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Über das Fach

Romanistik studieren

Romanisten lernen und erforschen Sprachen, die aus dem Lateinischen entstanden sind.
Ein Artikel von Oliver Burgard. Mitarbeit: Gabriele Meister

Romanistik studieren
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Romanistik

Darum geht es

Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch oder doch lieber Rumänisch, Katalanisch und Sardisch? Die Romanistik behandelt die Sprachen und Kulturen sehr unterschiedlicher Länder und Regionen. Ebenso vielfältig sind die Studiengänge: Man kann eine oder mehrere Sprachen studieren oder sich für einen regionalen Schwerpunkt wie etwa Lateinamerika entscheiden. Immer geht es dabei um Sprachen lateinischen Ursprungs. Das Studium basiert auf drei Hauptdisziplinen: Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft. Die Studenten lernen, wie sich die von ihnen gewählten romanischen Sprachen entwickelt haben, sie analysieren Romane, untersuchen aber auch Telenovelas und diskutieren gesellschaftspolitische Aspekte, zum Beispiel die Sprache des Populismus in Frankreich oder die Darstellung lateinamerikanischer Diktatoren in der Literatur. Eine weitere wichtige Säule des Studiums ist die Sprachpraxis. Trotzdem ist das Romanistikstudium kein bloßer Sprachkurs. Die Studenten lernen vielmehr, mit verschiedenen Kommunikationssituationen umzugehen und wissenschaftliche Essays zu schreiben. Ein Auslandssemester ist immer häufiger Bestandteil des Studiums und dringend zu empfehlen. Ziel ist es, ein tief greifendes Verständnis für romanische Sprachen und Kulturen zu entwickeln. »Die wichtigste Voraussetzung für ein Romanistikstudium ist die Begeisterung für romanische Kulturen«, sagt Angela Schrott, Professorin für Romanistik an der Uni Kassel und Vorsitzende des Deutschen Romanistenverbands. »Man muss dazu bereit sein, sich intensiv mit der Sprache und Literatur eines anderen Kulturraums zu beschäftigen.«

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Voraussetzungen aus Sicht von Professoren für ein Studium im Fach Romanistik

  • Interesse an Sprache
  • Interesse an Literatur / Lesefreude und -bereitschaft
  • Interesse an Geschichte / historische Grundkenntnisse
  • Internationale, interkulturelle Aufgeschlossenheit / Interesse an internationalen Themen
  • Kommunikationsfähigkeit / Sprachkompetenz / Ausdrucksfähigkeit (inkl. Lese- und Schreibkompetenz und Textverständnis)
  • Argumentations- / Diskussionsfähigkeit
  • Reflexions- und Kritikfähigkeit / kritisches Denken
  • selbstständiges, selbstorganisiertes und -diszipliniertes Lernen und Arbeiten / Selbstmanagement / Bereitschaft zum Selbststudium
  • abstraktes / logisches / analytisches Denkvermögen
  • Auslandserfahrung / Bereitschaft für Reisen und Auslandsaufenthalte
  • Fremdsprachenkenntnisse in der/n Sprache(n), die studiert werden soll(en)

Quelle: Professor(inn)enbefragung im Rahmen des CHE Rankings 2016/17

Eignung, Hürden, Irrtümer

Abiturienten unterschätzen oft die theoretischen Anteile des Fachs. In der Romanistik geht es vor allem darum, Sprache und Literatur wissenschaftlich zu untersuchen. Dazu muss man viel lesen: nicht nur Romane, sondern auch Texte zur Literaturtheorie sowie zur Geschichte und politischen Situation der romanischen Länder. Am Anfang sind die Seminare an vielen Unis noch auf Deutsch, da die Studenten unterschiedlich gute (oder gar keine) Sprachkenntnisse mitbringen. Im Laufe der Semester wird der fremdsprachige Anteil immer größer. »Einige Studienanfänger bringen geringe Sprachkenntnisse mit, weil die romanischen Sprachen an den Schulen weniger präsent sind als das Englische«, sagt Angela Schrott. »Aber das kann man im Studium rasch und gut aufholen.« Sie empfiehlt ein FSJ im Ausland oder zumindest einen Intensivsprachkurs vor dem Studienstart. Die meisten Romanistikstudiengänge sind zulassungsfrei. Häufig gibt es einen Sprachtest zur Einstufung. Einige Unis verlangen auch Lateinkenntnisse, die man sich aber noch in den ersten Semestern aneignen kann.

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Typische Fragestellungen des Fachs

  • Wie sind aus gesprochenem Latein die romanischen Sprachen entstanden?
  • Welche Ursachen haben die Unterschiede zwischen den romanischen Sprachen?
  • Welchen Einfluss hatten die Dichter und Denker der französischen Aufklärung auf die Französische Revolution?
  • Wie spiegelt sich das koloniale Erbe in der lateinamerikanischen Literatur wider?
  • Warum gibt es in Frankreich einen Widerstand gegen Anglizismen?
  • Welche Bedeutung hat Katalanisch für die kulturelle Identität Kataloniens?
  • Welche sprachlichen Besonderheiten sind typisch für das Portugiesische in Brasilien?
  • Wie hat sich Italien zum Sehnsuchtsort der Deutschen entwickelt?

Übrigens

Eines der ersten schriftlichen Zeugnisse für das Spanische stammt aus dem frühen Mittelalter: eine Notiz, in der ein Mönch die Käsevorräte seines Klosters auflistet. Damals wurde das Spanische fast nur gesprochen – geschrieben wurde auf Latein.