Wie ist das Wirtschaftsrecht-Studium aufgebaut?
Das Studium teilt sich zunächst klassisch in zwei Phasen. In der ersten Phase werden den Studenten die allgemeinen juristischen Grundlagen und die BWL-Basis, wie Controlling oder Bilanzierung beigebracht. Vorlesungen zum Bürgerlichem Recht oder den Grundlagen der VWL und BWL vermitteln dabei das notwendige Fachwissen. Im Hauptstudium, meist nach dem 5. oder 6. Semester, kann sich der Student auf ein spezielles Rechtsgebiet, wie dem Arbeits- und Sozialrecht oder dem Internationalen oder Europäischen Wirtschaftsrecht spezialisieren. Dabei sind es meist ein oder zwei Hauptschwerpunkte, die der Absolvent in dieser Phase seines Studiums setzt.
Generell werden ca. 50 % der Vorlesungsinhalte dem juristischen Bereich gewidmet. 25% des Studiums wenden sich wirtschaftswissenschaftlichen Themen zu und die restlichen 25% werden zur Vermittlung von Zusatzqualifikationen, wie Fremdsprachen und Soft Skills genutzt. Studierende werden ebenfalls dazu aufgefordert Praxiserfahrungen im Rahmen eines Praktikums zu sammeln. Das Bachelorstudium wird dann mit der Bachelorthesis abgeschlossen. Ein Absolvent ist mit diesem Abschluss befähigt, ein weiterführendes Studium aufzunehmen. Der Master of Law ermöglich es einzelne Qualifikationen und Schwerpunkte noch zu vertiefen. Ein solches Studium dauert in der Regel zwischen zwei und vier Semestern. Die Dauer, wie die mögliche Vertiefung variieren zwischen den Universitäten und Fachhochschulen.
Der Bachelorstudiengang Wirtschaftsrecht kann zurzeit an 11 Hochschulen in Deutschland studiert werden und ist prinzipiell für jeden Abiturienten zugänglich. Ähnliche Studiengänge, die sich zum Beispiel speziell dem Europäischen Wirtschaftsrecht widmen, existieren zusätzlich. An den Universitäten herrschen meist Zulassungsverfahren vor in dem der Abiturient verschiedene Kriterien erfüllen muss. Ein Hauptkriterium ist der Numerus Clausus. Dieser lag 2012 durchschnittlich bei 2,0. Bei einer Zulassung über Wartesemester beträgt die durchschnittliche Quote 10 Semester.
Neben dem Numerus Clausus haben viele Hochschulen auch zusätzliche Zulassungsvoraussetzungen für die Studienplatzvergabe. An der HTW Berlin zählt neben dem Abiturzeugnis beispielsweise das Ergebnis eines Studienfähigkeitstests. Obwohl dieser freiwillig durchgeführt werden kann, werden doch ca. 60% der Studienplätze basierend auf diesen Ergebnissen vergeben.
An der Leuphana Universität Lüneburg wird zusätzlich der Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse im Englischen gefordert.
Neue Entwicklungen
Wirtschaftsrecht wird vor allem an Fachhochschulen angeboten. Neuerdings öffnen sich auch mehr und mehr Universitäten für diese spezielle Form des Jurastudiums. Das Fach Wirtschaftsrecht kann auch in dualer Form studiert werden. An verschiedenen Berufsakademien und Fachhochschulen werden die Inhalte durch die praktische Arbeit im Unternehmen komplementiert.
Eignung, Hürden, Irrtümer
Absolventen des Studiengangs Wirtschaftsrecht sind keine Juristen zweiter Klasse, wie manchmal behauptet wird. Vielmehr zeichnen sie sich durch ihre betriebswirtschaftlichen und juristischen Qualifikationen gleich doppelt aus. Natürlich kann der Absolvent nicht als Volljurist, Richter oder Notar tätig werden, ist jedoch qualifiziert in verschiedenen Bereich der Wirtschaft, beispielsweise in der Personalabteilung, der Rechtsabteilung oder kaufmännischen Bereichen, zu arbeiten oder auch Managementfunktionen zu übernehmen. Hier wird besonders geschätzt, dass neben den juristischen Kenntnissen auch betriebswirtschaftliches Know-How existiert.
Berufsperspektiven
Wer den Abschluss als Bachelor oder Master of Law erworben hat, dem bieten sich unterschiedliche berufliche Perspektiven. Der Abschluss macht es möglich in den verschiedensten Bereichen eines Unternehmens einzusteigen. Das juristische und betriebswirtschaftlicher Know-How qualifiziert den Absolventen für Tätigkeiten in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen, Kreditinstituten und Finanzdienstleistern, Unternehmensberatungen, Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Verbänden und Kammern oder auch der öffentliche Verwaltung. Ein Absolvent kann beispielsweise als Contract Manager, Mediator, Insolvenzverwalter oder Legal Affairs Manager arbeiten, nur um eine kleine Auswahl der möglichen Berufsbilder aufzuzeigen. Zum Berufseinstieg kann ein Absolvent mit 35.000 bis 40.000 Euro pro Jahr rechnen, dies ergab eine Studie der Universität Lüneburg. Es gilt jedoch, wie in jedem Berufsfeld, dass vor allem eigene Qualifikationen sowie die Branche Einfluss auf das Einstiegsgehalt haben. Masterabsolventen werden vor allem in großen, internationalen Unternehmen gern gesehen und können hier auch Führungsaufgaben wahrnehmen.
LINKS
djft.de: Listet alle Studienangebote und
Komplementärstudiengänge auf, die deutsche Unis zusätzlich zum klassischen Jura-Studium anbieten.