CHE Hochschulranking 2013/14

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  • KURZ-INFO Juristen müssen analysieren und logisch denken können. Die Studenten brauchen Fleiß und Disziplin. Die meisten nehmen Nachhilfe fürs Examen. Wer Mathe mag, kommt oft auch mit Jura klar. Unter Anwälten ist die Konkurrenz groß. VON MAREN SOEHRING

    Jura studieren: Worum geht es?
    Dürfen ehemalige Sicherungsverwahrte dauerobserviert werden? Ist die Reform der GEZ-Gebühren verfassungsgemäß? Diese und andere Fragen beschäftigen Juristen. Ihr Arbeitsmaterial sind Gesetze, die sie auf die Wirklichkeit anwenden. Dazu unterteilen sie Sachverhalte in logische Einheiten – ein Vorgehen, das Studenten anhand von Fällen üben: »A gibt B eine kräftige Ohrfeige. Prüfen Sie die Strafbarkeit von A«. Die Lösung erarbeiten sie im sogenannten Gutachtenstil. Erst stellen sie eine Vermutung auf: Indem A den B ohrfeigte, könnte er sich der Körper verletzung nach Paragraf 223 Strafgesetzbuch (StGB) strafbar gemacht haben. Dann suchen sie die Definition im Gesetz und überprüfen, ob diese auf den Fall zutrifft: Nach Paragraf 223 StGB begeht eine Körperverletzung, wer eine Person körperlich misshandelt. Mit der kräftigen Ohrfeige hat A den B körperlich misshandelt. Am Ende steht das Ergebnis: A hat sich also nach Paragraf 223 StGB strafbar gemacht. So simpel ist es aber nur am Anfang. Später sitzen die Studenten oft wochenlang an einem Fall. Wer Anwalt, Richter, Staatsanwalt oder Notar werden will, muss die klassische Juristenausbildung durchlaufen. Sie besteht aus mindestens acht Semestern Uni-Studium und der Ersten Juristischen Prüfung (früher: Erstes Staatsexamen) sowie zwei Jahren Referendariat mit anschließender Zweiter Juristischer Staatsprüfung (früher: Zweites Staatsexamen). Danach ist man »Volljuristin« oder »Volljurist«. Neben dem Staatsexamen kann man an manchen Hochschulen auch einen Bachelor of Laws (LL.B.) machen. Die Uni Hamburg bietet etwa einen LL.B. in Arbeits- und Sozialmanagement mit Schwerpunkt Recht an. »Diese Programme sind eine gute Alternative für alle, die nicht als Anwalt oder Richter arbeiten wollen, sondern nur Kenntnisse in einem bestimmten Rechtsgebiet erwerben wollen«, sagt Henning Radtke, Professor für Strafrecht an der Universität Hannover und Richter am Bundesgerichtshof. Eine mittlerweile weit verbreitete Alternative zur klassischen Juristenausbildung ist das Studium des Wirtschaftsrechts (siehe »Neue Entwicklungen«).

