CHE Hochschulranking 2013/14

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  • Medien- und Kommunikationswissenschaft, Journalistik studieren

  • KURZ-INFO Die Kommunikationswissenschaft untersucht, wie Menschen Informationen austauschen. Die Medienwissenschaft erforscht, wie Medien unsere Wahrnehmung prägen. In Journalistikstudiengängen übt man auch den praktischen Redaktionsalltag. Der Numerus clausus ist überall hoch. VON SABRINA EBITSCH

    Worum geht es?
    Die Medienstudiengänge beschäftigen sich mit allem, was mit Kommunikation und Medien zu tun hat. Unter den Oberbegriff werden jedoch verschiedene Fächer gefasst. Die Kom mu ni kations wis sen schaft ist sozialwissenschaftlich orientiert und untersucht, wie Medienangebote (Nachrichten, Dokumentationen, Unterhaltungsformate) entstehen, wie sie genutzt werden und wirken. Im Vordergrund steht die öffentliche Kommunikation über Massenmedien, also Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet. Die Medienwissenschaft ist stärker kulturwissenschaftlich ausgerichtet. Medienwissenschaftler untersuchen etwa die Geschichte und Wandlung des Films und fragen, was er für eine Gesellschaft bedeutet. Sie analysieren Kamerabewegungen, Ton, Schnitt und Licht, den Spannungsaufbau sowie den Kontext, in dem ein Film steht. »Wir fassen den Begriff Medien sehr weit«, sagt Malte Hagener, Vorsitzender der Gesellschaft für Medienwissenschaft und Professor an der Uni Marburg. »Nicht nur Bücher sind Medien, die etwas mitteilen, sondern zum Beispiel auch das Röntgen in der Medizin oder die Videoüberwachung.« Zwischen Medienwissenschaft und Kommunikationswissenschaft gibt es viele Überschneidungen; doch keiner dieser Studiengänge bildet Journalisten aus. Das tun Verlage, Rundfunksender und Journalistenschulen sowie Journalistikstudiengänge. Sie haben den Anspruch, Theorie und Praxis zu verbinden, indem sie wissenschaftliche Erkenntnisse und praktisches Handwerkszeug vermitteln. Des Weiteren gibt es zahlreiche Medienstudiengänge, die technisch (etwa Medieninformatik), wirtschaftlich (Medienwirtschaft) oder künstlerisch (Mediengestaltung) orientiert sind.

