CHE Hochschulranking 2013/14

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  • KURZ-INFO Biologen erforschen das Leben. Das Studium besteht etwa zur Hälfte aus praktischen Inhalten, aber ohne naturwissenschaftliche Theorie geht es nicht. Die Arbeit im Labor erfordert Geschick. Fast alle Studenten schließen mit dem Master ab, mehr als zwei Drittel promovieren. VON MAREN WERNECKE

    Worum geht es?
    Biologen untersuchen alles, was lebt: Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere und Menschen. Sie beschreiben deren Aufbau und Erscheinungsformen und versuchen, die Abläufe innerhalb der Organismen zu verstehen. Gleichzeitig erforschen sie die Beziehungen der Lebewesen untereinander und ihre Wechselwirkungen mit der Umwelt. Moleküle und Zellen interessieren sie genauso wie komplexe Ökosysteme. Typische Fragen lauten: Wie wird die Entwicklung von Lebewesen gesteuert, und welche Gene spielen dabei eine Rolle? Warum beginnen Krebszellen zu wuchern? Was richten Schadstoffe in Flüssen an? Welchen Prinzipien folgt die Evolution?

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    Es ist wie bei allen naturwissenschaftlichen Studienfächern: An den Grundlagen in Chemie, Physik und Mathe kommen auch Bio-Studenten nicht vorbei. Säure-Basen-Gleichgewichte, thermodynamische Zustände und Integralrechnung – all das gehört dazu. Die Anfangssemester dienen zudem der Basisausbildung in den biologischen Grunddisziplinen Zoologie, Botanik, Genetik, Zell- und Entwicklungsbiologie, Mikrobiologie und Ökologie. Den Vorlesungsstoff prüfen die Dozenten gewöhnlich in Klausuren. In Seminaren werden einzelne Themen als Hausarbeit vorbereitet und dann der Gruppe präsentiert. Von Beginn an besteht etwa die Hälfte des Stundenplans aus praktischen Inhalten. Oft müssen die Studenten dafür auch während der Semesterferien kommen, weil die meisten Unis dann Blockveranstaltungen einplanen. Im Labor lernen die Studenten zum Beispiel, wie man steril arbeitet, Zellkulturen anlegt und Erbmaterial vervielfältigt. »Es macht total viel Spaß, wenn man theoretisches Wissen auch anwenden kann«, sagt Loriana Blasius, 21, die im vierten Semester an der Universität Kaiserslautern studiert. Das zoologische Grundpraktikum, auch Schnippelkurs genannt, gefiel ihr besonders gut. Hier schneiden die Studenten Würmer, Frösche oder Fische auf und untersuchen deren Anatomie. »Wir haben bei einer toten Ratte einen Luftröhrenschnitt gemacht, ein Röhrchen hineingesteckt und da rüber die Lungen mit dem Mund aufgepustet. Das fand ich interessant«, berichtet Loriana Blasius. »Die Schnecken dagegen haben so gestunken, dass wir uns richtig zusammenreißen mussten.« Bestimmungsübungen für Pflanzen sind ebenso Teil des Studiums wie Mikroskopierkurse, in denen man zum Beispiel Querschnitte von Blättern oder Wurzeln zeichnet. Auch ein- oder mehrtägige Exkursionen gehören dazu, sei es ins Umland, in die Alpen oder an die Nordsee. Ab der zweiten Studienhälfte des Bachelors können die Biowissenschaftler eigene Schwerpunkte setzen – wobei sich die Inhalte an den einzelnen Unis unterscheiden. In Bremen, Kiel und Rostock gibt es zum Beispiel einen Schwerpunkt in Meeresbiologie; Bionik wird in Bremen, Aachen und Freiburg angeboten. »Toll ist, dass es in der Biologie so viele Möglichkeiten gibt, sodass jeder seine Nische finden kann«, sagt Max Stammnitz, 23, Biologiestudent im sechsten Semester an der Uni Freiburg. Er interessiert sich besonders für Synthetische Biologie. Dabei werden biologische Systeme, zum Beispiel Zellen oder Organismen, die so in der Natur nicht vorkommen, modularisiert, modelliert und durch artfremde Bestandteile erweitert. »Es fasziniert mich, wie man evolutionäre Erfolgsstrategien von Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren mit modernen molekularen Methoden verknüpfen kann.« Einige Unis verlangen während des Studiums ein Berufspraktikum. Um Einblick in die Forschung zu erhalten, gehen die Studenten spätestens im dritten Studienjahr in Labore der Universität, zu Forschungseinrichtungen oder in die Industrie. »Wer später in der Industrie arbeiten will, kann so schon Kontakte knüpfen«, sagt Alois Palmetshofer, Karriere-Koordinator an der Fakultät für Biologie der Uni Würzburg und Sprecher der Konferenz Biologischer Fachbereiche. Laut einer Studie des Hochschul-Informations- Systems (HIS) von 2010 haben 86 Prozent der Bachelorabsolventen einen Master angeschlossen. Etwa 25 Unis bieten einen allgemeinen Master in Biologie an. »Es ist wichtig, sich die Vertiefungsrichtungen an den einzelnen Universitäten vor der Entscheidung für ein Masterprogramm genau anzuschauen«, sagt Hans-Jörg Jacobsen, Professor für Molekulargenetik an der Universität Hannover. Dies gilt genauso für stark spezialisierte und interdisziplinäre Masterangebote: Sie reichen von Zell- und Molekularbiologie (etwa in Bielefeld, Heidelberg und Marburg) über Biotechnologie (in Aachen oder München) und Bioinformatik (in Freiburg, Potsdam, Saarbrücken) bis hin zu Biomedizin (wie in Erlangen oder Hannover). Genau informieren müssen sich auch angehende Lehrer, da jedes Bundesland das Studium unterschiedlich organisiert.