  • Wie ist das Jura-Studium aufgebaut?
    Das klassische Jurastudium vermittelt Kenntnisse in den drei Hauptgebieten des Rechts: Strafrecht, Zivilrecht und Öffentliches Recht. Strafrecht bezeichnet Rechtsnormen (Gesetze), die bestimmte Handlungen verbieten und mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe belegen. Das Zivilrecht regelt das Verhältnis von Bürger zu Bürger, während sich das Öffentliche Recht auf das Verhältnis von Bürger und Staat sowie das der Staaten untereinander bezieht. Hinzu kommen Grundlagen wie Rechtsgeschichte oder Rechtsphilosophie. »Ich finde Zivilrecht besonders spannend, weil es den Alltag von uns allen betrifft «, sagt Sven Jürgensen, 22, der in Düsseldorf Jura studiert. Um zum Hauptstudium zugelassen zu werden, schreibt man in manchen Bundesländern eine Prüfung. In anderen braucht man dafür eine bestimmte Zahl an Leistungspunkten, die für Klausuren und Hausarbeiten vergeben werden. Im Hauptstudium werden die drei Hauptgebiete weiter vertieft. Außerdem wählt jeder einen Schwerpunkt (zum Beispiel Europa-, Umwelt- oder Medienrecht). Bis zum Examen muss man eine Fremdsprache nachweisen und zwei Praktika machen. Sven Jürgensen hat sein sechswöchiges Verwaltungspraktikum aufgeteilt: Drei Wochen arbeitete er einem Referenten in der SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag zu. »Danach war ich in der Stadtverwaltung in München, unter anderem in der Kampfhunde- Abteilung und der KFZ-Zulassungsstelle.« Am Ende des Studiums steht die Erste Juristische Prüfung. 30 Prozent der Note machen die Zensuren im Schwerpunktbereich aus. Die anderen 70 Prozent entfallen auf ein Staatsexamen, das in den Bundesländern zentral abgenommen wird. Es setzt sich aus mehreren Klausuren und einer mündlichen Prüfung zusammen. Wer besteht, darf ins Referendariat, kann aber auch einen Master anschließen oder promovieren. Über die Zulassung zum Jura-Master, dem LL.M. (Master of Laws), entscheiden die Unis. Viele Studenten absolvieren ihn im Ausland, doch auch in Deutschland bieten mehr als 50 Hochschulen solche Programme. Oft konzentrieren sie sich auf einen bestimmten Bereich. Die Europa Universität Viadrina in Frankfurt/Oder etwa bietet einen Master of International Human Rights and Humanitarian Law an. Im Referendariat arbeiten die angehenden Juristen mehrere Monate lang in den verschiedenen Rechtsgebieten: im Zivilrecht sind sie bei einem Amts- oder Landgericht tätig, im Strafrecht bei einer Staatsanwaltschaft oder einem Strafgericht, und im Öffentlichen Recht arbeiten sie bei einem Verwaltungsgericht oder in einer Behörde. Schließlich folgt die »Anwaltsstation« in einer Kanzlei. Eine weitere Station können die Referendare frei wählen, manche gehen dabei zu internationalen Organisationen. Das Referendariat endet mit der Zweiten Juristischen Staatsprüfung. Wer sie besteht, kann die Zulassung als Anwalt beantragen oder sich um eine Stelle als Staatsanwalt oder Richter bewerben. Jura kann man auch an zwei privaten Hochschulen studieren: an der Hamburger Bucerius Law School sowie an der European Business School in Wiesbaden (EBS). Dort erwerben die Studenten nach drei Jahren den Bachelor of Laws (LL.B.) und absolvieren nach vier Jahren die Erste Juristische Prüfung. Kosten: 3700 bis 4000 Euro pro Trimester. Es gibt die Möglichkeit, Stipendien zu bekommen.



    Jura studieren: Neue Entwicklungen
    Die Juristenausbildung soll praxisnäher werden. Einige Unis haben sogenannte Legal Clinics eingeführt, bei denen Studenten ihre Kommilitonen aus anderen Fächern in Rechtsfragen beraten. Außerdem soll der Stoff besser vermittelt werden als bisher – dazu sollen geeignete didaktische Methoden entwickelt werden. Einen Aufschwung hat in den vergangenen zehn Jahren das Fach »Wirtschaftsrecht« erlebt. Es wird inzwischen von rund 12 000 Studenten an etwa 30 Unis und FHs studiert. »Durch dieses Studium vermeiden wir den rechtsblinden Betriebswirt genauso wie den kaufmännisch unbedarften Juristen«, sagt Peter Kiel, Professor an der Hochschule Wismar. BWL und VWL stehen genauso auf dem Lehrplan wie Rechts gebiete, die für die Arbeit in Unternehmen bedeutsam sind, etwa Arbeitsund Sozialrecht, Steuerrecht, Insolvenzrecht oder internationales Handelsrecht. »Das Tolle an Wirtschaftsrecht ist, dass es sehr praxisnah ist, weil es sich direkt auf die Unternehmen bezieht«, findet Hannah Witschkowski, 23, die an der HTW Berlin studiert.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Die Rechtswissenschaften setzen eine spezielle Denkweise voraus, mit der sich nicht jeder anfreunden kann. Komme man mit Mathe gut klar, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man auch einen guten Zugang zur Rechtswissenschaft finde, sagt Henning Radtke. »Aber fast genauso wichtig sind sprachliche und rhetorische Fähigkeiten und ein grundlegendes Interesse an philosophischen und ethischen Fragen.« Gesetze und Kommentare sind kompliziert formuliert, und die Studenten müssen erst lernen, sie zu begreifen. Trotzdem hatte sich Sven Jürgensen das Jurastudium trockener vorgestellt: »Gerade zivilrechtliche Fälle wie Nachbarschaftsstreits oder Autounfälle machen das Studium sehr anschaulich.« Jurastudenten müssen diszipliniert sein. Bis zu eineinhalb Jahre steten Lernens für das Examen sind die Regel, im Extremfall sind Studenten damit schon mal 16 Stunden am Tag beschäftigt. Viele lassen sich für 100 bis 250 Euro pro Monat von privaten Nachhilfelehrern, sogenannten »Repetitoren«, helfen. Auch die Universitäten bieten kostenlose Examensvorbereitungskurse an; dennoch liegt die Durchfallquote bei der Ersten Juristischen Prüfung je nach Bundesland zwischen 18 und 31 Prozent. Vier bis fünf Monate nach den Klausuren folgt die mündliche Prüfung, meist in Kleingruppen. Meldet man sich bereits im achten Semester zum Examen, hat man drei Versuche. Der erste Versuch zählt dann als »Freischuss«. Bei späterer Anmeldung muss es spätestens beim zweiten Mal klappen, sonst steht man ohne Abschluss da. Mit einer guten Zeitplanung lässt sich jedoch viel Druck aus dem Studium nehmen. Henning Radtke rät, von Anfang an einen achtstündigen Studientag zu planen: »Wer diesen Rhythmus durchhält, kommt gut durch die Examen, ohne Nächte in der Bibliothek zu verbringen.«

