CHE Hochschulranking 2013/14

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  • Sport / Sportwissenschaft studieren

  • KURZ-INFO Das Studium findet im Hörsaal und in der Halle statt. Im Master rückt die Theorie in den Vordergrund. Bewegliche Alleskönner haben bei den Aufnahmeprüfung die besten Chancen. Gesundheitsvorsorge ist ein wichtiges Thema. Zwei Drittel der Absolventen wollen Lehrer werden. VON SILKE STUCK

    Worum geht es?
    Die Sportwissenschaft fordert Körper und Geist gleichermaßen, weil das Studium zwar aus zahlreichen Praxiskursen, aber auch aus viel Theorie besteht. Sportwissenschaftler berechnen die ideale Flugbahn für das Speerwerfen oder suchen nach Methoden, um eine Mannschaft vor dem entscheidenden Spiel zu motivieren. Nicht zuletzt dank ihrer Erkenntnisse werden immer wieder neue Rekorde aufgestellt. Leistungssteigerung ist aber nur ein Feld der Sportwissenschaft. Die Studenten blicken auch zurück in die Vergangenheit und suchen beispielsweise nach den Ursprüngen der Regeln für den Fußball oder beschäftigen sich mit dem Sport als Wirtschaftsfaktor. Immer wichtiger wird die Frage, wie Sport in einer bewegungsarmen Gesellschaft zur Gesundheitsvorsorge genutzt werden kann. Das gilt auch für den Sportunterricht, der die Grundlagen dafür legen soll, dass die Menschen lebenslang Sport treiben.

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    Die eine Säule des Sportstudiums ist die Theorie, die sich mit Sportsoziologie, -geschichte, -medizin und -psychologie, aber auch mit Pädagogik, Didaktik sowie Bewegungs- und Trainingswissenschaft befasst. Die andere Säule ist die Praxis. Hier werden Ballsportarten, Schwimmen, Turnen, Leichtathletik, Gymnastik und Zweikampfsportarten wie Judo oder Fechten gelernt und trainiert. Gerade zu Beginn des Studiums absolvieren die Sportwissenschaftler viele Praxiskurse. »Das macht Spaß, vor allem, wenn man Neues ausprobieren kann. Ich habe zum Beispiel noch nie Speer- und Diskuswurf gemacht. Und ich hätte auch nicht gedacht, dass Aerobic und Pilates so anstrengend sind«, sagt Lukas Bosse, 23, der im vierten Semester Sportwissenschaft an der Uni Freiburg studiert. In den Vorlesungen der ersten Semester geht es darum, Sport zum Forschungsgegenstand zu machen. So erfahren die Studenten, wie welche Sportarten entstanden sind. In Biomechanik und Anatomie geht es darum, wie der Körper arbeitet und welche Kräfte beim Sport auf ihn einwirken. Außerdem lernen die Studenten, wie sie anderen Menschen bestimmte Sportarten und Bewegungstechniken beibringen. Am Ende jedes Semesters wird der Vorlesungsstoff in Klausuren abgeprüft. Über einzelne Aspekte, die in Seminaren behandelt werden, schreiben die Studenten Hausarbeiten, etwa über Verletzungsarten. »Ich habe eine Hausarbeit darüber geschrieben, wie man mit dem Core-Training seine Rumpfmuskulatur stärken kann«, berichtet etwa Lukas Bosse. Auch in den praktischen Sportkursen finden in der Regel Prüfungen statt. Das kann beispielsweise ein Fußballspiel sein, bei dem die Prüfer besonders auf Technik und Taktik achten. Ein Sportstudium ist zunächst breit angelegt. Auch Sportwissenschaftler mit einem Managementprofil kommen an Schwimm- oder Leichtathletikkursen nicht vorbei. In den höheren Semestern können die Studenten dann aber Schwerpunkte setzen. Wer sich auf Sportmedizin, Trainingswissenschaft oder Biomechanik konzentriert, vertieft zum Beispiel sein Wissen über die Bewegungsabläufe des Körpers und geht der Frage nach, wie sie sich verbessern lassen. Wer sich mehr für die geistes- und sozialwissenschaftlichen Aspekte des Fachs interessiert, kann Sportpädagogik, Sportgeschichte oder Sportpsychologie wählen. »Am besten man informiert sich vor dem Studium darüber, welche Schwerpunkte die Hochschulen setzen und wie die Sportwissenschaft mit anderen Fächern zusammenarbeitet, um sich dann für den passenden Studienort zu entscheiden«, rät Dorothee Alfermann, Präsidentin der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft und Professorin an der Uni Leipzig. Denn die reinen Sportstudiengänge verschwinden mehr und mehr zugunsten von Schwerpunktfächern. Manche Unis bieten inzwischen keinen allgemeinen Bachelor in Sportwissenschaft mehr an, sondern setzen auf bestimmte Spezialisierungen, etwa Gesundheitsmanagement oder Sportpädagogik. So gibt es an der Uni Potsdam den Bachelor Sporttherapie und Prävention, die TU Darmstadt bietet den Studiengang Sportwissenschaft und Informatik, und die Deutsche Sporthochschule in Köln hat gleich fünf verschiedene Bachelor-Spezialisierungen. Viele Sportstudenten hängen nach dem Bachelor einen Master dran. Dieser ist forschungsorientierter und man hat kaum noch praktische Kurse. Wie schon im Bachelor sind dabei Spezialisierungen üblich. Meike Helms hat sich für den Master Sport, Medien und Kommunikationsforschung, eines von sieben Masterangeboten an der Sporthochschule Köln, entschieden. »Auf meinem Stundenplan stehen Statistik und Verfahren zur Datenerhebung, aber auch Kommunikationsforschung, Medien- und Werbepsychologie«, sagt die 26-Jährige.



