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Über das Fach

Verfahrenstechnik

Verfahrenstechniker und Chemieingenieure schaffen aus Rohstoffen neue Produkte.
Ein Artikel von VON JULIA KIMMERLE

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Verfahrenstechnik

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Darum geht es

Bier und Kopfschmerztabletten haben eines gemein: Um sie herzustellen, braucht man das Know-how von Verfahrenstechnikern und Chemieingenieuren. Die Zutaten müssen richtig gemischt, chemische Prozesse angestoßen und gestoppt werden. Verfahrenstechniker und Chemieingenieure beschäftigen sich mit biologischen, chemischen und physikalischen Abläufen - sie zerkleinern, reinigen, mischen, trennen und fermentieren Rohstoffe. Und sie entwerfen Anlagen, die diese Prozesse steuern. Überall, wo Verbrauchsgüter hergestellt werden, sind die Absolventen im Einsatz. Ohne sie gäbe es weder Treibstoffe noch Fruchtjoghurts. Der Frauenanteil ist mit rund dreißig Prozent deutlich höher als in anderen Ingenieurwissenschaften. Sowohl im Chemieingenieurwesen als auch in der Verfahrenstechnik geht es darum, aus Rohstoffen neue Produkte zu schaffen. Die Verfahrenstechniker konzentrieren sich darauf, Anlagen zu bauen, zu betreiben und zu verbessern. Die Chemieingenieure hingegen optimieren die biologischen oder chemischen Prozesse, die in diesen Anlagen ablaufen. Beide Fächer sind interdisziplinäre Ingenieurwissenschaften, die Anteile aus dem Maschinenbau, der Chemie und der Technischen Physik umfassen. Chemieingenieurwesen und Verfahrenstechnik werden an den vielen Fachhochschulen und an einigen Universitäten als jeweils eigene Studiengänge angeboten. An der Mehrzahl der Universitäten sind die beiden Fächer jedoch ein Schwerpunkt im Studiengang Maschinenbau. In den ersten Semestern befassen sich die angehenden Chemieingenieure und Verfahrenstechniker mit den Grundlagen aus der Mathematik, der Chemie, der Biologie, der Physik, der Geologie und der Informatik, aber auch aus der Physikalischen Chemie, der Elektro- und Werkstofftechnik, der Mechanik, der Thermodynamik und der Strömungstechnik sowie der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik. Parallel dazu lernen sie bereits anwendungsorientierte Inhalte, im Fach Konstruktion etwa, wie man Bauteile zeichnet. Beim Chemieingenieurwesen besteht ein Großteil des Studiums aus praktischen Arbeiten und Übungen. »Etwa 50 Prozent ihrer Zeit verbringen die Studenten im Labor«, sagt Karl-Heinz Jacob, Chemieprofessor an der FH Nünberg. Auch die angehenden Verfahrenstechniker probieren bereits im Studium vieles praktisch aus. Tobias Bosse studiert im dritten Master-Semester Verfahrenstechnik an der FH Münster. Ihn reizt die Verbindung von Theorie und Praxis, zum Beispiel bei der Planung von Baukonzepten für chemische Anlagen in der Umwelt- und Verfahrenstechnik. »Es macht mir Spaß zu berechnen, wie etwa eine Biogasanlage besonders effizient arbeiten kann«, sagt er. Bereits zu Beginn des Studiums wählen die Studenten Schwerpunkte. Das Angebot reicht von den Grundlagen der Konstruktion bis zum Apparatebau, von Kunststofftechnik bis zur Regenerativen Energie- und Umwelttechnik. Nicht jede Hochschule hat alles im Programm, man sollte das Angebot vorher prüfen. Im Verlauf des Studiums lernen die Studenten typische Anlagenteile wie Pumpen oder Mischer kennen und erfahren, welche chemischen und physikalischen Prozesse in bestimmten Anlagen ablaufen. In den letzten beiden Bachelorsemestern machen die Studenten oft ein Praxissemester. »Meist schicken wir sie in die chemische Industrie oder in Elektro- und Maschinenbaubetriebe, wo sie lernen, welche Rolle die Chemie in den unterschiedlichen Branchen spielt«, sagt Jacob. Weit mehr als die Hälfte aller Bachelorabsolventen schließen einen Master an. Allerdings erhielten viele Absolventen bereits mit dem Bachelorabschluss eine gute Stelle, beobachtet Bernd Schinke, Professor für Verfahrenstechnik an der HAW Mannheim. Die Masterstudiengänge in der Verfahrenstechnik sind in der Regel spezialisiert, etwa auf Umwelttechnik, auf Bioverfahrenstechnik oder auf Pharmatechnik. Im Chemieingenieurwesen können sich die Studenten zum Beispiel auf Chemische Biotechnologie oder Analytische Chemie konzentrieren. Noch basieren viele Prozesse der Verfahrenstechnik auf fossilen Rohstoffen. Doch Erdgas und Öl werden knapp, daher sind regenerative Energien hochaktuell. Immer wichtiger werden auch die Biotechnologie sowie die Batterie- und Brennstoffzellentechnik für die Elektromobilität. Das Arbeiten mit Computertools nimmt an den Hochschulen zu, weil damit genauere Berechnungen möglich sind. »Heute können wir alle Prozesse auf dem Computer simulieren, zum Beispiel eine Temperaturänderung oder den Einsatz einer anderen Pumpe«, sagt Schinke. Das Studium des Chemieingenieurwesens sei in der letzten Zeit naturwissenschaftlicher und laborbezogener geworden, beobachtet Karl-Heinz Jacob: »Die Technik wurde zurückgedrängt, Analytik, Biotechnologie und Biochemie spielen eine immer größere Rolle.« Dies gilt vor allem auch für den mit dem Chemieingenieurwesen verwandten Studiengang Angewandte Chemie. Weil die Ingenieure später oft Wochen oder sogar Monate ins Ausland gehen, um dort Anlagen zu planen, legen viele Hochschulen Wert auf Internationalität im Studium. Einige, wie beispielsweise die Hochschule Mannheim, die Technische Universität Cottbus oder die private Hochschule Fresenius Idstein, bieten internationale Studiengänge an, in denen ein Auslandssemester fester Bestandteil ist

