CHE Hochschulranking 2013/14

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  • KURZ-INFO Bauingenieure sind Experten für Gebäude – von der Planung bis zum Rückbau. Anfangs stehen viel Mathematik und Mechanik auf dem Stundenplan. Öko- und Energiethemen sind wichtig. Die Studenten müssen ein Praktikum auf einer Baustelle absolvieren. VON OLIVER BURGARD

    Bauingenieurwesen: Worum geht es?
    Ob Wolkenkratzer, Windkraftanlage oder naturnaher Umbau eines Flussbetts – Bauingenieure sind gefragt: bei der Planung, der Konstruktion und der Instandhaltung, aber auch bei Ausbau und Rückbau. Sie sind Experten für Materialkunde, Baustatik, Abfallwirtschaft, Verkehrswesen, Wasserbau, Gebäudemanagement und Umweltschutz. »Der Bauingenieur lernt, seine Ideen rechnerisch zu bewerten, das betrifft sowohl Aspekte der Sicherheit und der Funktionalität als auch die Kostenseite. Das unterscheidet ihn vom Architekten, für den die Funktion und der Entwurf im Vordergrund stehen«, sagt Werner Seim, der an der Universität Kassel Holzbau und Bauwerkserhaltung lehrt und Vorsitzender des Fakultätentags für Bauingenieurwesen ist.

  • Wie ist das Bauingenieurswesen-Studium aufgebaut?
    Zu Beginn werden die theoretischen Grundlagen vermittelt: Mathematik und technische Mechanik stehen im Mittelpunkt, aber auch Baukonstruktion und zeichnerische Aufgaben mit CADProgrammen (Computer Aided Design). Welche Lasten muss ein Fundament aushalten? Welche Kräfte wirken auf eine Brücke, wenn ein ICE darüberfährt? In Werkstoffkunde lernen die Studenten, wie sich Baustoffe verwenden lassen. Neben den Klassikern Beton, Holz, Stahl und Glas gehören dazu auch Kunststoffe und Kohlefasern. An den Unis ist das Studium zu Beginn eher grundlagenorientiert. Die Studenten lernen, Materialien, Systeme, Verfahren und Modellvorstellungen des Bauingenieurwesens kennen. »Der Kern der Ingenieurkunst ist, dass man komplizierte Zusammenhänge abstrahieren und in Modellen beschreiben kann, um diese dann umzusetzen «, sagt Gerhard Müller, Professor am Lehrstuhl für Baumechanik der TU München. Die Studenten sollen lernen, ihr theoretisches Wissen in immer neuen Zusammenhängen anzuwenden – etwa bei der Entwicklung von Baustoffen, bei Simulationsmethoden am Rechner oder bei Konstruktionsund Planungsaufgaben. »Mathe und Mechanik fand ich sehr schwierig«, sagt Ezgi Arat, 20, die im vierten Semester an der TU HamburgHarburg studiert. »Aber ab dem dritten Semester versteht man dann, wie alles zusammenhängt. Dann wird es richtig spannend.« Die Fachhochschulen sind eher praktisch orientiert. »Bei uns lernt man Theorie für die Anwendung, nicht auf Vorrat«, sagt Horst Werkle, Professor für Baustatik an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz. Aber auch das UniStudium hat mitunter viel Praxisbezug. »Wir haben schon zu Beginn des Studiums selbstständig Brücken konstruiert, die bestimmte Vorgaben erfüllen mussten«, sagt Jan Schroer, 22, der im vierten Semester an der TU Braunschweig studiert. »Außerdem machen wir viele Exkursionen, waren schon bei einem Stahlerzeuger und haben uns ein Sägewerk angeschaut.« Die Bauingenieurfächer lassen sich grob in Planung und Konstruktion einteilen. Zu den planerischen Fächern zählen Verkehrswesen, Wasserbau und Wasserwirtschaft. Zur Konstruktion gehören Statik, Holzbau, Stahlbau, Massivbau sowie Bautechnologie. In den ersten Semestern bearbeiten die Studenten kleinere Übungsaufgaben, halten Referate und fertigen Studienoder Projektarbeiten an. Außerdem entwerfen sie Modelle, als Zeichnung oder am Rechner, etwa für den Bau einer Kläranlage oder einer Brücke. Gegen Ende des Studiums setzen sie dann eigene Schwerpunkte. Die Themen reichen je nach Hochschule von der Abfallwirtschaft bis zur Verkehrsplanung. Im dritten Studienjahr arbeiten die meisten ein Semester lang praktisch, zum Beispiel in einem Ingenieurbüro oder in der Bauverwaltung. Ezgi Arat plante ein ganzes Semester lang mit ihren Kommilitonen ein Wohnhaus für eine Familie, demnächst macht sie bei einem Verkehrsplanungsprojekt mit. »Bauingenieure sitzen nicht im stillen Kämmerlein, sondern wenden die Theorie gleich an«, sagt sie. Im letzten Semester schreiben die Studenten ihre Bachelorarbeit – häufig bearbeiten sie dabei ein Bauprojekt in Zusammenarbeit mit einem Ingenieurbüro oder einer Baufirma. Bundesweit gibt es zahlreiche spezialisierte Masterprogramme, oft mit Schwerpunkt auf einer Vertiefungsrichtung wie Umwelt, Konstruktion oder Verkehrswesen. »Für Fachhochschulabsolventen ist der Bachelor ganz klar ein berufsqualifizierender Abschluss«, sagt Horst Werkle. Ungefähr 30 bis 45 Prozent der Bachelorabsolventen von FHs entscheiden sich derzeit für einen Master. An den Unis liegt die Quote bei 90 Prozent, schätzt Werner Seim.



