CHE Hochschulranking 2013/14

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  • KURZ-INFO Psychologen beschreiben und erklären das Verhalten von Menschen. Theorie und Naturwissenschaften sind ein wichtiger Teil des Studiums. Um Psychotherapeut zu werden, braucht man eine Zusatzausbildung. Über die Hälfte der Psychologen arbeiten im Gesundheitsdienst. VON MAREN WERNECKE

    Worum geht es?
    Psychologen beschreiben, erklären und prognostizieren menschliches Verhalten und Erleben – sowohl das, was als normal gilt, als auch Störungen und Krankheitsbilder. Sie untersuchen die Wahrnehmung und das Bewusstsein, analysieren Emotionen und Sprache. Zum Beispiel erforschen sie, was die geistige Leistungsfähigkeit bestimmt, wie wir lernen, kommunizieren oder Krisen bewältigen. Aus ihren Erkenntnissen entwickeln Psychologen Vorschläge, wie optimale Bedingungen in verschiedenen Lebensbereichen geschaffen werden können. Das Fach verbindet Natur- und Geisteswissenschaften. Entsprechend vielseitig sind die Inhalte und Methoden.

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    In den ersten Semestern lernen die Studenten Grundlagen aus verschiedenen Bereichen: In der Allgemeinen Psychologie befassen sie sich beispielsweise damit, wie Menschen Probleme lösen oder wie das Gedächtnis funktioniert. In der Entwicklungspsychologie behandeln sie alle Lebensphasen von der Geburt bis ins hohe Alter. Die Sozialpsychologie fragt nach dem Erleben und Verhalten in Gruppen, die Differenzielle Psychologie nach Unterschieden: Welche Eigenschaften bestimmen die Persönlichkeit? Wie lässt sich Intelligenz messen? Die biologische Perspektive rundet die Einführungen ab: Die Studenten bekommen einen Einblick in die Funktion der Sinne, die Arbeitsweise des Gehirns und die Rolle der Hormone im Organismus. All das wird meist in Vorlesungen vermittelt und in Klausuren geprüft. »Ich habe Psychologie gewählt, um hinter die eigentliche Natur des Menschen zu kommen«, sagt Aenne Brielmann, 22, die im sechsten Semester an der Uni Konstanz studiert. »Mittlerweile kann ich über die komplexen Vorgänge im Menschen nur noch staunen.« Das Handwerkszeug für die Forschung erwerben die Studenten in Seminaren und Übungen. Dazu zählen etwa Statistik, Diagnostik und Testtheorie. Außerdem lernen die Studenten psychologische Grundfertigkeiten wie etwa Gesprächsführung oder die Deutung von Körperhaltung und Stimme ihres Gegenübers. In empirischen Praktika fertigen die angehenden Psychologen selbst Studien an, indem sie eigene Versuche planen, durchführen und auswerten. Clara Japing, 21, Psychologiestudentin im vierten Semester an der TU Dresden, hat mit ihren Kommilitonen untersucht, inwiefern sich Erfolg oder Misserfolg auf den Testosteronspiegel auswirken: »Dafür haben wir unsere Versuchs personen Aufgaben lösen lassen und ihnen anschließend mitgeteilt, ob sie besser oder schlechter als ein fiktiver Kontrahent abgeschnitten haben«, berichtet die Studentin. Dann haben wir eine Speichelprobe genommen und diese analysiert.« Die sogenannten Anwendungsfächer in den höheren Semestern haben einen stärkeren Bezug zur Praxis. Häufig sind dies Klinische Psychologie und Psychotherapie, die sich mit psychischen Störungen befasst, Arbeits- und Organisationspsychologie sowie Pädagogische Psychologie. Welche Schwerpunkte eine Uni anbietet, lässt sich auf der Homepage des Instituts feststellen. Teil jedes Studiums ist ein mehrwöchiges Praktikum, etwa in einer psychosomatischen Klinik, bei Marktforschungsinstituten oder in der Personalabteilung einer Firma. Denkbar ist aber auch, in einer Forschungsgruppe an der Uni mitzuarbeiten. Nach dem Bachelorabschluss studieren fast alle weiter. »Nur mit dem Master ist man ein voll ausgebildeter Psychologe«, betont Jürgen Margraf, Psychologieprofessor an der Uni Bochum. Die meisten Hochschulen bieten einen allgemeinen Master in Psychologie an, in dem die Studenten Methoden- und Diagnostik-Kenntnisse vertiefen und Schwerpunkte in einzelnen Fachzweigen wie Klinische Psychologie, Sozialpsychologie, Entwicklungspsychologie oder Wirtschaftspsychologie wählen. Vor allem an Fachhochschulen ist es möglich, sich bereits im Bachelor auf Wirtschaftspsychologie zu spezialisieren.