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Von Professoren empfohlene Voraussetzungen und Fähigkeiten für ein Studium im Fach Verfahrenstechnik

  • Affinität zur Mathematik / mathematische Vorkenntnisse
  • Affinität zu den Naturwissenschaften / naturwissenschaftliche Vorkenntnisse
  • Technikinteresse / technisches Grundverständnis
  • abstraktes / logisches / analytisches Denkvermögen
  • Lernbereitschaft / Einsatz- und Leistungsbereitschaft
  • selbstständiges, selbstorganisiertes und -diszipliniertes Lernen und Arbeiten / Selbstmanagement / Bereitschaft zum Selbststudium

Eignung, Hürden, Irrtümer

Da die Bewerberzahlen steigen, haben viele Hochschulen einen Numerus clausus eingeführt. Bisher reichte meist eine Zwei vor dem Komma. Zum Teil muss vor dem ersten Semester ein achtwöchiges Betriebspraktikum nachgewiesen werden, das man manchmal jedoch auch noch im Studium nachholen kann. Wer das Fach studiert, sollte sich für Naturwissenschaften und Technik interessieren und gerne analytisch denken. Viele machen sich Sorgen wegen der anspruchsvollen Kurse in Mathe, Physik und Organischer Chemie in den ersten Semestern. Habe man die richtige Einstellung, sei das aber unnötig, sagt Bernd Schinke: »Das fachliche Know-how kann man sich aneignen, Spaß am Thema nicht.« Am schwierigsten fände sie die Physikalische Chemie, bei der man verstehen muss, wie und warum Stoffe umgewandelt werden, sagt Serap Üclü, 22, die im vierten Semester Angewandte Chemie an der Fachhochschule studiert. Letztlich sei das aber zu packen. Am besten gefalle ihr am Studium die Biochemie, weil sie eng mit Medizin und Biologie verknüpft ist. »Hier lernen wir viel über Aminosäuren, über Proteine, Enzyme, Kohlenhydrate und DANN. Das finde ich extrem spannend.« Da die Fachliteratur für beide Richtungen fast ausschließlich auf Englisch verfasst ist, hilft es, wenn man sich darin sicher fühlt. Die meisten Verfahrenstechniker und Chemieingenieure arbeiten in der Industrie - von der Pharmaherstellung über die Lebensmittelbranche bis hin zum Anlagenbau. 10 bis 15 Prozent sind bei Verbänden und Organisationen beschäftigt. Verfahrenstechniker werden oft in der Produktion und im Anlagenbau eingesetzt. Im Labor sind sie dafür verantwortlich, neue Produkte, die es bisher nur im Reagenzglas gab, kilo- oder tonnenweise herzustellen. In der Energietechnik werden sie besonders bei der Herstellung von Windkraftanlagen oder Biogasanlagen gebraucht. »In den nächsten Jahren werden vor allem Biotechnologie-Firmen expandieren und Absolventen suchen«, sagt Bernd Schinke. Chemieingenieure sind vielfältig einsetzbar, häufig findet man sie in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen. In der Mineralölindustrie erarbeiten sie neue Warnsysteme. In der Kosmetikherstellung kümmern sie sich darum, dass Hautcremes auch ohne Konservierungsstoffe Schimmel widerstehen und Nagellack schön schimmert und lange hält. Bei Entsorgungsunternehmen entwerfen sie Kläranlagen, oder sie machen Strom aus Müll. Das Hochschul-Informations-System in Hannover hat 2010 Absolventen des Faches befragt. Mehr als 90 Prozent hatten binnen zwölf Monaten den Berufseinstieg geschafft, bei einem Jahresgehalt von durchschnittlich 39 400 Euro.

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