    Neue Entwicklungen
    Das Thema Umwelt ist im Bauingenieurwesen traditionell stark vertreten, neben Bauingenieurwesen kann man deshalb an einigen Universitäten und FHs Umweltingenieurwesen studieren. Aktuell entstehen auch neu konzipierte Studiengänge, die einen Schwerpunkt auf diesem Gebiet haben. An der HTWG Konstanz startete etwa zum vergangenen Wintersemester der Studiengang Umwelttechnik und Ressourcenmanagement. Vertiefungsrichtungen auf dem Gebiet der Umwelttechnik sind unter anderem Wasserressourcenmanagement, Abfallwirtschaft/Stoffkreislauf oder erneuerbare Energien. Ein Trend ist der Einsatz von Computersimulationen bei der Planung. Die Studenten berechnen in Geländemodellen zum Beispiel, wie sich die Sichtverhältnisse nach dem Neubau einer Straße verändern. Oder sie überprüfen am Computer die Fluchtwege, indem sie simulieren, wie sich Menschen in einem brennenden Gebäude verhalten. Weit über den eigentlichen Bau hinaus zielt die Gebäudedatenmodellierung: Während des Entwurfs entsteht im Rechner ein virtuelles Modell des Bauwerks, das viele unterschiedliche Informationen – unter anderem zu Kostenplanung, Abläufen oder Statik – sammelt und miteinander vernetzt. Dieses Modell erleichtert die Kommunikation zwischen den Gewerken, die am Bau beteiligt sind, und es vereinfacht nachträgliche Veränderungen des Gebäudes, etwa wenn nach Jahren Leitungen erneuert werden müssen. »Dadurch ergibt sich eine neue Qualität des Bauens«, sagt Professor Horst Werkle aus Konstanz. Internet und Elektronik verändern auch das Lernen selbst. So kommen manchmal Tests zum Einsatz, die die Studenten im Internet zu festen Terminen bearbeiten.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Die Zulassungsbedingungen für den Bachelor sind je nach Hochschule verschieden, an den FHs beträgt der Numerus clausus im Schnitt etwa 2,5, und auch an den Universitäten ist der Abiturschnitt entscheidend. So gut wie alle Hochschulen verlangen von ihren Studenten zusätzlich ein Baustellenpraktikum von sechs bis zwölf Wochen – entweder bereits vor dem Studium oder während der Semesterferien. »Das war total spannend«, sagt Jan Schroer, der sechs Wochen auf einer Baustelle von Hochtief in Hannover gearbeitet hat, wo ein Bürogebäude saniert wurde. »Ich konnte beobachten, wie Ingenieure, Architekten und Bauarbeiter zusammenarbeiten. Ich musste auch anpacken: Wanddurchbrüche und Kernbohrungen machen. Das war körperlich anstrengend.« Manche Studenten steigen während der ersten Semester aus, weil ihnen Mathe und Physik zu schaffen machen. »Man sollte naturwissenschaftlich interessiert sein und nicht nur Mathe mögen, sondern auch Chemie«, sagt Jan Schroer. Die Hamburger Studentin Ezgi Arat rät, mit Kommilitonen zusammen zu lernen. »Es hilft einem selber, wenn man anderen etwas erklärt. Und man sollte sich trauen, andere um Hilfe zu bitten, wenn man nicht klarkommt.« Für Werner Seim ist soziale Kompetenz unabdingbar: »Bauingenieure arbeiten mit Architekten, Gebäudetechnikern oder Brandschutzexperten zusammen und müssen ihre Entwürfe und Ideen im Team entwickeln. Da ist es gut, wenn sie sich in andere Sichtweisen hineindenken können.« Wer später in der Bauleitung arbeiten will, benötigt Managementkenntnisse. Auch mit Verantwortung müsse man umgehen können, sagt Gerhard Müller von der TU München: »Bauingenieure stehen dafür ein, dass eine Brücke oder ein Haus nicht zusammenbricht. Außerdem entscheiden sie über enorme Investitionssummen – das ist anspruchsvoll.« Das Bauingenieurwesen ist von Männern dominiert, doch der Frauenanteil ist höher als in anderen Ingenieurfächern. Rund ein Viertel der Studentenschaft sind Frauen.

