Wie ist das Studium aufgebaut?
Die eine Säule des Sportstudiums ist die Theorie,
die sich mit Sportsoziologie, -geschichte, -medizin
und -psychologie, aber auch mit Pädagogik,
Didaktik sowie Bewegungs- und Trainingswissenschaft
befasst. Die andere Säule ist die Praxis.
Hier werden Ballsportarten, Schwimmen, Turnen,
Leichtathletik, Gymnastik und Zweikampfsportarten
wie Judo oder Fechten gelernt
und trainiert. Gerade zu Beginn des Studiums
absolvieren die Sportwissenschaftler viele Praxiskurse.
»Das macht Spaß, vor allem, wenn man Neues ausprobieren kann. Ich habe zum
Beispiel noch nie Speer- und Diskuswurf gemacht.
Und ich hätte auch nicht gedacht, dass Aerobic
und Pilates so anstrengend sind«, sagt Lukas
Bosse, 23, der im vierten Semester Sportwissenschaft
an der Uni Freiburg studiert.
In den Vorlesungen der ersten Semester geht
es darum, Sport zum Forschungsgegenstand zu
machen. So erfahren die Studenten, wie welche
Sportarten entstanden sind. In Biomechanik und
Anatomie geht es darum, wie der Körper arbeitet
und welche Kräfte beim Sport auf ihn einwirken.
Außerdem lernen die Studenten, wie sie anderen Menschen bestimmte Sportarten und Bewegungstechniken
beibringen. Am Ende jedes Semesters
wird der Vorlesungsstoff in Klausuren abgeprüft.
Über einzelne Aspekte, die in Seminaren behandelt
werden, schreiben die Studenten Hausarbeiten,
etwa über Verletzungsarten. »Ich habe eine
Hausarbeit darüber geschrieben, wie man mit
dem Core-Training seine Rumpfmuskulatur
stärken kann«, berichtet etwa Lukas Bosse. Auch
in den praktischen Sportkursen finden in der
Regel Prüfungen statt. Das kann beispielsweise
ein Fußballspiel sein, bei dem die Prüfer besonders
auf Technik und Taktik achten.
Ein Sportstudium ist zunächst breit angelegt.
Auch Sportwissenschaftler mit einem Managementprofil
kommen an Schwimm- oder Leichtathletikkursen
nicht vorbei. In den höheren
Semestern können die Studenten dann aber
Schwerpunkte setzen. Wer sich auf Sportmedizin,
Trainingswissenschaft oder Biomechanik konzentriert,
vertieft zum Beispiel sein Wissen über
die Bewegungsabläufe des Körpers und geht der
Frage nach, wie sie sich verbessern lassen. Wer
sich mehr für die geistes- und sozialwissenschaftlichen
Aspekte des Fachs interessiert, kann Sportpädagogik,
Sportgeschichte oder Sportpsychologie
wählen. »Am besten man informiert sich vor
dem Studium darüber, welche Schwerpunkte die Hochschulen setzen und wie die Sportwissenschaft
mit anderen Fächern zusammenarbeitet,
um sich dann für den passenden Studienort zu
entscheiden«, rät Dorothee Alfermann, Präsidentin
der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft
und Professorin an der Uni Leipzig. Denn
die reinen Sportstudiengänge verschwinden
mehr und mehr zugunsten von Schwerpunktfächern.
Manche Unis bieten inzwischen keinen
allgemeinen Bachelor in Sportwissenschaft
mehr an, sondern setzen auf bestimmte Spezialisierungen,
etwa Gesundheitsmanagement oder
Sportpädagogik. So gibt es an der Uni Potsdam
den Bachelor Sporttherapie und Prävention, die
TU Darmstadt bietet den Studiengang Sportwissenschaft
und Informatik, und die Deutsche
Sporthochschule in Köln hat gleich fünf verschiedene
Bachelor-Spezialisierungen.
Viele Sportstudenten hängen nach dem
Bachelor einen Master dran. Dieser ist forschungsorientierter
und man hat kaum noch
praktische Kurse. Wie schon im Bachelor sind
dabei Spezialisierungen üblich. Meike Helms
hat sich für den Master Sport, Medien und
Kommunikationsforschung, eines von sieben
Masterangeboten an der Sporthochschule Köln,
entschieden. »Auf meinem Stundenplan stehen
Statistik und Verfahren zur Datenerhebung,
aber auch Kommunikationsforschung, Medien- und
Werbepsychologie«, sagt die 26-Jährige.
Neue Entwicklungen
Immer wichtiger für Sportwissenschaftler wird
die Gesundheitsvorsorge. Meist geht es darum,
Trainingsprogramme für spezielle Zielgruppen
wie Kinder oder Senioren zu erarbeiten. »Meine
Uni hat einen Schwerpunkt auf bewegungsbezogene
Gesundheitsförderung. Es gibt immer mehr
ältere Menschen mit Krankheiten. Ich finde es
interessant, zu lernen, wie man mit ihnen Sport
machen kann«, sagt der Freiburger Student Lukas
Bosse. Auch die Bedeutung des Sports im
Bildungswesen hat zugenommen. 2009 haben
dazu verschiedene Organisationen wie die Deutsche
Vereinigung für Sportwissenschaft das
»Memorandum zum Schulsport« verabschiedet.
Die Vereinbarung fordert einen hochwertigen
Sportunterricht. »Aktuell stellt die Einführung
von Ganztagsschulen nicht nur den Schulsport,
sondern auch die Sportlehrerausbildung vor neue
Herausforderungen«, sagt Dorothee Alfermann.