    Neue Entwicklungen
    Die Unis in Konstanz, Marburg und Tübingen haben sich dazu entschlossen, die Regelstudienzeit für den Psychologie-Bachelor auf acht statt auf sechs Semester anzulegen, um mehr Zeit für Praktika und Auslandsaufenthalte zu schaffen. Deshalb arbeitete die Konstanzer Studentin Aenne Brielmann im fünften Semester drei Monate lang am Vancouver General Hospital in Kanada und drei Monate am Max-Planck-Institut in Tübingen. In der Regel wird nach dem vierjährigen Bachelor ein einjähriger Master angeschlossen. Inhaltlich haben im Studium die Neurowissenschaften, die sich mit der Funktionsweise des Gehirns befassen, an Gewicht gewonnen. Einige Unis bieten dazu spezielle Masterprogramme an: In Bochum, Magdeburg und Konstanz kann man sich im allgemeinen Psychologie-Master auf kognitive Neurowissenschaften spezialisieren; in Oldenburg und München gibt es Neurocognitive Psychology als englischsprachigen Master. Einen weiteren Trend macht Jürgen Margraf in der Kinder- und Jugendpsychologie aus. »Bislang war dieses Gebiet meist nur ein Teil der Klinischen Psychologie«, sagt er. »Inzwischen kann man es an manchen Unis schon im Bachelor als eigenen Schwerpunkt wählen.« Zu den Anbietern zählen unter anderem Bielefeld, Bochum und Marburg.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Viele Studienanfänger sind überrascht, wie viel Naturwissenschaft in einem Psychologiestudium vorkommt. Man muss analytisch denken können, sollte Spaß an Mathe und Statistik haben und sich auch für Biologie interessieren. Die Stundenpläne sind oft straff, der gefühlte Druck ist hoch. Vor allem in den ersten zwei Semestern müssen viel Theorie und Methodenwissen gepaukt werden. Aber Seminare und Praktika lockern den Stoff auf, und der Anwendungsbezug nimmt im Lauf des Studiums zu. »Es ist schön, im Alltag Dinge wiederzufinden, die ich im Studium gelernt habe«, sagt Clara Japing. »Ich weiß jetzt zum Beispiel, warum man bei einem Party-Gespräch die Geräuschkulisse ausblenden kann, seinen eigenen Namen aber immer heraushört.« Ein Großteil der Fachliteratur ist auf Englisch, auch manche Lehrveranstaltungen werden auf Englisch gehalten. Das sei kein Grund zur Sorge, meint Aenne Brielmann, mit der Zeit wachse man da hinein: »Im ersten Semester erwartet keiner, dass man die Terminologie beherrscht.« Psychologie zu studieren heißt auch, sich mit der eigenen Psyche auseinanderzusetzen und Erfahrungen zu reflektieren. Es wäre jedoch falsch zu glauben, mithilfe des Studiums eigene Probleme lösen oder sich gar selbst therapieren zu können – ganz abgesehen davon, dass psychische Störungen nur ein Spezialgebiet unter vielen im Studium sind. Schwere seelische Erkrankungen werden zudem häufig von Psychiatern behandelt, die im Gegensatz zu Psychologen ein medizinisches Fachstudium absolviert haben müssen. Das Fach Psychologie ist örtlich zulassungsbeschränkt. Für einen Studienplatz musste in der Vergangenheit im Abi fast immer eine Eins vor dem Komma stehen. Zulassungsvoraussetzung für einen Master ist in der Regel eine Bachelornote von 2,5 oder 3,0. Aber auch hier haben die Besten die Nase vorn. Darüber hinaus können die fachliche Orientierung im Bachelor, Auswahlgespräche und Motivationsschreiben eine Rolle spielen. »Leider kriegen nicht alle einen Platz an der Uni ihrer Wahl«, sagt Jürgen Margraf. »Deswegen ist es wichtig, räumlich flexibel zu bleiben.«

    Berufsperspektiven
    Gesundheitsdienst: in der eigenen Praxis, in Kliniken, Pflegeheimen oder Beratungsstellen. Ein wichtiges Arbeitsfeld dabei ist die Prävention. Der zweitgrößte Teil arbeitet in der Wirtschaftspsychologie. Wer sich zum Beispiel in Arbeits- und Organisationspsychologie auskennt, sitzt oft in der Personalabteilung, wählt neue Mitarbeiter aus und entwickelt Programme, um die Kollegen zu motivieren und zu fördern. Psychologen mit dem Schwerpunkt Pädagogische Psychologie arbeiten als Schulpsychologen, in sozialen Einrichtungen oder in der Erwachsenenbildung. Laut einer Studie des Hochschul-Informations- Systems von 2010 waren 65 Prozent der Absolventen nach einem Jahr regulär erwerbstätig (Einstiegsgehalt: 31 700 Euro). Die niedrige Quote liegt auch daran, dass viele Psychologen eine Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten anschließen. Man kann die Ausbildung in Vollzeit (drei Jahre) oder berufsbegleitend (fünf Jahre) machen. Neben Fachärzten können nur »Psychologische Psychotherapeuten« eine Praxis aufmachen, die mit der Krankenkasse abrechnen können. Voraussetzung für diese Ausbildung ist im Moment ein Master in Psychologie, der das Fach Klinische Psychologie einschließt.

    BÜCHER UND LINKS
    Celina und Wolfgang Henning: Studienführer Psychologie; 6., aktual. Aufl.; Lexika-Verlag, Eibelstadt 2010; 256 S., 15 Euro. Informationen über die Zulassung, den Ablauf des Studiums sowie Berufsperspektiven.

    Andrew Stevenson: Studienbegleiter Psychologie. Der kompakte Werkzeugkoffer zum Einstieg; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009; 220 S., 24,95 Euro. Das Buch erklärt die wichtigsten Begriffe und Methoden.

    dgps.de/studium: Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie gibt einen Überblick zu den Studienmöglichkeiten in Deutschland und zu Berufswegen.

    bit.ly/zs13psycho: Der Self-Assessment-Test der Goethe-Uni in Frankfurt gibt Auskunft über die Eignung fürs Psychologiestudium. Ähnliche Tests bieten die RWTH Aachen und die Uni Mannheim auf ihren Homepages.

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