anglistik und Amerikanistik. 2., überarbeitete Auflage; C. H. Beck, München 2008; 424 S., 19,90 Euro.
    Verständliche Einführung in die anglofone Sprach- und Literaturwissenschaft.

    Ansgar Nünning (Hrsg.): Uni Wissen Anglistik/Amerikanistik. Klett-Verlag, Stuttgart. Reihe mit zahlreichen Titeln zur Sprach- und Literaturwissenschaft, darunter auch »Grundkurse«, die Basiswissen vermitteln.

    Michael Meyer: English and American Literatures. 4. überarb. Aufl.; UTB Basics, Stuttgart 2011; 246 S.; 16,90 Euro. Englischsprachige Einführung in die Methoden und Theorien der Literaturwissenschaft.

    Thomas Berg: Anglistische Sprachwissenschaft. UTB Basics, Stuttgart 2013; 280 S.; 18,99 Euro. Die Einführung erklärt die wichtigsten Begriffe und Methoden und hilft Studienanfängern, sich in der abstrakten Welt der Sprachwissenschaft zurechtzufinden.

    anglistenverband.de: Bietet einen Überblick über Unis mit Anglistik oder Amerikanistik.

    englischlehrer.de: Nicht nur für Englischlehrer! Eine Fundgrube für alle, die Anglistik studieren möchten.

    bit.ly/zs13sprachtest: Diese Demoversion der Uni Münster zeigt, wie ein Sprachtest aussehen kann. Man muss unter Zeitdruck Lückentexte vervollständigen.

    bit.ly/zs13anglistik: Ist Anglistik das Richtige für mich? Die Universität Freiburg bietet einen Selbsttest.

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