    Neue Entwicklungen
    Um den Übergang zu Masterstudiengängen an anderen Unis zu erleichtern, haben die rund 60 biologischen Fachbereiche einen gemeinsamen Fachkanon erarbeitet. Er soll sicherstellen, dass alle Studenten im Bachelor vergleichbare Grundkenntnisse erwerben. »Wo Biologie draufsteht, soll auch Biologie drin sein«, betont Alois Palmetshofer. Ab dem Sommer können sich die Unis selbst dazu verpflichten. Wann und inwiefern der Fachkanon dann in die Studienpläne einfließt, ist allerdings noch offen. Bioinformatik und molekulare Analysetechniken spielen inzwischen in allen Bio-Studiengängen eine Rolle. »Ich war erstaunt, wie computerlastig ein Fach wie Geobotanik sein kann«, sagt Max Stammnitz. »Um etwa herauszufinden, unter welchen Bedingungen bestimmte Pflanzenarten am besten wachsen, muss man unglaublich viele Daten sammeln und auswerten.« Zunehmend Beachtung findet auch die sogenannte Epigenetik. »Dabei geht es darum, inwieweit Umweltbedingungen Gene an- oder abschalten und sich somit erworbene Eigenschaften auch weitervererben können«, erklärt Hans-Jörg Jacobsen. »Das ist mittlerweile schon in meinen Einführungsvorlesungen Thema.«