Eignung, Hürden, Irrtümer
Um Sport studieren zu können, muss man ein
Alleskönner sein. Die Studenten sollten Spaß an
verschiedenen Sportarten haben. Zwar können sie
im praktischen Teil Schwerpunkte wählen, aber
es reicht nicht, nur im Tischtennis oder Schwimmen
sehr gut zu sein. Auch wer am liebsten Fußball
spielt, muss die Gymnastikkurse besuchen.
Die Theorie sollte man ebenfalls nicht unterschätzen,
zumal Methodenlehre und Statistik eine
große Rolle spielen. »Das Studium an sich würde
ich nicht als anstrengend bezeichnen. Aber die
Konzentration wird durch die Kombination aus
Praxisveranstaltungen und Vorlesungen über den
Tag hinweg stark gefordert. Am Ende ist man
dann schon platt«, sagt Lukas Bosse. Das Lesepensum
nimmt ebenfalls Zeit in Anspruch. »Da
kommt man auf 50 bis 60 Seiten pro Woche. Und
die Studien sind oft auf Englisch«, sagt die Masterstudentin
Meike Helms.
Die Abbrecherquote bei den Sportstudenten
ist zwar relativ niedrig, dafür sind die Anforderungen,
um einen Studienplatz zu bekommen, hoch.
An fast allen Hochschulen müssen die Bewerber
einen praktischen Eignungstest bestehen, der in
Köln 60 Euro und in Bochum 40 Euro kostet. In
der Regel müssen die Bewerber in Leichtathletik,
Turnen, Schwimmen, einem Mannschaftsspiel
(Basketball, Fußball, Volleyball oder Handball)
und einem Rückschlagspiel (Badminton, Tennis
oder Tischtennis) zeigen, was sie können. Die
Sporthochschule Köln prüft an einem einzigen
Tag insgesamt 20 Einzelleistungen, von denen die
Kandidaten 19 bestehen müssen.
Die Tests finden ein- bis zweimal im Jahr
statt. Die Hochschulen stellen unterschiedliche
Anforderungen an die Eignungsprüfung, und
auch wenn man eine erfolgreich absolviert hat,
wird sie nicht an allen Standorten anerkannt.
Wer Sport studieren will, sollte daher im Vorfeld
überlegen, an welcher Uni er den Test absolviert.
Zur Vorbereitung kann man zum Beispiel den
Sportlehrer aus der Schule fragen oder bei einer
Hochschulsportgruppe mittrainieren.
Wegen der vielen Bewerber haben die meisten
Unis einen NC, der in der Regel im Zweier-
Bereich liegt. Auch für den Master gibt es oft mehr
Bewerber als Plätze, weshalb die Zulassung ebenfalls
häufig beschränkt ist. »Bei meinem Masterprogramm
kamen auf 30 Plätze 250 Bewerber«,
sagt etwa Meike Helms. »Die Hochschule hat
deshalb Punkte vergeben für die Abschlussnote,
das Motivationsschreiben, praktische Erfahrungen,
den privaten oder beruflichen Sportbezug,
Trainertätigkeiten, Auslandserfahrung und wissenschaftliche
Mitarbeit an Projekten.«
Berufsperspektiven
Rund zwei Drittel aller Sportstudenten wollen
Lehrer werden, ihre Ausbildung unterscheidet
sich je nach Bundesland. Wer
nicht auf Lehramt studiert, hat vielfältige Berufsperspektiven.
»Ich interessiere mich für Sportpsychologie.
Später möchte ich Spitzensportler
betreuen und ihnen in Wettkampfsituationen die
Versagensängste nehmen«, sagt Lukas Bosse. Die
meisten Absolventen finden im Gesundheitsmarkt
eine Stelle, etwa in Fitnesszentren oder
Kurkliniken überall dort, wo Menschen sich
bewegen oder bewegen sollen. Sportwissenschaftler
arbeiten auch bei Unternehmen, die Trainingsgeräte
oder Nahrungsergänzungsmittel anbieten.
Manche gehen ins Eventmanagement und organisieren
Gesundheitstage für Krankenkassen. Ein
Jahr nach dem Abschluss hatten laut Hochschul-
Informations-System 2010 gut 70 Prozent der
Sportwissenschaftler den Berufseinstieg geschafft,
Lehrer ausgenommen. Das Einstiegsgehalt lag bei
23 200 Euro.
MITARBEIT: KRISTIN HAUG
BÜCHER UND LINKS
Sportwissenschaft studieren. Verlag Meyer&Meyer, Aachen. In der Reihe sind viele Titel von Sportökonomie über Sportpädagogik und Sportpsychologie bis Trainingswissenschaft erschienen. Jeder kostet 18,95 Euro.
dvs-sportstudium.de: Die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft listet alle Sportinstitute mit den jeweiligen Studiengängen auf. Außerdem gibt es Tipps zur Bewerbung und viele weiterführende Links.
zbsport.de/videos: Auf der Homepage der Sporthochschule Köln kann man sich Videos von den verschiedenen Disziplinen des Eignungstests anschauen.
bisp.de: Beim Bundesinstitut für Sportwissenschaften gibt es Infos über sportwissenschaftliche Datenbanken, Forschungsvorhaben und Fachveranstaltungen.
dvgs.de:
Seite des Deutschen Verbandes für Gesundheitssport und Sporttherapie mit Infos zu diesen Themen.