  • Wie ist das Studium aufgebaut?
    Im Bachelor lernen die Studenten der Kommunikationswissenschaft in Vorlesungen, Seminaren und Übungen, wie Kommunikation funktioniert. Sie befassen sich mit Theorien, die erklären, wie eine Botschaft vom Sender zum Empfänger gelangt. Darüber hinaus lernen sie die Mediengeschichte von Gutenberg bis Google und erfahren, wie das Mediensystem aufgebaut ist. Nachrichtenwerttheorien erklären, warum für den Zeitungsleser der Bau einer Umgehungsstraße im Nachbarort oft wichtiger ist als ein Kampfeinsatz der Bundeswehr im Ausland. »Uns interessiert, warum Menschen bestimmte Medien auswählen und wie sich dieses Verhalten ändert, wenn neue Möglichkeiten wie Social Media auftauchen«, sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Klaus-Dieter Altmeppen. Neben Grundlagen von Medienrecht und Medienwirtschaft werden wissenschaftliche Methoden vermittelt: Die Studenten lernen, wie man Daten mithilfe von Statistikprogrammen erhebt und auswertet – etwa um zu erfassen, wie die Bevölkerung zur Energiewende steht und welchen Einfluss die Medien darauf haben. In den höheren Semestern vertieft man – teils in eigenen kleinen Forschungsprojekten – Teilgebiete der Kommunikationswissenschaft. »Wir haben analysiert, wie unterschiedlich Printmedien über Armut berichten«, sagt die 19jährige Valerie Hase, die mit 16 ihr Abitur gemacht hat und nun im sechsten Semester Kommunikationswissenschaften in Münster studiert. Die Medienwissenschaften haben viele Berührungspunkte mit der Philosophie, der Kunstgeschichte sowie den Theater- und Literaturwissenschaften. Schon im ersten Semester können Studenten Platons Begriff von Schönheit und Kunst begegnen oder sich mit der Zentralperspektive als symbolischer Form auseinandersetzen. »In den ersten zwei Semestern muss man sowohl das Grundvokabular der Film- und Medientheorie als auch die Klassiker der Philosophie lernen, das finde ich absolut faszinierend«, sagt Jorgo Narjes, 21, Student der Medienwissenschaft im vierten Semester an der BauhausUni Weimar. Zentral ist die Frage der Medialität und der damit verbundenen Wahrnehmung von Wirklichkeit: »Die Studenten lernen, dass unsere Kultur so stark von Medien durchdrungen ist, dass sie unser Bild von uns selbst und der Welt ganz entscheidend prägen«, sagt Professor Malte Hagener. Die Studenten befassen sich auch mit der Geschichte, der Theorie und der Ästhetik einzelner Medien. Außerdem erlernen sie Analysetechniken, um zum Beispiel herauszufinden, nach welchem Prinzip ein Film erzählt ist. »Für eine Hausarbeit habe ich den Roman Berlin Alexanderplatz mit der Fernsehserie und der Kinoversion verglichen und untersucht, inwieweit die Buchstruktur übertragen wurde«, erzählt Jorgo Narjes aus Weimar. In Praxismodulen üben die Studenten, wie man Interviews führt oder eine Nachricht schreibt. Sie machen eigene Radiobeiträge oder erstellen ein Medienkonzept für eine Kulturveranstaltung. Valerie Hase: »Ich habe mit sechs Mitstudenten eine fiktive Werbekampagne für eine FastFoodKette entworfen.« Ihr gefällt, dass man bei ihrem Studium in Werbung, PR und Journalismus hineinschnuppern kann: »Man bekommt von allem ein bisschen was mit und kann Kontakte zu Praktikern knüpfen.« Viele Studenten machen nach dem Bachelor einen Master. Neben den zahlreichen Angeboten in Medien- oder Kommunikationswissenschaften gibt es kombinierte Studiengänge wie Medieninformatik oder Medienmanagement sowie Studiengänge, die Schwerpunkte wie Strategische oder Online-Kommunikation anbieten. In Journalistikstudiengängen lernen die Studenten die wissenschaftlichen Grundlagen von Mediennutzung und Medienwirkung kennen, üben aber immer auch die journalistische Praxis. Sie versuchen sich an Textformen wie Reportage oder Kommentar und simulieren in Lehrredaktionen oder Medienwerkstätten den journalistischen Alltag. Dabei entstehen Magazine, Webseiten, Radio- und Fernsehsendungen. »Für meinen Schwerpunkt Fernsehen habe ich im zweiten und dritten Semester etwa 50 Tage in Recherche, Drehen, Schneiden und Sprechen gesteckt«, sagt Christian Kleber, 25, der an der TU Dortmund studiert und kurz davor ist, seinen Bachelor in Journalistik abzuschließen. »Besonders schön war es, eine 40-minütige Talksendung zu konzipieren und umzusetzen.« Im fünften Semester war er zwei Wochen für alle Sendungen des Dortmunder Campus-TV redaktionell verantwortlich: »Ich habe Autoren betreut, Konferenzen geleitet und Beiträge abgenommen.« Oft kooperieren die Hochschulen mit Verlagen und Rundfunkanstalten, was es Journalistikstudenten erleichtert, ein Praktikum zu bekommen. An der TU Dortmund ist in das vierjährige Bachelorstudium ein zwölfmonatiges Volontariat eingebettet. Den Weg in den Journalismus können auch passende Masterstudiengänge ebnen, etwa an den Unis Mainz, München oder Leipzig.



    Neue Entwicklungen
    Das Internet hat die Medienlandschaft und die Kommunikationsformen umgewälzt, jeder kann heute Medieninhalte herstellen. »Aktuell setzen wir uns zum Beispiel mit der Demokratisierung von Wissen auseinander«, sagt Professor Malte Hagener. In Seminaren werden Blogs oder Twitter- Meldungen behandelt, auch Handy-Videos können zum Forschungsobjekt werden. Die Studenten lernen, wie man multimedial arbeitet, Videopodcasts erstellt oder Websites gestaltet. Die Hochschulen haben eigene Radio- und Fernsehstudios, stellen Aufnahmegeräte und Schnittplätze zur Verfügung. Zu einem prominenten Thema sind Soziale Netzwerke geworden. Forschungsfragen lauten zum Beispiel: Wie und wofür nutzen Jugendradios und Zeitungen Facebook? Oder: Welche Folgen hat es, sich diesen Netzwerken zu verweigern? Untersucht werden auch neue Geschäftsmodelle der Medien wie etwa kostenpflichtige Online-Inhalte und der Umgang mit neuen Anwendungen wie Apps.



