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Über das Fach

Germanistik

Germanisten befassen sich mit deutscher Sprache und Literatur.
Ein Artikel von Oliver Burgard. Mitarbeiter: Kathrin Fromm

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Germanistik

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Darum geht es

Germanisten können sich mit Goethe und Schiller beschäftigen, aber auch mit Feridun Zaimoglu oder Helene Hegemann. Die drei Hauptdisziplinen des Studiums sind ältere deutsche Literatur, neuere deutsche Literatur und Sprachwissenschaft. »In der Literaturwissenschaft analysiert man mit verschiedenen Methoden Texte und entwickelt eigene wissenschaftliche Interpretationen«, sagt Martin Huber, Professor an der Uni Bayreuth und Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes. In der Sprachwissenschaft, auch Linguistik genannt, geht es hingegen darum, systematisch Aspekte der Sprache zu beschreiben, wie Syntax, Wortbildung oder gesprochene Sprache. In den ersten Semestern werden in Überblicksveranstaltungen die Grundlagen der drei Hauptdisziplinen vermittelt. In der älteren deutschen Literatur untersucht man Texte aus dem Mittelalter, zum Beispiel das Nibelungenlied. Die neuere deutsche Literatur beginnt im späten 16. Jahrhundert und reicht bis zu aktuellen Bestsellern oder literarischen Blogs im Internet. Die Studenten beschäftigen sich mit den Themen und Stilmitteln verschiedener Autoren und Epochen oder vergleichen geschriebene Texte mit Verfilmungen. In der Sprachwissenschaft geht es unter anderem um grammatische Formen und ihre Funktionen, um Dialekte und um Soziolekte wie etwa die besonderen Ausdrucksformen in den sozialen Medien oder die Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Nachdem die Studenten einen Überblick erhalten haben, wählen sie im dritten Studienjahr einen Schwerpunkt – auch für die Bachelorarbeit. Viele Studienanfänger entschieden sich wegen der neueren deutschen Literatur für ein Germanistikstudium, beobachtet Huber. »Ich kann aber nur raten, offen zu bleiben und sich auch auf Themen aus den anderen Bereichen ernsthaft einzulassen. Das kann sehr spannend sein!«

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Von Professoren empfohlene Voraussetzungen und Fähigkeiten für ein Studium im Fach Germanistik

  • Interesse an Sprache
  • Interesse an Literatur / Lesefreude und -bereitschaft
  • Interesse an Geschichte / historische Grundkenntnisse
  • Interesse an Forschung und wissenschaftlichem Arbeiten / Grundkenntnisse wissenschaftlichen Arbeitens
  • Kommunikationsfähigkeit / Sprachkompetenz / Ausdrucksfähigkeit (inkl. Lese- und Schreibkompetenz und Textverständnis)
  • Argumentations- / Diskussionsfähigkeit
  • Reflexions- und Kritikfähigkeit / kritisches Denken
  • selbstständiges, selbstorganisiertes und -diszipliniertes Lernen und Arbeiten / Selbstmanagement / Bereitschaft zum Selbststudium
  • abstraktes / logisches / analytisches Denkvermögen
  • gute Deutschkenntnisse

Quelle: Professor(inn)enbefragung im Rahmen des CHE Rankings 2016/17

Eignung, Hürden, Irrtümer

Es klingt banal, aber die größte Herausforderung ist für viele der Berg an Büchern und Texten, den sie im Laufe eines Germanistikstudiums bezwingen müssen. Etwa 50 Seiten pro Tag zu lesen ist für Germanistikstudenten normal. Dabei sind sie keineswegs nur am Schmökern. Zu den Romanen, Dramen, Kurzgeschichten und Gedichten kommen Theorietexte. Selbst wenn man gerne liest, ist es oft eine Herausforderung, die eigene Leseerfahrung in die Fragestellungen der Literaturwissenschaft zu übertragen. Auch mit der analytischen Herangehensweise der Sprachwissenschaft kommt nicht jeder Student klar. Für andere sind eher die alt- beziehungsweise mittelhochdeutschen Texte eine Hürde, weil sie sich schwertun, sich auf die ungewohnte Sprache einzulassen. Jeder, der Germanistik studieren will, bekommt einen Platz, wenn auch nicht unbedingt an seiner Wunsch-Uni. An etwa jeder zweiten Hochschule gibt es einen Numerus clausus, der oft zwischen zwei und drei liegt.

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Typische Fragestellungen des Fachs

  • Warum und wie unterscheiden sich gesprochene und geschriebene Sprache?
  • Welche Rolle spielt das lyrische Ich im Minnesang?
  • Wie hat sich der moderne Literaturbegriff entwickelt?
  • Wie funktionieren Graphic Novels?
  • Wie entstehen Dialekte?
  • Welche formalen Besonderheiten haben Fontanes Erzählungen?
  • Was kennzeichnet die Nachkriegsliteratur?
  • Welche Elemente mittelalterlicher Heldenkonzepte finden sich heute in Filmen?
  • Warum entwickeln Jugendliche eigene Sprachformen?
  • Welche Frauenbilder kennzeichnen die deutsche Literatur der 1920er Jahre?
  • Auf welche Weise lassen sich Adjektive klassifizieren?

Übrigens

Im Mittelalter wurden Satzzeichen eher selten und nicht nach klaren Regeln verwendet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ähnelt die Interpunktion dann schon dem heutigen Gebrauch.

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