CHE Hochschulranking 2013/14

che

Registrieren

Zugriff auf die aktuellen Daten des CHE Hochschulrankings:

  • Rankings von über 30 Fächern
  • Infos zu über 250 Hochschulorten
  • Individuelles Ranking mit eigenen Kriterien erstellen
  • Zahnmedizin studieren

  • KURZ-INFO Zahnärzte behandeln Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten. Auf dem Stundenplan steht auch viel Stoff der Humanmediziner. Die Studenten sollten sich nicht vor Speichel und Mundgeruch ekeln. Bohren erfordert Geschick. Die meisten Absolventen arbeiten in einer Praxis. VON MADLEN OTTENSCHLÄGER

    Worum geht es?
    Angehende Zahnmediziner lernen, wie Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten erkannt und behandelt werden. Bevor sie, meist ab dem siebten Semester, den Bohrer das erste Mal bei Menschen ansetzen, üben die Studenten am Phantom, einem Kunststoffkopf mit künstlichem Gebiss. Sie schleifen nicht nur Zähne, nehmen Abdrücke, stellen Kronen her und passen Brücken ein, sondern üben im Grunde alles, was sie später am Patienten machen. »Das Studium ist unheimlich abwechslungsreich. Von Anfang an lernen wir nicht nur am Schreibtisch, sondern werkeln auch im Labor«, sagt Tilmann Seifert, 24, der im siebten Semester an der Universität Marburg studiert.

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    Bachelor und Master gibt es in der Zahnmedizin nicht. Die Studenten beenden ihr Studium in der Regel nach elf Semestern mit dem Staatsexamen, das offiziell Zahnärztliche Prüfung heißt. Das Studium besteht aus zwei Teilen: der Vorklinik und der klinischen Ausbildung. Die Vorklinik dauert fünf Semester. Dabei werden naturwissenschaftliches und medizinisches Basiswissen vermittelt, aber auch Grundlagen der Zahntechnik. Neben speziellen zahnmedizinischen Kursen besuchen die Studenten viele Veranstaltungen gemeinsam mit den Medizinern. Dazu gehören Physik, Chemie, Physiologie, Anatomie oder Biochemie. Die Mundhöhle kann eben nicht getrennt vom Rest des Körpers betrachtet werden. Auch am Sezierkurs nehmen die angehenden Zahnmediziner teil. Das alles erfordert viel Zeit. »Man ist von morgens bis abends beschäftigt, zum Arbeiten nebenher bleibt nicht viel Luft. Darüber sollte man sich vorher klar sein«, sagt Professor Jörg Lisson von der Universitätsklinik Homburg, der Vorsitzender der Vereinigung der Hochschullehrer für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ist. Neben der Theorie arbeiten die Studenten vom ersten Semester an praktisch: Im Technisch- Propädeutischen Kurs (TPK) formen sie Gipsmodelle, Prothesen und Goldkronen. »Wir machen am Anfang größtenteils Sachen, die später der Zahntechniker erledigt. Aber das ist trotzdem wichtig, damit wir eine Vorstellung davon haben, was geht und was nicht«, sagt Tilmann Seifert. Auf den TPK bauen die beiden Phantomkurse auf. Dabei lernen die Studenten auch an schwer erreichbaren Stellen genau zu arbeiten, etwa wenn sie einen Backenzahn behandeln. Die Zahnärztliche Vorprüfung (Physikum) beendet die Vorklinik. Die meisten Studenten machen sie nach dem vierten oder fünften Semester. Geprüft werden Anatomie, Physiologie, Physiologische Chemie und Zahnersatzkunde. In den praktischen Prüfungen führen die Studenten Behandlungen am Phantomkopf vor. Im zweiten Studienabschnitt, der sogenannten Klinik, rückt der Mensch in den Mittelpunkt: Ab dem siebten Semester behandeln die Studenten unter Anleitung eines Assistenzarztes in der Zahnklinik Patienten. Dabei lernen sie vor allem die praktische Anwendung der sogenannten zahnmedizinischen Kernfächer: Kieferorthopädie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Prothetik und Zahnerhaltungskunde. Sie machen Füllungen, präparieren Kronen und Brücken, führen Wurzelbehandlungen durch. »Wenn ein Patient vor einem liegt, kommt es auch auf Kommunikation an: Man muss ihm anschaulich erklären, was man warum macht. Das ist erst einmal neu«, sagt Frederic Stuhldreier, 23, der im neunten Semester in Kiel studiert. Für viele ist das die Kür, an der Uni aber wartet immer auch die Pflicht: Wieder müssen Vorlesungen, Praktika und Seminare besucht werden. Zehn- bis Zwölfstundentage sind in dieser Phase nicht selten. Die Zahnärztliche Prüfung am Ende des zehnten Semesters umfasst dreizehn Fächer: von Hygiene über Pharmakologie bis hin zu Zahnersatzkunde und Kieferorthopädie. Danach kann man die Approbation beantragen, also die Erlaubnis, als Zahnarzt zu arbeiten. Sie zu bekommen ist nur noch ein formaler Akt.



