CHE Hochschulranking 2013/14

che

Registrieren

Zugriff auf die aktuellen Daten des CHE Hochschulrankings:

  • Rankings von über 30 Fächern
  • Infos zu über 250 Hochschulorten
  • Individuelles Ranking mit eigenen Kriterien erstellen
  • Humanmedizin studieren

  • KURZ-INFO Die Ausbildung der Mediziner ist lang und das Lernpensum groß. Leichen sezieren gehört dazu. In Modellstudiengängen lernen die Studenten früh an echten Patienten. Der Numerus clausus ist eine hohe Hürde. Die Berufsaussichten sind hervorragend, nicht nur in Kliniken. VON MADLEN OTTENSCHLÄGER

    Worum geht es?
    Medizinstudenten lernen, was einen Menschen krank macht und wie man ihn heilt. Dazu müssen sie wissen, wie der menschliche Körper funktioniert: Welche Aufgaben haben Gelenke, Muskeln und Nerven? Wie funktioniert das Herz-Kreislauf-System? Was unterscheidet ein krankes Organ von einem gesunden? In den ersten vier Semestern stehen noch der gesunde Körper und seine Mechanismen im Vordergrund. »Man lernt erst einmal, wie das Leben funktioniert. Das ist nicht nur faszinierend, sondern erweitert auch den Horizont«, sagt Anne Mercier, 22, die an der LMU München studiert. Ab dem fünften Semester beschäftigen sich die angehenden Ärzte hauptsächlich damit, Krankheiten zu verstehen, zu erkennen und zu behandeln.

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    Mediziner brauchen Ausdauer: Bis zum zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung – so heißt das zweite Staatsexamen offiziell – beträgt die Regelstudienzeit sechs Jahre und drei Monate. Danach kann man zwar die Approbation beantragen, also die Erlaubnis, als Arzt zu arbeiten, aber um eine Praxis zu eröffnen oder Oberarzt zu werden, ist die Weiterbildung zum Facharzt Pflicht. Sie dauert fünf bis sieben Jahre, in denen Mediziner meist als Assistenzärzte in einer Klinik arbeiten. Das Studium ist in der Regel in zwei Abschnitte geteilt: die Vorklinik und die klinische Ausbildung. Die drei großen Fächer in der Vorklinik sind Anatomie, Physiologie und Biochemie; hinzu kommen Physik, Chemie, Biologie, Terminologie sowie Medizinische Psychologie und Soziologie. Was die Medizinstudenten in den Anatomie-Vorlesungen lernen, vertiefen sie im Präparierkurs: Sie öffnen Leichen. »Am Anfang ist das seltsam. Man muss damit fertig werden, dass man gerade einen Menschen zerschneidet – aber dann überwiegt schnell die Faszination am Wissen«, sagt Anne Mercier, die im sechsten Semester studiert. Die typische Unterrichtsform in der Vorklinik ist die Vorlesung; hinzu kommen Seminare, Laborpraktika und der Präparierkurs. In den Semesterferien absolvieren die Studenten einen Erste- Hilfe-Kurs und ein dreimonatiges Krankenpflegepraktikum. Nach frühestens vier Semestern kommt die erste große Prüfung: der erste Teil der Ärztlichen Prüfung (früher Physikum). An zwei Tagen müssen die Studenten mehr als 300 Multiple- Choice-Fragen beantworten und drei mündliche Prüfungen in Anatomie, Physiologie und Biochemie bestehen. Danach beginnt der klinische Abschnitt mit 22 Disziplinen von der Arbeitsmedizin bis zur Pharmakologie sowie 13 fächerübergreifenden Querschnittsbereichen wie medizinische Informatik und Gesundheitsökonomie. Zuletzt hinzugekommen ist die Palliativmedizin, also die Behandlung sterbender Patienten. An den Berufsalltag führen mehrtägige Kleingruppen-Blockpraktika von meist vier bis zehn Studenten in Universitätskliniken und Lehrkrankenhäusern heran. In der Klinik schauen die Studenten den Ärzten beim Operieren zu und lernen Untersuchungstechniken: Wie höre ich einen Lungenkranken ab? Liegt ein Kreuzbandriss vor, oder ist das Band vielleicht nur gedehnt? Wunden zu nähen lernt man im Nahtkurs oft zuerst an Schweinehaut. Im klinischen Abschnitt leisten die Studenten während der vorlesungsfreien Zeit ihre Famulatur ab – Praktika von insgesamt vier Monaten, die sie teils in einer Arztpraxis, teils auf Station im Krankenhaus verbringen. Anders als bisher wird vom Mai 2014 an noch vor dem letzten Studienjahr, dem Praktischen Jahr (PJ), der schriftliche Teil der Ärztlichen Prüfung abgelegt. An mehreren Tagen hintereinander wird das Wissen aus allen Bereichen der Medizin geprüft, je einige Stunden am Stück in Multiple-Choice-Tests. Erst dann gehen die Studenten ins Praktische Jahr und arbeiten dort im Krankenhaus. Je vier Monate in der Inneren Medizin und der Chirurgie sind Pflicht, die dritte Station darf jeder frei wählen. »Das Praktische Jahr ist die General probe der bisherigen Ausbildung «, sagt Dieter Bitter-Suermann, Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover. Nach dem Praktischen Jahr folgt die mündliche Prüfung. Sie wird überwiegend am Krankenbett abgehalten, wo der Prüfling Diagnosen und passende Therapien vorschlägt.