    Berufsperspektiven für Jura-Studenten
    In kaum einer Branche ist die Abschlussnote so entscheidend wie bei den Juristen. Wer beide Juristischen Prüfungen mit Prädikat (zweimal mindestens »voll befriedigend«) bestanden hat, ist begehrt. Nur überdurchschnittlich gute Volljuristen haben Chancen auf eine Stelle als Richter oder Staatsanwalt. Auch Behörden wie das Auswärtige Amt, internationale Organisationen sowie Parteien und Verbände setzen meist ein Prädikatsexamen voraus. Richtern und Staatsanwälten (rund 25.000 volle Stellen) stehen derzeit etwa sechs Mal so viele Rechtsanwälte gegenüber – die Konkurrenz ist groß. Im Gegensatz zu den Spitzenabsolventen, um die Großkanzleien mit enormen Einstiegsgehältern buhlen, verdienen »normale« Junganwälte in kleinen Kanzleien nach einer Befragung des Soldan-Instituts durchschnittlich 30 000 Euro im Jahr; viele, die eine Kanzlei gründen, können zunächst nicht von ihren Honoraren leben. Eine Alternative sind Jobs in größeren Unternehmen oder im öffentlichen Dienst. Dort sind zunehmend auch Wirtschaftsjuristen gefragt. Diese können sich grundsätzlich bereits mit dem Bachelor bewerben, die Chancen sind aber mit einem Master meist besser.

    MITARBEIT: MEIKE FRIES

    BÜCHER UND LINKS
    Christof Gramm/Heinrich Amadeus Wolff: Jura - erfolgreich studieren. Für Schüler und Studenten; 6. Auflage; Beck im dtv, München 2012; 288 S., 14,90 Euro. Beschreibung der Anforderungen, Arbeitsweisen im Jurastudium. Gut, um die eigene Eignung zu überprüfen.

    Michael Hies (Hrsg.): Perspektiven für Juristen 2013. Das Expertenbuch für Einsteiger; 4. erw. Aufl.; e-fellows.net, München 2012; 336 S., 19,90 Euro. Überblick über Berufsbilder mit Tipps für die Studien- und Karriereplanung.

    djft.de: Liste der Bachelor- und Masterangebote der Jurafakultäten in Deutschland mit Übersicht über wirtschaftsrechtliche oder internationale Spezialisierungen (»Komplementärstudiengänge«).

    juraexamen.info: Onlinezeitschrift mit Examensklausuren, Lerntipps, aktuellen Urteilen. In Interviews erzählen bekannte Juristen von ihrem Studium.

    wirtschaftsrecht-studieren.com: Infos über Studium und Berufsperspektiven, Berichte von Studenten und Absolventen sowie eine Liste aller Studiengänge.

    lawblog.de: Ein Düsseldorfer Anwalt berichtet, oft sehr unterhaltsam, aus seinem Alltag als Strafverteidiger.

  • Überblick der Studienangebote für das Fach in der ZEIT ONLINE Studiengangsuche

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