    Neue Entwicklungen
    Uni-Vertreter und Bundeszahnärztekammer planen eine neue Approbationsordnung. Der dazugehörige »Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Zahnmedizin« wird voraussichtlich Ende Mai 2013 vom Medizinischen Fakultätentag verabschiedet und soll die medizinischen Aspekte noch stärker als bisher betonen. So sollen Human- und Zahnmediziner bis zum ersten Examen weitgehend gemeinsam unterrichtet werden, zudem ist eine bessere Betreuungsrelation in den Behandlungskursen vorgesehen. »Immer wichtiger im Arbeitsalltag eines Zahnarztes wird die Vorsorge. Im Studium spielen Kariesprophylaxe und Zahnreinigung daher eine größere Rolle als früher«, erklärt Jörg Lisson von der Uni-Klinik Homburg.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Wer Zahnmedizin studieren will, braucht gute Noten. In der Vergangenheit musste es eine Eins vor dem Komma im Abi sein. Ansonsten muss man mit einer Wartezeit von mehr als fünf Jahren rechnen. Die Bewerbung läuft zentral über die Internetplattform hochschulstart.de. Bei der Mehrheit der Studienplätze entscheiden die Unis über das Verfahren, wobei der Notenschnitt immer eine wichtige Rolle spielt. An acht Unis kann man seine Chancen mit dem Medizinertest verbessern. Um das Studium zu meistern, reichen ein gutes Abitur und viel Disziplin, um den umfangreichen Stoff zu bewältigen, aber nicht aus. Wer sich vor Blut, Speichel und Mundgeruch ekelt, sollte seine Studienwahl überdenken. »Auch eine gewisse handwerkliche Veranlagung ist notwendig«, sagt Frederic Stuhldreier. Ebenfalls wichtig ist Sinn für Ästhetik, denn im Gesicht kommt es auf die Proportionen an. Das alles scheinen die meisten Studenten aber vorher zu wissen: Die Abbrecherquote liegt bei nur fünf Prozent. Ein Zahnmedizinstudium ist außerdem teuer. Die Studenten müssen ihre Instrumente selbst kaufen, etwa das Bohrerset. Im Laufe des Studiums können so Kosten von bis zu 10 000 Euro zusammenkommen.

    Berufsperspektiven
    Die Berufsaussichten für Zahnmedizin sind sehr gut. Laut einer Studie des Hochschul-Informations- Systems von 2010 arbeiteten ein Jahr nach dem Examen 97 Prozent der Absolventen. Das Einstiegsgehalt lag bei 29 300 Euro, allerdings verdoppelt sich diese Summe meist kurz nach der Assistenzzeit. Zwei Jahre dauert die kassenzahnärztliche Vorbereitungszeit, in der die Absolventen in der Praxis eines Kollegen oder in einer Klinik arbeiten. Fast alle eröffnen im Laufe ihres Berufslebens eine eigene Praxis. In den letzten Jahren hat die Zahl der angestellten Zahnärzte aber leicht zugenommen. Manche arbeiten auch als Gutachter für Behörden, für Krankenkassen oder in der Forschungsabteilung eines Unternehmens, etwa bei Zahnbürstenherstellern. Wer Facharzt werden will, macht eine Weiterbildung, zum Beispiel als Kieferorthopäde. Um Arzt für Mund-, Gesichts- und Kieferchirurgie zu werden, braucht man zusätzlich das medizinische Staatsexamen. Neben der Weiterbildung zum Fachzahnarzt besteht für jeden Zahnarzt die Möglichkeit zur Teilnahme an einem von rund 30 Masterprogrammen zur weiteren Spezialisierung.

    MITARBEIT: CHRISTIAN HEINRICH

    BÜCHER UND LINKS
    Detlev E. Gagel/Thomas Peters: Studienführer Medizin. Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin; 8. Aufl.; Lexika Verlag, Eibelstadt 2009; 232 S., 15 Euro. Behandelt Allgemeines wie Fragen zur Zulassung und stellt die drei medizinischen Fächer vor. Gut zum Vergleichen und als Einführung.

    BdZM e. V.: Studentenhandbuch Zahnmedizin 2012/2013. Oemus Media, Leipzig; 132 S., 19,90 Euro als E-Book kostenlos unter bit.ly/zs13zahn. Einstiegshilfe für angehende Zahnmediziner, unter anderem geht es um den Ablauf des Studiums und Austauschprojekte.

    zahniportal.de: Der Bundesverband der Zahnmedizinstudenten in Deutschland (BdZM) stellt alle Universitäten mit Zahnmedizin vor. Außerdem gibt es Tipps zur Bewerbung, eine Übersicht über den Studienablauf und eine Studienplatztauschbörse.

    bit.ly/zs13zahnvideo: Das achtminütige Video gibt einen guten und anschaulichen Einblick in das erste Examen im Zahnmedizinstudium nach vier Semstern.

  • Überblick der Studienangebote für das Fach in der ZEIT ONLINE Studiengangsuche

War dieser Artikel hilfreich?
Zahnmedizin studieren
Bewertung: 4.2/5 (24 Stimmen)