    Neue Entwicklungen
    Modellstudiengänge erproben seit einigen Jahren, wie das Medizinstudium praxisnaher werden kann. Es gibt bereits einige solcher Angebote, unter anderem an den Unis in Aachen, Berlin, Bochum, Hannover, Köln und Witten/Herdecke. »Beim Modellstudiengang hat man von Anfang an Patientenkontakt, die Trennung zwischen den vorklinischen und klinischen Fächern wird aufgehoben «, erklärt Bitter-Suermann. Beim sogenannten problemorientierten Lernen stellen Studenten in Gruppen anhand der Krankengeschichte eines Patienten eine Diagnose und suchen nach Behandlungsmöglichkeiten. »Wenn wir Prostatakrebs durchnehmen, lernen wir nicht nur etwas über die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung. Ein Pathologe zeigt uns auch, wie die Gewebeveränderungen unter dem Mikroskop aussehen. Und wir sprechen mit betroffenen Patienten«, sagt David Weber, 26, Student im sechsten Semester im Modellstudiengang an der Berliner Charité. »Das theoretische Grundlagenwissen bekommt so mehr Relevanz, weil wir wissen wollen, was es für den Patienten heißt.« Sein ganzes Medizinstudium ist nach solchen Modulen organisiert, in dem jeweils ein Körperbereich mit seinen Hintergründen und Krankheiten in der Gesamtschau beleuchtet wird. Zwar bleibt das Staatsexamen in Deutschland auch weiterhin der einzige mögliche Abschluss für Mediziner. Aber seit dem vergangenen Wintersemester kann man an der European Medical School in Oldenburg im Verbund mit der Uni Groningen parallel zum Staatsexamen den niederländischen Bachelor und Master machen.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Das Pensum der Medizinstudenten ist vom ersten Tag an hoch. »Es ist nicht besonders schwierig, aber es ist verdammt viel. Das Interesse muss oft zurückstehen, meistens geht es erst einmal nur ums Bestehen«, sagt die Studentin Anne Mercier. Doch oft hilft der Zusammenhalt unter den Kommilitonen: »Wir haben zu viert eine Lerngruppe gegründet und treffen uns einmal in der Woche für vier, fünf Stunden, um den Stoff der vergangenen Woche durchzusprechen«, sagt der Berliner Student David Weber. Schwierig ist es außerdem, überhaupt einen Medizinstudienplatz zu bekommen. Wer es geschafft hat, bleibt deshalb meist dabei. Die Abbrecherquote ist niedrig: Sie liegt deutlich unter zehn Prozent. Die Bewerbung läuft zentral über das Internetportal hochschulstart.de. Bei der Mehrheit der Studienplätze suchen sich die Unis die Bewerber aus, wobei der Notenschnitt immer eine wichtige, manchmal sogar die einzige Rolle spielt. In der Vergangenheit musste es – auch wenn weitere Auswahlkriterien zur Anwendung kamen – eine Eins vor dem Komma sein. Wer weniger gute Noten hat, muss einige Jahre auf den Studienplatz warten. 14 Unis berücksichtigen zurzeit zusätzlich den Medizinertest: Wer dabei gut abschneidet, kann seine Chancen verbessern. Wer warten muss, kann die Zeit mit einer Berufsausbildung überbrücken, etwa als Krankenpfleger oder Medizinisch-Technischer Assistent, was ebenfalls einen Pluspunkt bei der Bewerbung bringen kann. Einige gehen ins Ausland, wenn sie am NC scheitern. Beliebt sind neben deutschsprachigen Studiengängen in Österreich und Ungarn auch englischsprachige Angebote in Osteuropa.

    Berufsperspektiven
    Nach der Facharztausbildung arbeiten Mediziner meist im Krankenhaus oder in einer Praxis. Die Berufsaussichten sind hervorragend, die Bezahlung ist es auch, der Verdienst variiert allerdings, je nach Fachrichtung. Spitzenreiter sind die Radio logen, am unteren Ende stehen beispielsweise die Dermatologen. Nach einer Umfrage des Hochschul-Informations-Systems von 2010 hatten 90 Prozent der Absolventen ein Jahr nach dem Examen eine Stelle. Das Einstiegsgehalt lag bei 49 800 Euro. Auch im Ausland arbeiten deutsche Ärzte, vor allem in Schweden und der Schweiz. Manche Mediziner gehen auch in die Forschung, um dort beispielsweise Impfstoffe zu entwickeln. Andere betreuen Studien in der Pharmaindustrie oder arbeiten in der Politik für die Gesundheitslobby.

    MITARBEIT: CHRISTIAN HEINRICH

    BÜCHER UND LINKS
    Christian Weier/Jens Plasger/Jan-Peter Wulf: Abenteuer Medizinstudium. Der Medi-Learn Studienführer; 2. Aufl., Medi-Learn Verlag, Marburg 2009; 340 Seiten, 19,99 Euro. Beschreibt das Studium lebensnah uns klärt häufige Irrtümer auf; Studenten und junge Ärzte erzählen.

    Detlev E. Gagel/Thomas Peters: Studienführer Medizin. Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin; 8. Aufl.; Lexika Verlag, Eibelstadt 2009; 232 Seiten, 15 Euro. Tipps zu Zulassung, Studienaufbau und Berufsaussichten.

    thieme.de/viamedici: Plattform zu den vielen Aspekten des Medizinstudiums – von Bewerbung bis PJ.

    medi-learn.de: Umfangreiches Portal mit Tipps zur Bewerbung, Diskussionsforen und Berichten von Auswahlgesprächen und Prüfungen an den verschiedenen Unis.

    tms-info.org: Informationsseite zum Medizinertest.

  • Überblick der Studienangebote für das Fach in der ZEIT ONLINE Studiengangsuche

War dieser Artikel hilfreich?
Humanmedizin studieren
Bewertung: 4.5/5 (16 Stimmen)