    Neue Entwicklungen
    Immer wichtiger für Sportwissenschaftler wird die Gesundheitsvorsorge. Meist geht es darum, Trainingsprogramme für spezielle Zielgruppen wie Kinder oder Senioren zu erarbeiten. »Meine Uni hat einen Schwerpunkt auf bewegungsbezogene Gesundheitsförderung. Es gibt immer mehr ältere Menschen mit Krankheiten. Ich finde es interessant, zu lernen, wie man mit ihnen Sport machen kann«, sagt der Freiburger Student Lukas Bosse. Auch die Bedeutung des Sports im Bildungswesen hat zugenommen. 2009 haben dazu verschiedene Organisationen wie die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft das »Memorandum zum Schulsport« verabschiedet. Die Vereinbarung fordert einen hochwertigen Sportunterricht. »Aktuell stellt die Einführung von Ganztagsschulen nicht nur den Schulsport, sondern auch die Sportlehrerausbildung vor neue Herausforderungen«, sagt Dorothee Alfermann.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Um Sport studieren zu können, muss man ein Alleskönner sein. Die Studenten sollten Spaß an verschiedenen Sportarten haben. Zwar können sie im praktischen Teil Schwerpunkte wählen, aber es reicht nicht, nur im Tischtennis oder Schwimmen sehr gut zu sein. Auch wer am liebsten Fußball spielt, muss die Gymnastikkurse besuchen. Die Theorie sollte man ebenfalls nicht unterschätzen, zumal Methodenlehre und Statistik eine große Rolle spielen. »Das Studium an sich würde ich nicht als anstrengend bezeichnen. Aber die Konzentration wird durch die Kombination aus Praxisveranstaltungen und Vorlesungen über den Tag hinweg stark gefordert. Am Ende ist man dann schon platt«, sagt Lukas Bosse. Das Lesepensum nimmt ebenfalls Zeit in Anspruch. »Da kommt man auf 50 bis 60 Seiten pro Woche. Und die Studien sind oft auf Englisch«, sagt die Masterstudentin Meike Helms. Die Abbrecherquote bei den Sportstudenten ist zwar relativ niedrig, dafür sind die Anforderungen, um einen Studienplatz zu bekommen, hoch. An fast allen Hochschulen müssen die Bewerber einen praktischen Eignungstest bestehen, der in Köln 60 Euro und in Bochum 40 Euro kostet. In der Regel müssen die Bewerber in Leichtathletik, Turnen, Schwimmen, einem Mannschaftsspiel (Basketball, Fußball, Volleyball oder Handball) und einem Rückschlagspiel (Badminton, Tennis oder Tischtennis) zeigen, was sie können. Die Sporthochschule Köln prüft an einem einzigen Tag insgesamt 20 Einzelleistungen, von denen die Kandidaten 19 bestehen müssen. Die Tests finden ein- bis zweimal im Jahr statt. Die Hochschulen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Eignungsprüfung, und auch wenn man eine erfolgreich absolviert hat, wird sie nicht an allen Standorten anerkannt. Wer Sport studieren will, sollte daher im Vorfeld überlegen, an welcher Uni er den Test absolviert. Zur Vorbereitung kann man zum Beispiel den Sportlehrer aus der Schule fragen oder bei einer Hochschulsportgruppe mittrainieren. Wegen der vielen Bewerber haben die meisten Unis einen NC, der in der Regel im Zweier- Bereich liegt. Auch für den Master gibt es oft mehr Bewerber als Plätze, weshalb die Zulassung ebenfalls häufig beschränkt ist. »Bei meinem Masterprogramm kamen auf 30 Plätze 250 Bewerber«, sagt etwa Meike Helms. »Die Hochschule hat deshalb Punkte vergeben für die Abschlussnote, das Motivationsschreiben, praktische Erfahrungen, den privaten oder beruflichen Sportbezug, Trainertätigkeiten, Auslandserfahrung und wissenschaftliche Mitarbeit an Projekten.«