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Die Biologie ist eine komplexe, interdisziplinäre Wissenschaft, die mathematisches, chemisches und physikalisches Verständnis erfordert. Viele Studenten tun sich mit zumindest einer der naturwissenschaftlichen Grundlagen schwer. »Ich hatte Physik in der Oberstufe abgewählt, deshalb war es schwierig«, sagt Loriana Blasius. »Aber ich habe mit anderen Studenten Lerngruppen gebildet, wir haben Zusatzübungen gemacht – dann ging es.« Immer öfter werden auch Brückenkurse vor Studienbeginn angeboten – eine gute Möglichkeit, um fachliche Lücken zu verkleinern. Viele Bio-Studenten empfinden vor allem die Fülle des Stoffs als Herausforderung. »Es hilft, sich schon am Anfang des Semesters die Termine für die Klausuren zu besorgen und bei der Fachschaft nachzufragen, welche Prüfungen erfahrungsgemäß die meiste Lernzeit beanspruchen «, empfiehlt Max Stammnitz und beruhigt: »Ab dem dritten Semester lässt der Druck nach, und die Noten werden besser.« An den modernen molekularen Methoden führt kein Weg vorbei, selbst wenn jemand zoolog ische oder botanische Schwerpunkte wählt. »Man muss in allen Disziplinen genetisch denken können«, betont Hans-Jörg Jacobsen. »Zu sagen: Ich will Meeresbiologie studieren, Tiere schützen und sonst nichts – das geht nicht.« Die Labortätigkeiten erfordern Geschick, der Umgang mit Organismen Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein. Die Arbeit mit toten Tieren kostet manche Studenten Überwindung. Ein Großteil der Fachliteratur i st auf Englisch, und immer öfter wird auch auf Englisch unterrichtet. Manche Masterprogramme laufen komplett fremdsprachig, wie etwa Molecular Biosciences in Heidelberg oder Life Sciences in Würzburg. Das Bio-Studium ist überall zulassungsbeschränkt. Die meisten Unis suchen sich ihre Studenten hauptsächlich nach der Abiturnote aus; Der NC lag im vergangenen Wintersemester meist zwischen 1,5 und 2,5. Beim Master können Bachelorabsolventen unter mehr als 500 biowissenschaftlichen Angeboten wählen. Bundesweit betrachtet, gibt es keinen Mangel an Studienplätzen. Dennoch kann der Andrang an einzelnen Standorten hoch sein. Viele Hochschulen verlangen als Voraussetzung eine Bachelornote von mindestens 2,5. Zum Teil werden zusätzliche Aspekte wie eine Berufsausbildung oder ein Motivationsschreiben berücksichtigt.

    Berufsperspektiven
    Der Doktortitel ist bei Biologen der Normalfall. Bis zu drei Viertel der Masterabsolventen machen einen Doktor, was in der Regel mindestens drei Jahre dauert. Während der Promotionsphase erhalten Biologen meist erst einmal eine befristete, oft schlecht bezahlte Stelle. Entsprechend lag auch das vom Hochschul-Informations-System (HIS) ermittelte Einstiegsgehalt bei lediglich 25 700 Euro. Knapp 70 Prozent der Absolventen hatten laut der HIS-Studie von 2010 ein Jahr nach dem Abschluss eine Stelle gefunden. Als Wachstumsbranche gilt die Biotechnologie. »Die Zahl der Biotechfirmen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Da sind auch neue Arbeitsplätze für Biologen entstanden«, sagt Alois Palmetshofer von der Uni Würzburg. In mittelständischen Unternehmen leiten Absolventen oft ein Labor und haben Personalverantwortung. Viele arbeiten auch in der Pharmaindustrie oder in der medizinisch orientierten Forschung, wo sie sich etwa um die Zulassung neuer Medikamente kümmern oder Krankheiten auf molekularer Ebene untersuchen. Biologen sind aber auch im Marketing, im Vertrieb und Kundendienst tätig. Begehrt, aber selten sind Stellen im Umweltschutz. Es gibt sie zum Beispiel bei Ämtern, Behörden oder Naturschutzverbänden oder bei staatlich geförderten Umweltprojekten. Häufig ist hier nicht nur wissenschaftliche Expertise gefragt, sondern ebenso die genaue Kenntnis von Gesetzen und Verordnungen.

    BÜCHER UND LINKS
    Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (Hrsg.): Berufsbilder von und für Biologen. 8. Auflage; VBIO, München 2012; 178 S., 10 Euro (inkl. Versand). Mit 70 Beispielen für Biologenlaufbahnen.

    D. Sadava/G. H. Orians/H.C. Heller/D. Hillis/M.R. Berenbaum/J. Markl (Hrsg.): Purves Biologie. 9. Auflage; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2012; 1860 S., 69,95 Euro. Standardlehrbuch mit zahlreichen Abbildungen, das selbst komplexe Themen und Vorgänge verständlich darstellt und Lust auf Bio macht.

    studienfuehrer-bio.de: In der Datenbank finden sich alle Bio-Studiengänge im deutschsprachigen Raum.

    vbio.de: Website des Verbands Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin. Infos und Links zu Studium und Beruf gibt es unter Ausbildung & Karriere.

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