    Eignung, Hürden, Irrtümer
    Bundesweit gibt es mehr als 200 Studienprogramme, die »irgendwas mit Medien« anbieten. Interessenten sollten daher genau prüfen, was der jeweilige Studiengang bietet. Noch wichtiger ist die Frage: Möchte ich mich wirklich wissenschaftlich mit Kommunikation und Medien beschäftigen? »Man muss bereit sein, sich mit Theorien und Konzepten auseinanderzusetzen, sonst quält man sich durchs Studium«, sagt Studentin Valerie Hase. Praxiserfahrungen müsse man in erster Linie nebenher sammeln – vor allem, um herauszufinden, was man beruflich machen wolle. Denn weder Kommunikations- noch Medienwissenschaftsstudiengänge haben das Ziel, Redakteure oder Nachrichtenmoderatoren hervorzubringen. Diese Berufe können Absolventen zwar ergreifen, wer jedoch Journalist werden will, ist besser beraten mit einem Fachstudium plus Zeitungsvolontariat, dem Besuch einer Journalistenschule oder einem Journalistikstudiengang mit hohem Praxisanteil. Hier sollte man genau nachhaken: Wie viel Zeit wird dem Recherchieren, Schreiben, Drehen eingeräumt? Ist die nötige Ausstattung vorhanden? Unterrichten Praktiker? Wegen der hohen Nachfrage liegt der NC in den Medienstudiengängen oft im Einserbereich. Wer Journalistik studieren will, muss an vielen Hochschulen für Bachelor und Master zusätzlich in Wissenstests und persönlichen Gesprächen überzeugen und probehalber eine Reportage oder einen Kommentar verfassen.



    Berufsperspektiven
    Die Palette ist vielfältig: Als Marktforscher oder Mediaplaner untersuchen Kommunikationswissenschaftler, welche Fernsehprogramme beliebt sind. Andere entwickeln neue Sendungen, gestalten Webseiten oder Online-Auftritte. Manche zieht es ins Marketing oder Management eines Medienunternehmens, sie arbeiten in der Werbung oder in der Kommunikationsberatung. Auch Medienwissenschaftlern stehen diese Berufe offen, sie sind jedoch häufiger in Filmproduktionen, bei der Organisation von Festivals oder in der Kulturarbeit tätig. Journalistikabsolventen arbeiten oft in Redaktionen, vor allem bei regionalen Tageszeitungen. Nach Angaben des Deutschen Journalisten Verbands (DJV) gab es 2012 etwa 73 000 hauptberuflich tätige Journalisten, rund 50 000 davon fest angestellt. Mindestens 23 000 verdienen ihr Geld als freie Mitarbeiter auf einem hart umkämpften Markt mit oft niedrigen und sogar sinkenden Honoraren. Immer wieder entstehen neue Berufe, etwa der des Datenjournalisten: Er recherchiert Daten und bereitet sie für die Veröffentlichung auf. »In den Medienberufen insgesamt sind die Berufsaussichten nach wie vor befriedigend«, sagt Klaus-Dieter Altmeppen, »vorausgesetzt, man ist nicht auf einen bestimmten Job festgelegt.« Dem Hochschul-Informations-System zufolge hatten 2010 mehr als siebzig Prozent der Absolventen von Medienstudiengängen ein Jahr nach Abschluss den Berufseinstieg geschafft. Sie verdienten im Schnitt 34 000 Euro jährlich, wobei die Unterschiede sehr groß sind. Für Journalisten speziell sieht es derzeit eher düster aus: Laut DJV drängen jedes Jahr 2000 Absolventen auf den Markt, doch nur jeder zweite hat eine Aussicht auf einen festen Arbeitsplatz – wozu auch Jobs bei Pressestellen oder in Produktionsgesellschaften gehören.



    MITARBEIT: MAREN WERNECKE

    BÜCHER UND LINKS
    Huberta Kritzenberger: Medienberufe. Der erfolgreiche Weg zum Ziel. Springer, Berlin 2007; 136 S., 9,95 Euro. Für alle, die »was mit Medien« machen wollen.

    Huberta Kritzenberger: Medienberufe. Der erfolgreiche Weg zum Ziel. Springer, Wiesbaden 2012; 146 S., 12,95 Euro. 31 Professoren beantworten typische Fragen zum Studium.

    Rudolf Stöber: Kommunikations- und Medienwissenschaften. Eine Einführung. C. H. Beck, München 2008; 271 S., 14,95 Euro. Überblick über die Fachbegriffe sowie die Theorien und Modelle, die man kennen muss.

    medienstudienfuehrer.de: Enthält Medienstudiengänge in Deutschland, Job- und Praktikumsangebote.

    dgpuk.de: Website der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

    gfmedienwissenschaft.de: Website der Gesellschaft für Medienwissenschaft.

  • Überblick der Studienangebote für das Fach in der ZEIT ONLINE Studiengangsuche

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