    Berufsperspektiven
    Rund zwei Drittel aller Sportstudenten wollen Lehrer werden, ihre Ausbildung unterscheidet sich je nach Bundesland. Wer nicht auf Lehramt studiert, hat vielfältige Berufsperspektiven. »Ich interessiere mich für Sportpsychologie. Später möchte ich Spitzensportler betreuen und ihnen in Wettkampfsituationen die Versagensängste nehmen«, sagt Lukas Bosse. Die meisten Absolventen finden im Gesundheitsmarkt eine Stelle, etwa in Fitnesszentren oder Kurkliniken – überall dort, wo Menschen sich bewegen oder bewegen sollen. Sportwissenschaftler arbeiten auch bei Unternehmen, die Trainingsgeräte oder Nahrungsergänzungsmittel anbieten. Manche gehen ins Eventmanagement und organisieren Gesundheitstage für Krankenkassen. Ein Jahr nach dem Abschluss hatten laut Hochschul- Informations-System 2010 gut 70 Prozent der Sportwissenschaftler den Berufseinstieg geschafft, Lehrer ausgenommen. Das Einstiegsgehalt lag bei 23 200 Euro.

    MITARBEIT: KRISTIN HAUG

    BÜCHER UND LINKS
    Sportwissenschaft studieren. Verlag Meyer&Meyer, Aachen. In der Reihe sind viele Titel von Sportökonomie über Sportpädagogik und Sportpsychologie bis Trainingswissenschaft erschienen. Jeder kostet 18,95 Euro.

    dvs-sportstudium.de: Die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft listet alle Sportinstitute mit den jeweiligen Studiengängen auf. Außerdem gibt es Tipps zur Bewerbung und viele weiterführende Links.

    zbsport.de/videos: Auf der Homepage der Sporthochschule Köln kann man sich Videos von den verschiedenen Disziplinen des Eignungstests anschauen.

    bisp.de: Beim Bundesinstitut für Sportwissenschaften gibt es Infos über sportwissenschaftliche Datenbanken, Forschungsvorhaben und Fachveranstaltungen.

    dvgs.de: Seite des Deutschen Verbandes für Gesundheitssport und Sporttherapie mit Infos zu diesen Themen.

  • Überblick der Studienangebote für das Fach in der ZEIT ONLINE Studiengangsuche

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