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Über das Fach

Romanistik

Romanisten lernen und untersuchen Sprachen, die aus dem Lateinischen entstanden sind.
Ein Artikel von Oliver Burgard. Mitarbeit: Gabriele Meister

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Romanistik

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Darum geht es

Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch oder doch lieber Rumänisch, Katalanisch und Sardisch? Die Romanistik behandelt die Sprachen und Kulturen sehr unterschiedlicher Länder und Kontinente. Ebenso vielfältig sind die Bachelorstudiengänge: Man kann eine oder mehrere Sprachen studieren oder sich für einen regionalen Schwerpunkt wie Lateinamerika oder Italien entscheiden. Immer geht es dabei um Sprachen lateinischen Ursprungs. Das Studium basiert auf drei Hauptdisziplinen: Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft. Die Studenten lernen, wie sich die romanischen Sprachen entwickelt haben, sie untersuchen Romane, Filme oder Telenovelas und beschäftigen sich mit politischen und gesellschaftlichen Fragen, zum Beispiel damit, wie die Wirtschaftskrise spanische Autoren beeinflusst. Hinzu kommen die Sprachkurse, die etwa ein Drittel des Studiums ausmachen. Dort lernen die Studenten Grammatik und Konversation und üben, Essays in der gewählten Fremdsprache zu verfassen. Ein Studienaufenthalt im Ausland ist selten vorgeschrieben, aber notwendig. »Ich kann nur jedem dazu raten, weil man im Ausland rund um die Uhr und in unterschiedlichsten Zusammenhängen mit der Fremdsprache konfrontiert wird«, sagt Thomas Klinkert, Professor an der Uni Zürich und Vorsitzender des Deutschen Romanistenverbands. Manche Unis bieten auch einen Romanistikbachelor mit integriertem Auslandsjahr an, teilweise verlängert sich das Studium dadurch auf vier Jahre.

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Von Professoren empfohlene Voraussetzungen und Fähigkeiten für ein Studium im Fach Romanistik

  • Interesse an Sprache
  • Interesse an Literatur / Lesefreude und -bereitschaft
  • Interesse an Geschichte / historische Grundkenntnisse
  • Internationale, interkulturelle Aufgeschlossenheit / Interesse an internationalen Themen
  • Kommunikationsfähigkeit / Sprachkompetenz / Ausdrucksfähigkeit (inkl. Lese- und Schreibkompetenz und Textverständnis)
  • Argumentations- / Diskussionsfähigkeit
  • Reflexions- und Kritikfähigkeit / kritisches Denken
  • selbstständiges, selbstorganisiertes und -diszipliniertes Lernen und Arbeiten / Selbstmanagement / Bereitschaft zum Selbststudium
  • abstraktes / logisches / analytisches Denkvermögen
  • Auslandserfahrung / Bereitschaft für Reisen und Auslandsaufenthalte
  • Fremdsprachenkenntnisse in der/n Sprache(n), die studiert werden soll(en)

Quelle: Professor(inn)enbefragung im Rahmen des CHE Rankings 2016/17

Eignung, Hürden, Irrtümer

Abiturienten unterschätzen oft die theoretischen Anteile des Fachs. »Viele denken: Ich studiere Italienisch, weil ich die Sprache mag und gerne nach Italien fahre. Und dann müssen sie sich mit historischer Morphologie beschäftigen und Boccaccio lesen«, sagt Professor Klinkert. Interesse an einem Land sei zwar eine gute Motivation, dennoch gehe es in der Romanistik vor allem darum, Sprache und Literatur wissenschaftlich zu untersuchen. Dazu muss man viel lesen: nicht nur Romane, sondern auch Texte zur Literaturtheorie und zur Geschichte und Politik der romanischen Länder. Man darf keine Angst vor komplizierten Texten haben und muss offen sein für theoretische Themen wie Grammatik. Am Anfang sind die Seminare an vielen Unis auf Deutsch. Im Laufe der Semester wird der fremdsprachige Anteil immer größer. Bei Französisch werden in der Regel Kenntnisse vorausgesetzt, bei anderen Sprachen darf man oft bei null beginnen, das Studium verlängert sich allerdings entsprechend. Einige Fakultäten verlangen Lateinkenntnisse. Manchmal braucht man das Latinum, manchmal genügt ein weniger ausführlicher Lateinkurs. Beides kann man am Anfang des Studiums nachholen. Die Mehrzahl der Romanistikstudiengänge ist zulassungsfrei, einige Unis führen aber eine Sprachprüfung durch.

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Typische Fragestellungen des Fachs

  • Welche Gemeinsamkeiten haben Italienisch, Spanisch und Französisch?
  • Was sind die typischen Stilelemente des französischen Nouveau Roman?
  • Durch welche Bücher wurde der Regisseur Federico Fellini zu seinen Filmen inspiriert?
  • Wie spiegelt sich das koloniale Erbe Spaniens in der lateinamerikanischen Literatur wider?
  • Welche Formen der Sprachpflege gab es in Italien im 16. und 17. Jahrhundert?
  • Welchen Einfluss hatten die Dichter und Denker der französischen Aufklärung auf die Französische Revolution?
  • Welche Bedeutung hat die Sprache für die kulturelle Identität Kataloniens?
  • Welche sprachlichen Besonderheiten sind typisch für das Portugiesische in Brasilien?

Übrigens

Im spätmittelalterlichen Norditalien entstanden die ersten mächtigen Bankhäuser. Schon Dante übte in der »Göttlichen Komödie« Kritik an den habgierigen Florentinern.