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Pflegewissenschaft studieren

Pflegewissenschaftler lernen, worauf es bei der Pflege von kranken Menschen ankommt.
Ein Artikel von Katharina Wagner. Mitarbeit: Cornelia Weber

Pflegewissenschaft studieren
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Pflegewissenschaft

Darum geht es

Wunden versorgen, beim Anziehen helfen oder jemanden aus dem Bett heben: Pflegehandlungen gehören zum Alltag in Krankenhäusern, Pflegeheimen und bei Pflegediensten. Wie diese organisiert sind, welche medizinischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte zu beachten sind, lernen Pflegestudenten. In den ersten Semestern lernen sie biologische und medizinische Grundlagen. Wie Medizinstudenten müssen sich auch Pflegestudenten mit Anatomie und Physiologie des Menschen auskennen. Den Stoff lernen sie in kleinen Gruppen, dazu werden Fallbeispiele besprochen. Wird etwa das Herz-Kreislauf-System bearbeitet, lernt man zugleich, wie man einen Herzkranken lagert und dass er Thrombosestrümpfe braucht. In »Skills-Labs« werden Pflegehandlungen geübt – vom Waschen bis hin zur Vorbereitung einer Infusion. Dafür gibt es computergesteuerte Modellpuppen, die zum Beispiel einen Patienten mit Schmerzen simulieren können. »Das kommt Fällen aus dem späteren Beruf schon sehr nahe«, sagt Johannes Korporal, Professor an der Alice-Salomon-Fachhochschule in Berlin und Vorstand der Dekanekonferenz Pflegewissenschaft. Die Pflegehandlungen und Gespräche werden aufgezeichnet und gemeinsam besprochen. Kommunikationstheorien, Sozialrecht und Ethik sind weitere wichtige Studieninhalte, denn im Alltag stehen Pflegefachkräfte regelmäßig vor problematischen Situationen. Korporal: »Damit ein Patient beim Schlafen nicht aus dem Bett fällt, könnte ein Bettgitter angebracht werden. Doch damit muss er erst mal einverstanden sein.« Pflegestudiengänge bieten unterschiedliche Schwerpunkte, etwa Management oder Pädagogik. Jeder dritte Pflege-Bachelor ist dual, häufig mit integrierter Ausbildung. Andere Studiengänge setzen in der Regel eine abgeschlossene Pflegeausbildung voraus. Noch ist der Anteil der Hochschulabsolventen in der Pflege gering. Die Absolventen können eine Leitungsposition übernehmen oder später Pflegefachkräfte ausbilden. »Wegen des Ärztemangels werden Pflegefachkräften in Zukunft neue Aufgaben übertragen«, prophezeit Korporal.

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Voraussetzungen aus Sicht von Professoren für ein Studium im Fach Pflegewissenschaft

  • Interesse / Freude am Umgang mit Menschen
  • Interesse an vorbeugender, behandelnder, nachsorgender Tätigkeit mit Menschen mit beeinträchtigter Gesundheit
  • Interesse an eigenständiger Tätigkeit im Bereich Pflege / Gesundheit
  • Interesse an Forschung und wissenschaftlichem Arbeiten / Grundkenntnisse wissenschaftlichen Arbeitens
  • Reflexions- und Kritikfähigkeit / kritisches Denken
  • Kommunikationsfähigkeit / Sprachkompetenz / Ausdrucksfähigkeit (inkl. Lese- und Schreibkompetenz / Textverständnis / Freude am Lesen)
  • Sozialkompetenz / Empathie / emotionale Intelligenz
  • Offenheit / Aufgeschlossenheit / Neugierde / Innovationsfähigkeit
  • Assoziations- und Transferfähigkeit / systemisches Denken
  • Bereitschaft zum interdisziplinären Lernen mit Studierenden unterschiedlicher Gesundheitsfächer
  • selbstständiges, selbstorganisiertes und -diszipliniertes Lernen und Arbeiten / Selbstmanagement / Bereitschaft zum Selbststudium
  • Speziell für beruflich erstausbildende Studiengänge: Interesse an einem interdisziplinären Studium in Verbindung von biologischen und sozialen Grundlagen
  • speziell für Studiengänge im Bereich Pflegemanagement: Vorerfahrung durch Praktika oder Berufsausbildung

Quelle: Professor(inn)enbefragung im Rahmen des CHE Rankings 2015/16

Eignung, Hürden, Irrtümer

Interesse an Naturwissenschaften ist nicht unbedingt vonnöten, aber hilfreich. Auf jeden Fall sollte man hilfsbereit sein und sich nicht so leicht ekeln: Pflegestudenten müssen auch mal eitrige Wunden versorgen oder Erbrochenes wegwischen. Der Umgang mit pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen erfordert Einfühlungsvermögen. »Die Arbeit wird von vielen Pflegefachkräften als körperlich und seelisch belastend erlebt«, sagt Korporal. Trotz Tragesystemen sei es anstrengend, Patienten (die im Schnitt immer schwerer werden) etwa vom Bett in den Rollstuhl zu heben. Auch das Leid der Patienten müsse man ertragen. Am besten ein Pflegepraktikum machen, bevor man sich für dieses Fach entscheidet. Pflege ist meist zulassungsfrei. Manche Hochschulen verlangen ein Vorpraktikum oder eine Ausbildung.

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Typische Fragestellungen des Fachs

  • Wie stellt man einen Pflegeplan auf?
  • Wie handelt man ein Pflegebudget aus?
  • Wie heilen Wunden am schnellsten?
  • Warum sollte sich die Pflege von Demenzkranken an deren Biografie orientieren?
  • Wie können Pflegekräfte ärztliche Leistungen selbstständig durchführen?
  • Wie begleitet man einen Sterbenskranken?

Übrigens

Sich zehn Minuten auf den Boden legen, um gegen den Pflegenotstand zu protestieren: Zu solchen Flashmobs ruft der Verein »Pflege am Boden« auf.

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