    Berufsperspektiven für Bauingenieure
    Den typischen Bauingenieur stellt man sich als Bauleiter mit Helm vor, der Kräne und Betonmischer koordiniert. Eine Einschätzung, die meist nicht der Realität entspricht. Zwar ist die Bauleitung nach wie vor ein klassisches Berufsziel, doch die allermeisten Absolventen arbeiten vor allem am Schreibtisch, auch wenn sie regelmäßig zu ihren Baustellen fahren. Als Mitarbeiter von Ingenieurbüros, Baufirmen oder Behörden entwerfen sie Pläne für Gebäude und Anlagen, für Verkehrswege und Wasserstraßen oder entwickeln Ideen für die Mobilität der Zukunft. Manche Bauingenieure sind Experten für Projektentwicklung, einige pflegen als ITFachleute Netzwerke und Software, andere arbeiten als Sachverständige und schreiben in Streitfällen Gutachten. Sanierung und Umbau bestehender Gebäude nehmen im Arbeitsalltag von Bauingenieuren mittlerweile genauso viel Raum ein wie die Planung und Konstruktion von Neubauten. Wegen ihrer breiten theoretischen Ausbildung können Bauingenieure auch in anderen Branchen arbeiten, etwa im Fahrzeugbau oder in der Medizintechnik. Sie berechnen zum Beispiel die Stabilität von Kotflügeln oder den Strömungswiderstand künstlicher Herzklappen – allerdings sind solche Laufbahnen eher die Ausnahme. Bachelorabsolventen von der FH seien bei Ingenieurbüros als Bauplaner oder als Bauleiter auf der Baustelle gefragt, sagt Horst Werkle. Auch für eine Laufbahn im gehobenen Dienst genügt der Bachelor. Für den höheren öffentlichen Dienst ist hingegen der Master Voraussetzung. »Das Schöne ist, dass es innerhalb des Berufs sehr viele Möglichkeiten gibt, seinen Neigungen und Interessen zu folgen«, sagt Professor Werner Seim aus Kassel. »Am Anfang des Studiums wissen viele noch gar nicht, dass Bauingenieure zum Beispiel auch im Wasserbau oder in der Abfallwirtschaft tätig sind.« Bauingenieure sind grundsätzlich stark von der Baukonjunktur abhängig, aber die allgemeine Lage ist gut: »Sie haben nach wie vor gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt«, sagt Heiko Stiepel mann, Sprecher des Verbands Die Deutsche Bauindustrie. Amtlichen Statistiken zufolge sind bundesweit derzeit 1600 Stellen offen, »wir gehen aber von einer zweibis dreimal so hohen Zahl aus«. Eine weitere Möglichkeit ist, als Bauleiter ins Ausland zu gehen. »Dazu muss man Fremdsprachen können und bereit sein, an wechselnden Einsatzorten zu arbeiten«, sagt Horst Werkle. Bauingenieure können auch ein eigenes Büro gründen und freiberuflich arbeiten. Dafür sollten Absolventen aber zunächst einige Jahre als Angestellte Berufserfahrung sammeln. Die Quote der Selbstständigen liegt bei Bauingenieuren mit knapp 25 Prozent deutlich höher als in anderen Ingenieurberufen.

    MITARBEIT: MEIKE FRIES

    BÜCHER UND LINKS
    Wolfgang Henning: Studienführer Bauingenieurwesen; 2., aktual. Aufl.; Lexika Verlag, Eibelstadt 2008; 168 S., 15 Euro. Eine Einführung ins Studium mit Beispielen

    Klaus Stiglat: Bauingenieur? Bauingenieur! Aufsätze, Reden, Essays, Ernst & Sohn 2012; 120 S., 19,90 Euro. Geht der Rolle des Bauingenieurs für die Gesellschaft mit Essays und humorvollen Zeichnungen nach.

    Karriereführer Bauindustrie 2012/2013. Großprojekte managen – Bauingenieure behalten den Überblick, 64 S., kostenlos zu bestellen über bauindustrie.de.

    werde-bauingenieur.de: Das Portal des Hauptverbands der Bauindustrie enthält Infos zu den Studienangeboten und bietet Einblicke in die Arbeit von Bauingenieuren.

    think-ing.de: Informiert über Ausbildungswege und Berufsbilder. Außerdem gibt es einen Eignungstest.

  • Überblick der Studienangebote für das Fach in der ZEIT ONLINE Studiengangsuche

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